Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Breed 77: Insects

Mit „Insects“ dürften der Band alle Türen offen stehen
Wertung: 8.5/10
Genre: Alternative Metal, Rock
Spielzeit: 56:27
Release: 21.05.2010
Label: earMUSIC/edel

Breed 77 dürfen mit gutem Recht als Multikulti-Truppe bezeichnet werden. Aus Gibraltar stammend, machten sich Gitarrist, Sänger und Mandolinist Danny Felice, Bassist Stuart Cavilla und Sänger und Trommler Paul Isola auf, um die Welt zu erkunden und Gleichgesinnte zu finden. In London stießen die Drei schließlich auf den gebürtigen Spanier Pedro Caparros, der fortan Gitarre und Mikro in die Hand gedrückt bekam. Den Posten des Drummers belegte erst kürzlich der Mexikaner Oscar Preciado Zamora.

Soviel zur geografischen Herkunft der Band. Bereits seit gut zehn Jahren mischt das Quintett lateinamerikanische Rhythmen mit Metal, Rock, Alternative und was sie sonst noch alles in die Finger bekommen können, alles gekrönt mit einer feinen Nase fürs Songwriting – und einem Gespür für Covers, denn welche Metalband traut sich sonst an den Jahrhundert-Song „Zombie“ der Cranberries, ohne ihn zu verhunzen? Tatsächlich muss man sagen, dass Breed 77 dem Stück ein völlig neues Gesicht verpassen – natürlich kommt nichts und niemand in der Welt an das Original heran, aber eine geile Version ist den Jungs trotzdem gelungen.

Festlegen lässt sich die Musik der Band nur schwerlich – mal hört man satte, dreckige Rock’n’Roll-Gitarren heraus, mal eher Voodoo-mäßige Melodien wie bei Godsmack; deren Sänger Sully Erna ist Paul Isolas Stimme zeitweise übrigens gar nicht mal so unähnlich. Eine Frage stellt sich allerdings: Wie schaffen es lateinamerikanische Bands eigentlich, dass man zu ihren Songs immer tanzen will? Egal ob es nun um Mord und Totschlag, um Blumen und Regenbögen oder darum geht, wie schwer es ein Rockstar hat, wenn er mal den Müll rausbringen will – Bands wie Breed 77 oder auch Ill Niño schaffen es immer, die Songs so zu basteln, dass man dazu tanzen will.

Das beste Beispiel dafür liefert gleich der erste Track: „Wake Up“ startet, dem Titel entsprechend, mit Uhrenticken und hypnotischen Gitarren, die gleich darauf donnernd vom Schlagzeug unterstützt werden. Sänger Paul liefert mit seinem knurrenden Unterton die perfekte Untermalung für den Song, im Hintergrund sind sogar Growls zu vernehmen. Dass der Opener der härteste Song der Platte ist, kristallisiert sich relativ schnell heraus: „The Battle Of Hatin“ beispielsweise besinnt sich eher auf einen rock’n’rolligen Drive und eine orientalisch anmutende Gitarrenspur. Hier fällt die sehr gute Produktion ins Auge – oder besser ins Ohr -, die jedes Instrument optimal hervorhebt und besonders die perkussiven Elemente in den Vordergrund bringt, so wie es sich für eine lateinamerikanische Band gehört.

Dass die Männer auch ganz anders können, beweisen sie im Titeltrack, der auf der im Handel erhältlichen Version übrigens nochmal in spanischer Sprache enthalten ist: Pauls fieser, leicht verzerrter Gesang leitet den Song ein, dazu gesellen sich überraschenderweise knallharte Shouts – nach einem rasant-wütenden Übergang springt einem der geradezu hymnische Refrain entgegen, bevor der Song in doomige Instrumentals abdriftet, die mit verzweifelten Schreien untermalt sind.

Erst beim vorletzten Song „Forever“, einem schnellen, treibenden Stück, wird spanischer Text verwendet; obwohl Breed 77 sich hier mehr als Rock- denn als Metalband präsentieren, macht die Aussprache von Sänger Paul den Song irgendwie härter, ähnlich wie beim folgenden „Guerra Del Sol“, bei dem man merkt, dass der Spanier sich beim Singen in seiner Muttersprache etwas wohler fühlt. Der fast epische Refrain und das ausufernde Gitarrensolo machen den Song, neben dem erwähnten Coverstück, zum stärksten des ganzen Albums.

Fazit: Obwohl ich mir Breed 77 etwas härter vorgestellt hatte, bin ich von „Insects“ positiv überrascht. Hier und da ist der Tonfall des Sängers ein wenig gewöhnungsbedürftig, das wird jedoch mit der Grundstimmung des jeweiligen Songs wieder aufgewogen. Das Album ist definitiv ein Tipp für alle, die nicht mit Scheuklappen herumlaufen und sich musikalisch weiterbilden wollen.

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna