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Brillig: The Red Coats

Durchs Kaninchenloch ins musikalische Wunderland
Wertung: 9/10
Genre: Alternative Folk
Spielzeit: 51:35
Release: 03.06.2009
Label: Black Rain Records

Wer bei Google nach der Herkunft des Wortes "brillig" sucht, stößt früher oder später auf das Unsinnsgedicht "Jabberwocky" von Lewis Carroll, das in dessen Buch "Alice im Wunderland" Erwähnung findet. Besagtes Kinderbuch ist mir hauptsächlich durch den seltsamen Zwiespalt in seiner Stimmung in Erinnerung geblieben: Beim Lesen war man sich nie so ganz sicher, ob man verrückte Hutmacher, grinsende Katzen und Kartenspielkönigshöfe jetzt als abgedreht witzig oder albtraumhaft und traurig empfinden sollte, sodass sich als Mischung aus beidem schließlich eine gewisse melancholische Grundstimmung ergab – womit ich zum eigentlichen Anlass dieses Reviews komme: Dem Album "The Red Coats" des australischen Quartetts Brillig. Eben jene bittersüße Melancholie weiß diese Band in ihren Songs nämlich meisterhaft zu konservieren und auszudrücken.

Für ihren doch recht eigenen Stil bedienen sich die Musiker eines reichhaltigen Instrumentariums: Neben (akustischen) Gitarren, Bass und Schlagzeug bekommt man auch Banjo, Akkordeon, Ukulele, Bratsche und Autoharp zu hören. Folglich lässt sich der Sound von Brillig am ehesten als eine Mischung aus Folk, Kammermusik, Country und teilweise Shanty bezeichnen - eigentlich sind das aber auch allles nur Anhaltspunkte. Weitere charakteristische Klangelemente bilden die markanten, weil akzentgeschwängerten Stimmen von Matt Swayne und Elizabeth Reid, die sowohl allein als auch im Duett eine gute Figur abgeben.

Größter Plus- und gleichzeitig Minuspunkt von "The Red Coats" ist seine Gleichförmigkeit: In jedem Song sind Brillig klar erkennbar, alles wirkt wie aus einem Guss, auch wenn klanglich durchaus Unterschiede bestehen: Der Gesang aus zwei Kehlen und die gut gefüllte Klangerzeugerkiste sorgen für soundtechnische Abwechslung; mal herrschen, wie im Opener "Death At Sea", Banjoklänge vor, mal trägt ein Akkordeon einen bittersüßen Track wie "The Old Captain". Ihr Gespür für märchenhafte Melodien weiß die Band ebenfalls auf Albumlänge zu präsentieren und öffnet dem Hörer Tür und Tor in ihr eigenes Wunderland, das dem von Lewis Carroll in puncto heimliche Bosheit in nichts nachsteht. Auf musikalischer Seite kann man Brillig keinerlei Vorwürfe machen; die ausgefeilten Arrangements sprechen ebenso für sich wie die erzeugte Stimmung.

Der Teufel steckt vielmehr im Detail beziehungsweise in der bereits erwähnten Gleichförmigkeit: "The Red Coats" ist ein Balladenalbum und wo so viele Stücke einer Gattung versammelt sind, da entsteht bald ein Sättigungsgefühl, was ein Am-Stück-Hören der Platte sehr anstrengend macht. Auch wenn klanglich variiert wird, die Grungstimung der Songs ist stets als melancholisch, märchenhaft und leicht entrückt zu beschreiben.

Nun steht das Balladeske im Brillig-Stil aber sozusagen festgeschrieben. Was hätte die Band also gegen Ähnlichkeiten in allen Songs tun können? Ich habe keine Ahnung – deshalb sei dieses musikalische Kleinod ganz einfach Liebhabern ruhiger, folkiger Klänge ans Herz gelegt: Wer Geduld und eine ordentliche Aufmerksamkeitsspanne mitbringt, der wird hier jede Menge Lieblingslieder finden.

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