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Bruce Dickinson: The Chemical Wedding

Dieses Album glänzt mit seiner düsteren Atmosphäre
Wertung: 9.5/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 57:35
Release: 15.09.1998
Label: Sanctuary Records

Nicht einmal ein Jahr war es seit Release des letzten Albums her, als sich Bruce Dickinson mit „Accident Of Birth“ 1997 wieder mit einem herrlichem Stück Heavy Metal zu Wort meldete. Das Album überzeugte damals mit der Gitarrenarbeit von Roy Z und Adrian Smith, tollem Songwriting und natürlich dem Gesang von Bruce Dickinson. Nie hätte jemand gedacht, dass er nur ein Jahr später mit „The Chemical Wedding“ ein weiteres Top-Album herausbringen würde.

Anders als bei „Accident Of Birth“ ist hier definitiv die Atmosphäre. Meine Güte, bei den ersten Tönen hat man erst das Gefühl, als würden Six Feet Under] spielen. Die ganze Platte klingt ungewohnt düster und tief, als würde man sich in einer anderen Zeit befinden. Ob die Texte, das Cover und das Booklet mit alten Gemälden diesen Eindruck verstärkt? Vermutlich schon, aber besonders durch den Sound und das häufigere Erklingen von altertümlich klingenden Saiteninstrumenten hat man das Gefühl, man befinde sich in einer Art Mittelalter unserer Zeit oder einer anderen Fantasy-Welt. Eine Mittelalter- oder Folk-CD sollte nicht erwartet werden, ganz im Gegenteil: Hier wird düsterer und knallender Heavy Metal gespielt, und zwar von der feinsten Sorte. Adrian Smith und Roy Z (wieder Produzent) bilden auch hier das Gitarren-Duo und diesmal zaubern sie noch härtere und bessere Riffs aus ihren Ärmeln als auf der „Accident Of Birth“, wobei die Riffs gelegentlich sogar recht modern klingen, den gewohnten Melodiebogen aber auch nicht vernachlässigen.

Wie schon erwähnt, klingt der erste Song bei den ersten Powerchords wie einer der Death-Metaller von Six Feet Under, was nach dem Beginn des Hauptriffs natürlich auch schon wieder vorbei ist. Doch sonst malmt sich der Song seinen Weg, wird gekonnt von den Lead-Gitarren und einem langsameren Ohrwurm-Refrain aufgelockert. Aber auf dieser Platte existiert sowieso kein Song ohne Ohrwurm-Refrain. Der Titeltrack geht seinen Weg im Midtempo und kann begeistern. Das sehr rockige „The Tower“ besticht durch einen cool klingenden Bass und klasse Gitarrenarbeit. Er rockt einfach und dass Adrian Smith hier an der Gitarre ist, hört man sehr schnell heraus. Darauf folgen „Killing Floor“ mit einem gekonnt platzierten Akustikpart in der Bridge und das überlange „Book Of Thel“. Letzterer der Tracks ist ein Knaller erster Güte, anfänglich ruhig und heraufbeschwörend, bis er sich zu einem genialem Metalsong entwickelt, mit Dickinson-typischen Vocals und perfekten Soli.

Mit „Gates Of Urizen“ geht es dann mit einer klasse Halbballade weiter, Dickinson singt einfach nur genial und verleiht dem Song eine besondere Tiefe, die auch im nächsten Song „Jerusalem“ anhält. Dieser Song klingt in seinem Sound mit den Akustikklampfen und der dezenten Drum-Akzentuierung irgendwie alt. Es klingt, als wurden alte Instrumenten aus dem Mittelalter verwendet. Die Gesangslinie ist perfekt, besonders zum Ende hin mit der obligatorischen „Oh“-Mitgröhl-Passage. Eine Sprechpassage geht sehr gut in den nächsten Song „Trumpets Of Jericho“ über, der hart und rau und vom Riffing moderner daherkommt. Doch der Song überzeugt und knallt einem auch hier einen klasse Refrain um die Ohren. „Machine Men“ besticht durch ein cooles Gitarrenriff, das immer wieder eingeworfen wird, und klasse Vocals. Gegen Ende ist sogar ein Turntable zu vernehmen, doch es kann auch nur über die Gitarrensaite gekratzt worden sein. Das abschließende „The Alchemist“ kann nicht ganz den Standard dieser Platte halten, doch der Refrain ist gewohnt schön. Dass hier gegen Ende nochmals in Melodie und Textstellen von dem Song „The Chemical Wedding“ übergegangen wird, ohne dennoch genau diesen Song zu spielen und beim Sound von „The Alchemist“ zu bleiben, beweist die Vielfältigkeit dieser Band und schließt den Kreis mit der Textzeile aus dem Titeltrack-Refrain.

Was mit „Accident Of Birth“ begann, fand hier seinen Höhepunkt. Dieses Album glänzt mit seiner düsteren Atmosphäre, den härteren, aber dennoch sehr melodiösen Songs und natürlich einer Gesangslinie, die nur von Bruce Dickinson so gesungen werden kann. Adrian Smith und Roy Z spielen glänzend und haben mit Dickinson wirklich einen Knaller nach dem anderen geschrieben. Die Songs klingen einfach heavy und können auch hier mit gekonnter Abwechslung begeistern. Wenn Bruce gar nicht oder später zurück zu Maiden gegangen wäre, hätte er noch einen besseren Hammer veröffentlicht, aber man möchte nicht fies sein, denn sieben Jahre nach „The Chemical Wedding“ hat der liebe Bruce es mit „Tyranny Of Souls“ auch fast geschafft - absolute Kaufpflicht!

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