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Burkini Beach: Supersadness Intl.

Galgenhumor, verpackt in Akustiksound
Wertung: 8/10
Genre: Singer/Songwriter, Alternative
Spielzeit: 33:21
Release: 19.05.2017
Label: RecordJet

Einem Mann mit Namen Rudi Maier würde man nun nicht unbedingt zutrauen, eines der eindringlichsten Singer/Songwriter-Alben des Jahres aus dem Ärmel zu schütteln. Unter dem Namen Burkini Beach hat der Sänger und Gitarrist der Indie Punks The Dope aber genau das getan: „Supersadness Intl.“ heißt der Traum eines jeden Schwermütigen, dabei bewegt sich Herr Maier veröffentlichungstechnisch auf dünnem Eis: Die Platte kam nämlich gar nicht als selbige auf den Markt, sondern nur digital – und als Hardcover-Buch, bestückt mit Lyrics, Bildern und dem Downloadlink; aber ohne CD.

Seit gut zwei Jahren veröffentlicht Maier nun unter dem Namen Burkini Beach, privat scheint der Mann auf den Singer/Songwriter-Sound gar nicht so sehr abzufahren, dafür präsentiert er sich auf den zehn Songs aber sehr professionell und mit viel Galgenhumor, der es wert ist, dass man beim Hören die Texte zur Hand hat. Bestes Beispiel hierfür ist gleich der Opener „Kitchen Sink“, ein filigranes Acoustic-Stück, das von Depression und Antriebslosigkeit erzählt und in dem der Protagonist sich im großen Finale versucht in der Küchenspüle zu ertränken.

Die Songs von Burkini Beach sind also nicht immer das, was sie zuerst zu sein scheinen, oft lohnt sich ein zweiter Blick, ein erneutes Anhören; nie habe ich jemanden eine Zeile wie „I shit my pants“ so gefühlvoll intonieren hören wie Maier in „Luxembourg“, dazu noch das leicht dramatische Keyboard – ein Song, bei dem es vielleicht sogar ein bisschen die Stimmung killt, wenn man allzu sehr auf die Lyrics achtet.

„Bodyguards“, das vorneweg bereits mit einem ziemlich coolen Video veröffentlicht wurde, hat dann einen eindeutigen Bonny & Clyde-Touch, wobei man sich durchgängig nicht so ganz sicher sein kann, ob sich das Protagonistenpärchen gemeinsam versteckt oder ob die erwähnte Suzanne nicht vielleicht eher Opfer eines psychisch etwas verwirrten Verehrers geworden ist. „Jungle Book“ beinhaltet dann am Ende tatsächlich eine literarische Anspielung, bevor man in „Death Cup“ ein bisschen über den Gentleman schmunzeln muss, der sich aufgrund unkontrollierten Alkoholkonsums höflich eine interessierte Dame vom Hals zu halten versucht. Dennoch: Ein Romantiker ist an Maier nicht unbedingt verloren gegangen: Im finalen, recht positiv gestimmten „Sleepover“ gibt sich der Mann keinen Illusionen über seine neue Verliebtheit hin – „you know how fast/ these feelings pass/ it's pretty clear/we should better use that time frame, dear“.

Aufmerksamen Hörer, die sich mit den Texten des Landshuters auseinander setzen, wird schnell auffallen, dass es sich hier nicht um eine weichgespülte Akustikplatte handelt, wie sie unzählige Songwriter jährlich auf den Markt schieben. Stattdessen umschiffen Burkini Beach geschickt die Felsen des Kitsch, der sich bei diesem Musikstil allzu schnell einstellen kann, und kontern mit schwarzem Humor und spitzen Pointen – dafür kann man die Zähler schon im oberen Bereich ansetzen.

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