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Burden Of Life: The Makeshift Conquerer

Eine Unterrichtsstunde in Sachen Metal
Wertung: 8/10
Genre: (Melodic) Death Metal, Progressive Metal
Spielzeit: 59:13
Release: 10.03.2020
Label: Noizgate Records

Burden Of Life wird auf ewig die Band mit dem Wal sein. Seit dem auf der letzten Scheibe „In Cycles“ befindlichen Song „52 Hz“, bei dem es um einen zu Einsamkeit verdammten Meeressäuger geht, hat sich diese Story unweigerlich in den Synapsen der Schreiberin dieser Zeilen mit der Regensburger Combo verknüpft. Eine merkwürdige Assoziation, aber zumindest eine, die wirklich im Gedächtnis bleibt.

Auf der neuen Scheibe „The Makeshift Conquerer“ geht es zwar nicht um Wale, dafür bleiben Burden Of Life sich aber insofern treu, als dass sie weiterhin die Schubladen des Metal sprengen. Progressive, Heavy, Death, Thrash – da kommt jedes Genre mal dran, man hört gar stellenweise Pagan-Einflüsse („Goddess Of The River“), erneut wird mit einer Ballade gestartet und Fronter Kötti kann sich mal wieder vollends zwischen Klargesang und Geschrei austoben – da rutschen die Herrschaften auch schon mal vor lauter Begeisterung in die Achtziger ab („Anthem Of The Unbeloved“). Kein Ding, kann passieren. Burden Of Life verzeiht man ja beinah alles.

Man verzeiht den Jungs dann auch, dass man für „The Makeshift Conquerer“ deutlich mehr Zeit und Konzentration aufwenden muss als für so manch andere Platte. Das ist man schon gewöhnt vom Vorgängeralbum, bei dem nach dem ersten Durchlauf auch erst mal große Verwirrung vorherrschte – da verabschiedet man sich auch ganz schnell von dem Versuch, die Band irgendwie einordnen zu wollen, sondern richtet sein Augen- und Ohrenmerk lieber auf die einzelnen Songs an sich.

Zur Mitte der Platte hin scheinen Burden Of Life mit „Sealing Our Fate“ und „Pisces“ (da wären wir dann auch wieder beim Meerestier-Thema) ein bisschen mehr der Death-Metal-Wurzeln gedenken zu wollen, was sich vor allem in deutlich flotteren Gitarren und Köttis rotzigem Gesang äußert. Gerade im Refrain von „Sealing Our Fate“ werden dann noch schöne Melodiebögen in den Hintergrund gewebt, überraschend kommt dann noch Klargesang dazu – soviel also zum klassischen Todesmetall.

Eine astreine Ballade versteckt sich hinter „Trust My Own Heart“, wo einmal mehr deutlich wird, wie gut sich Kötti auch im anspruchsvolleren Klargesang zurechtfindet – überraschend auch die weibliche Vokalunterstützung, die perfekt mit dem männlichen Part harmoniert. Gänsehaut ist da tatsächlich vorprogrammiert, wenn auch ein bisschen Kitsch nicht ganz vermieden werden kann. Da ging der Opener „The Makeshift Conquerer Pt. I“ mit Akustikgitarre und ohne weiblichen Support doch noch etwas kerniger zu Werke; sein Spiegelbild hat der Song im finalen, folgerichtig betitelten „The Makeshift Conquerer Pt. II“ gefunden, das unterm Strich auf beinah elf Minuten Laufzeit kommt und mit einem recht klassischen, aber spaßigen Heavy-Metal-Intro den Weg ebnet für heiseres Gebell und galoppierende Drums. Im Verlauf wird der todesmetallische Anteil deutlich erhöht, man spielt sich progressiv ins Nirwana, dabei schaffen es Burden Of Life aber, dem Hörer immer durch die Finger zu gleiten, sobald dieser ein Genre ausgemacht zu haben scheint, auf dass er sich festlegen kann.

Und gerade das macht Spaß an „The Makeshift Conquerer“ wie auch schon an der Vorgängerscheibe, wenn es auch bedeutet, dass man die Regensburger nicht mal eben nebenbei beim Geschirr spülen anhören kann (man kann natürlich schon, sollte dann aber ein Pflaster bereit halten). Die neue Scheibe ist musikalisch ganz großes Kino, wenn auch stilistisch etwas gewöhnungsbedürftig, kann aber zumindest zwei ruhigere Songs für sich beanspruchen, die beinah ohne Kitsch auskommen, und zeigt außerdem weiterhin auf, dass Burden Of Life sich mit einem der variabelsten Sänger der deutschen Metalszene brüsten können. „The Makeshift Conquerer“ muss wieder im deutlichen oberen Punktesegment angesiedelt werden.

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