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Burn Still: Untitled

Hardcore aus dem nördlichsten Baltikum
Wertung: 7/10
Genre: Hardcore, Metalcore
Spielzeit: 26:06
Release: 16.05.2009
Label: Eigenproduktion

Estland – klein, unbedeutend, völlig verkannt. Als nördlichster Baltikumsstaat bietet sich das Land förmlich für düster-metallische Klänge an, bisher hat man aber noch recht wenig aus dieser Richtung vernommen. Auch Burn Still aus der Hauptstadt Tallinn gehören nicht etwa dem Black oder Folk Metal an, sondern kredenzen astreinen Hardcore mit modernen Elementen – so brutal und in your face, dass das Album nicht mal einen Titel hat.

Die namenlose Scheibe ist freilich nicht der erste Output des estnischen Quintetts – bereits 2006 hauten die Jungs eine Promo raus, die Fünf-Track-EP „Let The Skies Turn Black“ folgte im gleichen Jahr und selbst das vorliegende unbetitelte Werk ist inzwischen schon zwei Jahre alt. Glücklich kann sich derjenige schätzen, der regelmäßige Mails von kleinen Recordlabels erhält – vor nicht allzu langer Zeit gesellte sich in meinem Postfach auch eine Mail mit dem Betreff „sell out – alles muss raus“. Neben diversen anderen Häppchen wurde also gleich auch die aktuelle Burn Still abgestaubt – auf den Tipp des Betreibers hin: „Wenn du auf Dauergemoshe stehst, hör dir die an.“

Recht hat er gehabt, der Gute, denn Burn Still machen auf gerade mal sieben Songs und nicht ganz einer halben Stunde Spielzeit keine Gefangenen. Passenderweise standen die Fünf schon mit Combos wie War From A Harlots Mouth oder Soilwork auf der Bühne, man kann sich also in etwa vorstellen, was für eine Abrissbirne hier auf 26 Minuten verteilt wurde.

„Marshall, Please Die“ eröffnet den munteren Reigen voller Breakdowns, schneidender Riffs und Olve Ladvas durchaus druckvollem Organ. Der Mann shoutet in alter Hardcore-Manier, bringt aber auch mal Growls aus den Untiefen der unteren Magengegend zum Vorschein. Dabei beherrschen die hierzulande vermutlich gänzlich unbekannten Estländer die Mischung zwischen rasantem Geprügel und, naja, sagen wir mal schleppenderem Geprügel wirklich gut: „Uprising“ lebt vom Hin und Her zwischen Lichtgeschwindigkeit übertretenden Doublebasspassagen und massiven Breakdowns.

„Ravenous“ knüppelt sich dann fast Grindcore-mäßig durch die Botanik, was auch die kurze Spieldauer von knapp zweieinhalb Minuten erklärt – auf Dauer hält das Tempo ja weder Mensch noch Maschine durch. Trotzdem bringen Burn Still in all dem Geboller noch einen fast ruhigen Part unter, der sicherlich live für einige Wall Of Death-Ansätze sorgt. „Forget Your Dignity“ fährt dann eine ganz andere und ziemlich überraschende Schiene: Hier trifft Hardcore der alten Schule auf Rage Against The Machine-mäßigen Sprechgesang, der von den Gastsängern Rainer Olbri und Sven Luik beigesteuert wird. Interessant ist der Song allemal, fraglich bleibt jedoch, ob er die Burn Still-Fangemeinde überzeugen kann.

 Als finalen Wuthappen hauen die Estländer „Nine To Five Martyrs“ heraus, das gleich mal mit der brachialen Spielzeit von zehn Minuten aufwartet – wer jetzt allerdings gespannt auf ein progressives Hardcorestück in Eposzeit wartet, wird natürlich bitter enttäuscht; zwar prügeln Burn Still gute drei Minuten wild drauflos, dann folgen aber erstmal qualvolle sechs Minuten Stille, bevor Olev ebenso qualvolle Vocalübungen vollführt, die eigentlich weniger nach Growls, sondern mehr nach einem kotzenden Nashorn klingen. Schade, da hätte man noch mindestens einen, wenn nicht gar zwei Tracks unterbringen können.

Estland sollte definitiv in den engeren Kreis der Metalländer aufgenommen werden. Burn Still vertreten ihr Land würdig, wenn sie auch nicht gerade das Rad neu erfinden. Stattdessen gibt es aber einen allzeit überzeugenden Sänger, technisch versierte Instrumentalisten und strukturell größtenteils überzeugende Tracks. Sieben Punkte sind da in jedem Fall drin.

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