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Bring Me The Horizon: Sempiternal

Ein neues Gesicht
Wertung: 9,5/10
Genre: Metalcore
Spielzeit: 46:57
Release: 29.03.2013
Label: Sony Music/RCA Records

Selten sah sich eine Band so viel blindem Hass ausgesetzt wie Bring Me The Horizon, die mit ihrem unbekümmerten Debüt „Count Your Blessings“ Klischee-beladenen Deathcore inklusive entsprechender Bandfotos auf die Welt losließen und in weiten Teilen der Metal-Gemeinde nicht besonders gut ankamen. Ob diese Haltung nun auf die Qualität der Musik oder den Neid auf den immensen Erfolg der Truppe zurückzuführen ist, ist sicherlich streitbar, Fakt ist jedoch, dass die Briten heute nicht mehr mit den Musikern vergleichbar sind, die sie 2006 waren – bereits „Suicide Season“ zeigte sich als durchaus gelungenes und eigenständiges Metalcore-Album, während „There Is A Hell, Believe Me I've Seen It. There Is A Heaven, Let's Keep It A Secret“ vor einigen Jahren den Sound der Band in ganz neue Bahnen lenkte. „Sempiternal“ heißt anno 2013 nun der endgültige Befreiungsschlag von BMTH, der der Band zu einem neuen Gesicht verhilft.

Was auf dem Vorgänger bereits an vielen Stellen angedeutet wurde, ist auf „Sempiternal“ nun zu einem gänzlich eigenständigen Klangbild herangewachsen, das sich ebenso facettenreich wie atmosphärisch gestaltet. Simple, aber wirkungsvolle Riffs geben den Songs den üblichen Drive, während der neue Keyboarder Jordan Fish die elektronischen Elemente als vollwertiges Instrument hinzufügt und den Songs gemeinsam mit den vermehrt eingesetzten Post-Rock-Aspekten auf diese Weise eine ganz neue, oftmals sehr melodische Dimension verleiht. Dass Frontmann Oli Sykes live etwas hinter den Rest der Band zurückfällt, merkt man glücklicherweise auf den Studioalben nicht – ganz im Gegenteil liefert er auf „Sempiternal“ seine bisher beeindruckendste und vielseitigste Leistung ab, die mittlerweile zwischen seinen unverkennbaren tonalen Screams, einigen wenigen eingestreuten Growls und überraschend gelungenem Klargesang schwankt und so dem Anspruch des Albums gerecht werden kann.

Das hervorragend durchdachte Songwriting tut sein Übriges und lässt das Album gänzlich ohne Lückenfüller auskommen, so dass der Hörer beinahe pausenlos mit offenem Mund zurückgelassen wird: „Can You Feel My Heart“ leitet „Sempiternal“ fulminant ein und stellt mit catchy Synths augenblicklich die neue Rolle des Keyboards vor, während Oli mit seinen emotionsgeladenen Schreien in den ruhigen Strophen und dem durchdringenden Refrain für Gänsehaut sorgt, die in einem zurückgezogenen, klar gesungenen Break ihren Höhepunkt findet – die Zeit der pausenlosen Breakdowns ist ohne Frage zuende.

Auch der Rest des Albums wimmelt geradezu von großen Momenten, die sich manchmal in den Feinheiten des dramaturgisch sehr ausgereiften Songwritings samt subtiler Keyboard-Unterstützung finden („Empire (Let Them Sing)“) lassen und zu anderen Zeiten in der erschütternden Intensität der Melodien wie im großartigen „Sleepwalking“ liegen, in dessen Ohrwurm-Refrain Oli den Punkt zwischen Schreien und Singen meisterhaft findet. Nichtsdestotrotz bleibt auch die altbewährte Aggression der Briten bestehen – in „Shadow Moses“ wird so gekonnt die Brücke von Alt zu Neu geschlagen und die wuchtigen Strophen mit einem bombastischen Refrain kontrastiert, der mit der einprägsam geschrienen Zeile „This is sempiternal!“ im Gedächtnis bleibt.

Im weiteren Verlauf von „Sempiternal“ wird die Band immer experimentierfreudiger und hält den Spannungsbogen so stets aufrecht. Das verträumte „And The Snakes Start To Sing“ hätte man so wohl am ehesten von den Deftones erwartet, doch überraschenderweise steht BMTH diese Seite sehr gut zu Gesicht und wirkt mit Olis intimem Klargesang und der flüssigen Progression in der Songstruktur gänzlich unaufgesetzt. „Antivist“ erscheint da mit seiner ungezügelten Aggressivität und Fuck-You-Attitüde beinahe schon wie ein Fremdkörper, lockert den Albumverlauf aber angenehm auf und wird im Live-Programm der Truppe sicherlich seinen festen Platz finden. Zum Ende der Spielzeit wird die experimentellere Seite jedoch wieder aufgenommen und findet einen letzten, würdigen Klimax – nachdem „Crooked Young“ mit seinen (echten) Streichern Reminiszenzen an „It Never Ends“ vom letzten Album aufkommen lässt, treiben die Briten mit „Hospital For Souls“ die Post-Rock-Einflüsse auf die Spitze und servieren getreu dem Titeltrack von „Suicide Season“ und „Blessed With A Curse“ von „There Is A Hell“ große Emotionen in knapp sieben Minuten, in denen noch einmal die ganze Klasse des Songwritings deutlich wird und die Gänsehaut unaufhörlich wächst.

„Sempiternal“ ist so nahe an einem Meisterwerk wie schon lange kein Album des modernen Metals mehr und verdient jedes bisschen Aufmerksamkeit, das ihm zuteil wird. Wer sich nicht schon aus Prinzip der Truppe verschließt, sollte sämtliche Scheuklappen ablegen und das Album, das Bring Me The Horizon endgültig eine eigene, einzigartige Nische erspielt, in all seiner Emotionalität auf sich wirken lassen – von der perfekten Symbiose aus Metalcore und atmosphärischen Keyboards bis hin zu der grandiosen Gesangsleistung stimmt hier alles. Man darf gespannt sein, wohin der Weg der Briten als nächstes führt und ob es möglich ist, diese Großtat noch zu übertrumpfen.

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