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Brocelian: Lifelines

Metal mit der Violine?
Wertung: 7/10
Genre: Symphonic Metal
Spielzeit: 47:23
Release: 27.06.2014
Label: Bad Land Records / 7hard

Die Münchner Band Brocelian widmet sich in ihrer Musik vor allem den mystischen Wäldern in der Bretagne: Brocéliande. In den Liedern ihres Debütalbums „Lifelines“ geht es um Geschichten aus dem Leben. Die Violine ist für sie ein wichtiges Element in ihrer Musik, dementsprechend spielt sie auch in allen Liedern eine Rolle.

Das zeigt sich in „Devil´s Babe“ mehr als deutlich. Die Violine dominiert hier abschnittsweise die Soundkulisse und bringt somit ein etwas ungewohntes Element in die ansonsten altbekannten Symphonic-Metal-Klänge. Sie schmiegt sich sehr gut in die harten Riffs, ohne darin unterzugehen. Der Gesang von Frontfrau Susan präsentiert sich stellenweise leider etwas eintönig, obwohl man deutlich ihr großes Potenzial heraushören kann. Gerade im Refrain vermisst man etwas die Differenzierung, die den Melodic-/Symphonic-Bereich ausmacht, wogegen in den einzelnen Strophen der Gesang durchaus abwechslungsreich und tiefgründig daher kommt.

Ihre gesangliche Qualität zeigt die Vokalistin im Lied „Lost Memories“. Zusammen mit der Violine und dem Klavier schafft sie eine schöne, abwechslungsreiche Atmosphäre. Die etwas härteren Riffs erzeugen ein ordentliches Gegengewicht, wobei allerdings das Risiko besteht, dass der Gesang etwas untergeht. Insgesamt zeigt sich hier die Qualität der Band. 

Die Flöte bringt in „The Hunt“ ein zusätzliches Element ein. Ihr Klang passt von vornherein sehr gut zur Violine und somit verwundert es nicht, dass die beiden sich gut ergänzen. Dadurch entsteht ein Folk-lastiger Sound. Allerdings wäre es wünschenswert gewesen, wenn sich das Tempo stellenweise, dem Thema entsprechend, noch etwas gesteigert hätte.

Im folgenden „Theatre Moments“ zeigt sich eine andere erfrischende Stilart im Gesang. Dieser wird stellenweise tiefer und langsamer, wodurch eine schöne dunkle Aura entsteht und man, im Vergleich zum restlichen Album, das Gefühl bekommt, dass jemand anderes singt. Hier ist das ganze Potenzial der Band zu erkennen. Schnelle harte, Gitarren wechseln mit langsamen Violinen und Gesangparts. Auch wenn die Töne nicht immer ganz sauber, sind so hat dieses Lied doch einen großen Charme und zieht den Zuhörer in seinen Bann.

Der einzige deutsche Song auf dem Review ist der Bonustrack „Dornen“, eine deutsche Variante des Liedes „Garden Of Roses“. Im Gegensatz zum englischen Pendant ist die deutsche etwas härter, was an der harten Aussprache der deutschen Sprache liegt, denn musikalisch sind sie natürlich gleich. In den Strophen zeigt das Lied viele Balladenstrukturen zumindest gesanglich, aber dies ist sowieso ein wichtiger Bestandteil des Symphonic Metals.

Man ist etwas hin- und hergerissen, welche Variante besser ist, einerseits wird es durch das Deutsch zugänglicher aber andererseits zerstört die Aussprache der Sängerin immer wieder die Stimmung. Man kann natürlich sagen, dass so etwas ja gerade die Seele einer Band bildet, aber das ist sicherlich Geschmackssache.

Der Bereich Symphonic/Melodic ist ein komplexer, den man nur schwer komplett erfassen kann. Er beinhaltet im Grunde fast alle Elemente, die es im Metal gibt, und somit läuft man auch immer Gefahr, sich zu sehr zu verlieren. Brocelian haben mit ihrem Debüt gezeigt, dass man diese Gefahr durch ein einziges Instrument umgehen kann. In ihrem Fall war das die Violine durch ihren Einsatz ist es der Band gelungen, einen musikalischen roten Faden zu spinnen. Und diesem Faden folgen sie konsequent. Natürlich macht ein Instrument noch keine Band, die restlichen Mitglieder tragen im gleichen Maße zum Erfolg bei. Technisch sind hier und da noch Mängel erkennbar, seien es nun etwas schiefe Töne oder eine etwas unsaubere Aussprache. Aber insgesamt haben sie eine gute Arbeit geliefert und es wird sich sicherlich lohnen, ihren weiteren Weg zu verfolgen. Für alle Fans von einfachen symphonischen Klängen ist die Scheibe jedenfalls empfehlenswert.

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