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Bronx Casket Company: AntiHero

Im miesen Teil der Achtziger stecken geblieben
Wertung: 4/10
Genre: Hardrock, Heavy Metal
Spielzeit: 61:26
Release: 25.01.2011
Label: eOne Music

Man muss sich das neue Album von Bronx Casket Company gar nicht erst anhören, um zu wissen, dass hier der Old School-Zug an einem vorbeirast – das Line-Up der Band nimmt einen schon automatisch mit in die wilden Achtziger: Hier tummeln sich Overkill-Bassist DD Verni, Savatage- beziehungsweise Seven Witches-Gitarrist Jack Frost und Mind Eraser-Drummer Rob Pallotta zusammen mit dem leidlich unbekannten Keyboarder Charlie Calv – ja, richtig, ein Keyboarder. Nase rümpfen sei hiermit gestattet, obwohl man ja nicht alle Bands, die Keyboards nutzen, über einen Kamm scheren sollte.

Angeblich kredenzen BCC uns eine Mischung aus Heavy Metal, Prog, Doom und was es da sonst noch alles gibt. Zustimmen kann man da nur bedingt, auch wenn für das neue Album „AntiHero“, übrigens das vierte in knapp 13 Jahren Bandgeschichte, niemand Geringeres als Symphony X-Gitarrist Michael Romeo zum Soli einprügeln gewonnen werden konnte. Immerhin: Wie DD Vernis Erstband Overkill klingt die Company schon mal nicht. Wäre auch zu schade, den hektischen Thrash in einer Band mit einem so bekloppten Namen zu verbraten.

Tatsächlich ist „AntiHero“ ein zweischneidiges Schwert: Technisch versiert sind die Herren ja, keine Frage, und selbst das unleidige Keyboard bringt zwar einen psychedelischen Touch in manche Songs, trägt aber niemals zu dick auf oder wirkt gar kitschig. Nur – irgendwas stimmt nicht. Und spätestens nach dem zweiten Durchlauf weiß man, dass einem DDs Tonfall einfach nicht in den Kram passt. Würde man den Herrn zu vorgerückter Stunde in einer Kneipe treffen und er würde einen ansprechen, man würde ihm unweigerlich eine abräumen wollen – aus der Stimme des Bassisten und Overkill-Mitbegründers kann man dieses unsympathische Dicke-Eier-Gehabe geradezu heraushören, das einem schon so viele Platten vermiest hat. Natürlich muss es sowas auch geben – man denke nur an Monster Magnet-Obermacker Dave Wyndorf – aber eben nur, wenn es angemessen ist.

Den Startschuss gibt der Titeltrack der Scheibe, dessen Intro man zwar getrost hätte weglassen können, der dann aber schön dynamisch und mit schnellen Gitarren durch die Nacht pflügt. Der Refrain ist vielleicht ein bisschen flach geraten, aber hier passt zumindest noch alles zusammen – im Gegensatz zum nächsten Stück, bei dem man aufhorcht: „Sally“ hat nicht nur ein ebenso unpassendes Intro wie „AntiHero“, außerdem haben sich die Herren im Refrain auch ordentlich bei Danzigs „Mother“ bedient – textlich fast identisch, könnte man erst dem Irrtum erliegen, dass es sich hier um eine Coverversion handelt, bis sich eine stöhnende Dame einschaltet. Muss sowas denn immer sein? Und: Passt sowas überhaupt in irgendeinen Song, abgesehen von Rob Zombie-Tracks?

„I Am No One“ kommt dann verblüffend verträglich daher. Mit seinem leicht erdigen Groove reiht es sich nicht in die Reihe der „Wir sind so true und Heavy Metal“-Songs ein, sondern lädt einfach nur zum Headbangen ein – außerdem weiß DD Vernis Stimme hier richtig zu gefallen. In seinen besten Momenten klingt der Mann gar wie Godsmacks Sully Erna – wieso kommt so ein Track erst jetzt? „Death On Two Legs“ zollt dann den almighty Queen Tribut; im Gegensatz zu der 1975er Originalversion geht man hier natürlich aggressiver und metallischer zu Werke, die ursprüngliche Version gefällt mir persönlich aber immer noch besser, obwohl BCC hier keineswegs einen schlechten Job machen.  

Leider verlieren sich Songs wie „NYC (Devil’s Playground)“ in Belanglosigkeiten und hier mag auch das Keyboard nicht so recht passen, klingt es doch eher wie eine Billigorgel, die man einfach mal mitten in NYC abgestellt und zum Abschuss freigegeben hat. Ein letztes Mal bäumt sich die Platte beim Rausschmeißer und Frank Sinatra-Cover „My Way“ auf – obwohl DD nicht alle Töne einwandfrei zu treffen scheint, kann man den Song zumindest schön mitgröhlen. Ob ein Sinatrasong zum Mitgröhlen bestimmt ist, sei mal dahingestellt, aber irgendwie hat der Track in der Version der Company einen gewissen Charme.

Bitter genug, dass einer der beiden Anspieltipps ein Cover ist, aber so richtig reißen können die Herren mit „AntiHero“ nichts. In „My Way“ ein Gitarrensolo unterzubringen, das vermutlich nicht mal von Frost, sondern von Michael Romeo runtergezockt wird, geht ja schon weit über Blasphemie hinaus, ganz zu schweigen von dem Ausflug in Danzig’sche Gefilde bei „Sally“, und dem insgesamt eher schleimigen Unterton der Platte. Nach dem 20. Bier gehen die Songs bestimmt runter wie Öl, nüchtern und klar im Kopf kann man sich allerdings teils nur wundern, was hier fabriziert wurde. Über die Fünfer-Marke kommt diese Scheibe heute nicht hinaus.

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