Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Bury Tomorrow: Cannibal

Bury Tomorrow werden mit jedem Album stärker
Wertung: 10/10
Genre: Metalcore
Spielzeit: 42:06
Release: 03.07.2020
Label: Sony Music

Ziemlich genau zwei Jahre ist es erst her, dass die Briten Bury Tomorrow mit ihrem fünften Album „Black Flame“ wieder ein wahres Metalcore-Feuerwerk entfachten und so energiegeladen sich die Jungs um Sänger Dani auf der Bühne präsentieren, so viel Power scheint auch im Studio in der Truppe zu schlummern – wie sonst ist es zu erklären, dass sich auf „Cannibal“ wieder elf bombenstarke Songs versammelt haben, allen voran natürlich der Titeltrack und sein Partner-in-Crime „Choke“?

Wie üblich macht der Fünfer keine Gefangenen, kein langes Intro wiegt den Hörer in Sicherheit, stattdessen wird der Übersong „Choke“ direkt frontal in die Kauleiste geballert und wenn man meinte, dass Fronter Dani sich stimmlich nicht mehr weiterentwickeln könnte, wird man hier spätestens in der zweiten Songhälfte eines Besseren belehrt. Der bereits gelobte Titelsong bildet dann einen absolut bandtypischen Track ab, bei dem nicht nur druckvolle Drums und ein mitreißender Groove, sondern auch beide Vocalisten nochmals positiv hervorgehoben werden müssen, die sich nicht etwa auf ihrem Teppich aus fragilen Gitarrenmelodien ausruhen, sondern stattdessen Wände einreißen. Kleine persönliche Info am Rande: Der Track ist auf YouTube bereits seit gut fünf Monaten online und wird von der Schreiberin dieser Zeilen immer noch fast täglich gefeiert. So viel Penetranz muss ein Song erst mal aushalten.

„The Grey (VIXI)“ mag dann zwar ein reichlich schräges Video haben, das passt aber im Umkehrschluss wieder ganz gut zu den überraschenden Tempowechseln und der etwas schrägen Melodieführung, der sich Clean Vocalist Jason hier unterwerfen muss. Der Track kommt deutlich weitläufiger daher als seine kompakten Kollegen und behandelt einmal mehr das Thema psychische Gesundheit, für dessen Entstigmatisierung sich Sänger und Texteschreiber Dani schon einige Jahre einsetzt.

„The Agonist“ entpuppt sich als grooviger, fieser Wadenbeißer, bei dem vor allem die derben Shouts geradezu Schaum vor dem Mund aufkommen lassen und sicherlich live für einige blaue Flecke sorgen dürften – dazu lässt natürlich das passende Pendant in Form von Jasons melancholischem Klargesang nicht lange auf sich warten. Man muss es immer wieder betonen: Bury Tomorrow haben mit diesen beiden Musikern einfach das große Los gezogen, bei dem sich viele andere Genrekollegen sicherlich nur neidisch abwenden können. „Quake“ kommt nur im ersten Moment zerbrechlich daher, bricht sich dann aber in einem massiven Refrain Bahn, obwohl hier die Rollen vertauscht sind – dem Klargesang wird die Hauptrolle eingeräumt, was im Kontext des Albums erst mal etwas gewöhnungsbedürftig ist, aber unterm Strich super funktioniert und dem Sound der Briten eine völlig neue Nuance hinzufügt.

Regelrecht brutal donnert dann „Voice & Truth“ wieder durch die Boxen, Danis heftige Ausraster nur unterbrochen von dem ein oder anderen flirrenden Gitarrensolo und dem Klargesang. Unfassbar was der Fronter, der nun wirklich nicht zu den groß gewachsenen Musikern gehört, immer wieder für eine Energie kanalisiert. Wer die Band schon live gesehen hat, kann dies hoffentlich bestätigen – und auch, dass die Studioaufnahmen den Liveauftritten an Feuer und Leidenschaft kaum nachstehen.

Zwar behaupten alle Bands das von ihrem aktuellen Output, aber den Briten ist mit „Cannibal“ tatsächlich das bis dato stärkste Album ihrer immerhin schon 14 Jahre andauernden Karriere gelungen. Nicht nur versteht die Band es wie kaum eine zweite, das schon ziemlich durchgenudelte Genre Metalcore mit neuem Leben zu versehen, die Musiker scheinen sich auch von Veröffentlichung zu Veröffentlichung weiterzuentwickeln; besonders heraus sticht das bei den beiden Sängern, die sich mittlerweile wie zwei Köpfe ein und desselben Monsters ausnehmen und damit eine unfassbare Energie bündeln können. Da hat sich das Warten auf das verschobene Album doch mehr als gelohnt – Bury Tomorrow überzeugen auf ganzer Linie.

comments powered by Disqus