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Brieg Guerveno: Valgori

Schwere Kost mit reichlich Melancholie und zuckriger Pop-Attitüde
Wertung: 7/10
Genre: Prog Rock / Pop
Spielzeit: 61:07
Release: 09.01.2017
Label: Paker Prod

Da ist er ja wieder, der Alleinunterhalter aus der Bretagne mit dem etwas sperrigen Namen Brieg Guerveno, der dazu noch eine sperrige Mischung aus zerbrechlichen bis heftigen Momenten in seinen progressiven Post Rock packt, mit disharmonischen Klampfen aufwartet, im gleichen Atemzug lieblich tönt und dann noch in seiner Landessprache bretonisch – von Herzen aus, so das Begleitschreiben – radebrecht und für alle Außenstehenden eben ein Rätsel bleibt. Womit klar ist: Wenn man die Texte nicht verstehen kann, dann geht es um Gefühle...

Und ja, es gehört auch zur Einleitung dazu: Wo so viel Pain Of Salvation und melancholische Pink Floyd drin sind, müsste „Valgori“ bei unserem eigentlichen Prog-Experten David im seinem hanseatischen Nerdraum gelandet sein, aber die schier unendliche Flut an zugeschickten CDs macht eine Verteilung nicht nur übersichtlich, sondern das zeitnahe ausführliche Hören nahezu unmöglich (die Beschreibung klingt jedenfalls ganz interessant... - DN).

Und genau das ist es auch, was Brieg mit seinem nunmehr dritten Album „Valgori“ eben einfordert: Entspannt zurücklehnen, den Alltag entschleunigen und die gut eine Stunde Musik aufsaugen mit allen seinen grazilen, diffizilen, melancholischen und emotional aufgestauten Stimmungsschwankungen, denn so nebenbei erschließen sich die acht Songs eben nicht, da wird nicht ansatzweise der bretonische Code geknackt.

Die Zutaten neben den oben schon erwähnten sind dann aber schnell ausgemacht: reichlich poppig bis melancholischer Gesang, häufig zurückhaltende Keyboardparts und fein schräg ziselierte Klampfenarrangements, was am besten allein schon der Anspieltipp und Opener „En Desped“ ganz gut zusammenfassend darstellt. Der Song fängt mit ein paar und schon fast durchdringend schrägen Tönen an, lässt dann aber dem arg melancholischen Gesang die Vorreiterstellung, nur um dann mit Prostprog-Tönen deutlich Fahrt und emotionale Aufgestautheit aufzunehmen, wobei die ausgewogene Mischung aus eleganten Bassläufen, zarten Keyboardanschlägen und sich häufig dezent zurückhaltenden Gitarren in einer Mixtur aus modernen 70er Jahren und experimenteller Neuzeit einfügen und wo sich zwischendurch sogar mal mit ein bisschen Faith No More-Attitüde breitmacht. Ohne letzteres kommt auch „Pedenn“ mit seinen etwas mehr als neun Minuten daher, kredenzt dazu im letzten Abschnitt sogar noch ein paar schrill aggressiv klingende Gitarren, die reichlich verzerrt der sonstigen verzögert ruhigen Nummer noch einen krassen Abschluss spendieren.

„Kelc'h“ mag als komplett ruhiger Kontrast gemeint und wohl auch als tiefgründige Nummer gedacht sein, schnarcht sich aber auch mit seiner ziselierten Zerbrechlichkeit am sonstigen Album vorbei. Da dann doch lieber wieder das ebenfalls als zeitliches Schwergewicht durchgehende „An hivizenn“ mit erneut über neun Minuten, wo sich schwermütiger melancholischer Pop und unaufdringlicher angeproggter Rock die Hand reichen, teilweise melodramatisch zurückhaltend, dann wieder rockig aufpoppend, nur um im nächsten Moment mit dramatischen Klampfenschüben für Nachdruck zu sorgen, ohne aber die zerbrechliche Hülle komplett aufzugeben.

Während „Fallaenn“ mit seinem spacig experimentellem Start mit zarter Klaviatur und schräger Klampfengrätsche von den sphärische Keyboards im Hintergrund fast schon dominiert wird, bleibt es gesanglich immer mit dem gewissen Hauch an Melancholie behaftet. Auch „Poltred“ mit Akustikklampfe meets sanft arrangierter Moderne und dieser allgegenwärtigen zuckersüßen Poppigkeit dringen auf den Melancholieplan, ein Strom an entladender Frische, der durchaus ein paar Parallelen zu Agent Fresco aufbauscht.

Wer also auf die schon zitierten Pain Of Salvation steht, gerne auch mal Agent Fresco auflegt oder gegen Pink Floydsche Melancholie nichts einzuwenden hat, wer sich darüber hinaus nicht einfach nur berieseln lassen möchte, sondern lieber ein Album erarbeitet, der dürfte mit „Valgori“ ganz gut beraten sein – für alle anderen: Vorsicht, könnte zu viel Pop enthalten und Depressive auf den falschen Pfad leiten.

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