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Brutal Truth: End Time

Nichts für Migränegeplagte
Wertung: 4.5/10
Genre: Death Metal, Grindcore
Spielzeit: 54:36
Release: 27.09.2011
Label: Relapse Records

Das kleine Label Relapse Records versorgt seine Fanschar normalerweise mit hochkarätigen Scheiben von Mastodon, DeathFuck The Facts und ähnlichen großen Namen. Die New Yorker Brutal Truth, die ebenfalls im Bandroster zu finden sind, gehören da schon zu den unbekannteren und extremeren Combos. Wer regelmäßig das Guinness Buch der Weltrekorde schmökert, könnte schon von den Amis gehört haben: ihr Video zu „Collateral Damage“ taucht dort nämlich als kürzestes Musikvideo aller Zeiten auf - mit einer Laufzeit von gerade mal 2,18 Sekunden.

Wenn man so etwas liest, ahnt man schon: Hier geht es um Grindcore. Seit elf Jahren verkloppen die Jungs ihre Instrumente, malträtieren ihre Stimmbänder und bringen die Ohren derjenigen zum Bluten, die sich den umfangreichen Backkatalog der Truppe zugelegt haben: fünf Langrillen, zwei Demos, fünf EPs und unzählige Splits, unter anderem mit Converge. Trotz dieses enormen Angebots fällt es schwer, sich ein richtiges Bild vom Sound machen: Die neue und sechste Scheibe „End Time“ wird zumindest von mir beim ersten Durchgang nach dem dritten Lied erstmal wieder abgewürgt – für solche Späße muss man wirklich in Stimmung sein.

Der zweite Durchlauf sieht nicht viel besser aus. Mit 22 Liedern, von denen überhaupt nur drei die Drei-Minuten-Marke überschreiten, und einem viertelstündigen Rausschmeißer mit dem Namen „Control Room“ (dazu später mehr) haut die Scheibe auch den nervenstärksten Metaller aus dem Sitz. Von der Fülle an Songs erschlagen, sinkt man zurück in den Sitz und lässt sich von der Grindcore-Dusche hinwegspülen – könnte man meinen. Brutal Truth haben aber dafür gesorgt, dass der gemeine Hörer, sollte er mal den Mut gefunden haben, sich die Platte anzuhören, nicht so schnell dahinschlummern kann: Entweder, man wird durch schrille Gitarren aus dem Traum von einer besseren Welt gerissen oder man landet tatsächlich irgendwann bei „Control Room“. Dass die Jungs den Track ans Ende der Platte gestellt haben, hat schon seine Gründe: Würde das Stück irgendwo mittendrin auftauchen, würde man geschockt den Stecker ziehen und seine Stereoanlage wahrscheinlich für immer in den Keller verbannen. Zu hören sind 15 Minuten und 21 Sekunden voller Störgeräusche, Verstärkerbrummen, Rückkopplungspfiffen und was man sonst noch so alles nicht hören will, wenn einem sein Trommelfell lieb ist. Ganz ehrlich: hätte man hier eine Katze am Schwanz gepackt und gegen die Wand geschlagen, wäre es in dem ganzen akustischen Wirrwarr kaum aufgefallen.

Wenn man „Control Room“ mal hinter sich hat – und länger als zwei Minuten hält man das eh nicht ohne Spulen aus – nimmt sich der Rest der Platte fast wie ein Spaziergang aus. Der Opener „Malice“ startet noch gefährlich schleppend, Sänger Kevin Sharp klinkt sich aber schon mit tiefen Growls ein. Tatsächlich entpuppt sich „Malice“ später als tief in den Knien groovender Stampfer. Gleich darauf gibt’s aber Futter für alle Migränegeplagten, die bei Brutal Truth vielleicht sowieso eher nicht zugreifen sollten. Irgendwie hat Gitarrist Erik Burke das zweifelhafte Talent, so merkwürdige Gitarrenriffs zu bringen, dass man nur Kopfschmerzen bekommen kann. In Kombination mit den Drums fängt der Kopf bald an zu pochen wie ein fauler Zahn und der liebgewonnene Tinnitus vom letzten Festival kriecht auch wieder aus seinem Versteck. Jetzt könnte man anmerken, dass das bei Grindcore normal ist, aber: Das ist es eben nicht. Es gibt Abertausende Grindcore-Bands, die äußerst brutal und fies klingen, ohne einem solche Kopfschmerzen zu bereiten.

Aber weiter, es führt ja kein Weg dran vorbei: „Small Talk“ lässt schon fast Hardcore-Wurzeln durchscheinen, und gehört definitiv zu den hörenswerteren Songs der Platte. „Warm Embrace Of Poverty“ schleicht sich dann wieder ganz fies mit einleitenden Geräuschen heran und tritt zu Beginn erst einmal ordentlich auf die Bremse. Langsamen Death Metal könnte man das wohl nennen, was Brutal Truth hier zelebrieren, aber nach all dem Gehämmer ist man fast zu erledigt, um das noch zu würdigen. Und das ist genau das Problem der Scheibe: Die wenigen guten Songs gehen in dem durchgehend montonen Herumgebolze einfach unter. Man fühlt sich wie durch den Wäschtrockner geschickt, und zwar nicht unbedingt im positiven Sinne. Zwar finden sich immer irgendwelche abgehärteten Typen, die bei Brutal Truth noch die Melodie erkennen (die ja da ist, nur wird sie eben in Grund und Boden geknüppelt), aber ich persönlich bin bei "End Time" selbst als Grind-Fan leicht überreizt.

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