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BRDigung: Zwischen Engeln & Teufeln

Guter Durchschnitt, aber (noch) nicht mehr
Wertung: 6.5/10
Genre: Punkrock, Deutschrock
Spielzeit: 47:55
Release: 30.03.2012
Label: Rookies & Kings

Na, aber hallo, was ist denn da los? Man legt die neue Scheibe "Zwischen Engeln & Teufeln" der Punkrocker BRDigung ein und wähnt sich auf einer Power-Metal-Scheibe oder in der Kirche: Chorgesänge, klassische Hintergrundmusik - Jesses Maria, waren die Jungs besoffen, als sie die neue Platte eingetrichtert haben?

Mitnichten (hoffe ich wenigstens); selbst wenn der zweite Song "Scheiß Problem" loslegt, weiß man aber immer noch nicht so richtig, was das Intro eigentlich zu bedeuten hatte. Da wollen wir hoffen, dass die Herren sich keine Ausflüchte in klassische Heavy-Metal-Gefilde gönnen, sonst geht die rotzige Punkrock-Attitüde ganz schnell den Bach runter. Dabei halten sich die Punker auf ihrem dritten Album nach "Kein Kompromiss" und "Tot aber lebendig" zumindest textlich an die gängige Deutschrock-Verachtung für Schönheitswahn, Leute, die einem ungefragt ihre Meinung reindrücken und die Gesellschaft an sich. Dabei erweist sich Gitarrist und Sänger Julez nicht als der weltbeste Vokalist diesseits des Äquators, aber das sind die wenigsten Herren aus diesem Genre - hier geht es nicht darum, den Ton so lange zu halten, bis Glas zerspringt, sondern die richtigen Emotionen rüberzubringen. Es gibt zwar durchaus Sänger, die das besser können - man denke nur an Kevin Russell (Onkelz) zu seinen guten Zeiten, bevor er anfing, unschuldige Leute völlig zugedröhnt über den Haufen zu fahren; der Mann klang durchgehend so angepisst, dass es eine wahre Freude war. Trotzdem: Julez macht seine Sache nicht schlecht, ebenso wie der Rest der Truppe.

Vorab gab es "Feuer & Eis" als Videosingle zu bestaunen - nicht die beste Wahl, wenn man sich den Rest der Platte mal so anhört (die Ballade "Weg zum letzten Gericht" zum Beispiel wäre eine richtig gute Wahl gewesen, wenn auch Balladen zu klischeehaft als erste Single sind); die Gitarren stolpern ein bisschen und allein die Dichtung "Feuer und Eis, Tränen und Schweiß" klingt eher nach dem "Reim dich oder ich fress dich"-Schema. Nichtsdestotrotz geht der Song schnell ins Ohr - er war also vielleicht doch keine schlechte Option als Single.

"Wenn der Vorhang fällt" rechnet dann mit dem gängigen Schönheitsideal ab - blond und hübsch, gerne, aber die Emotionen bleiben da leider des Öfteren auf der Strecke. Man möchte zwar annehmen, dass auch die Herren von BRDigung ein Supermodel nicht von der Bettkante stoßen würden, aber mal ehrlich: Wer würde das schon? In jedem Fall bildet der Track ein erstes Highlight auf "Zwischen Engeln & Teufeln", sei es nun textlich oder musikalisch. Bei "Weg zum letzten Gericht" wird die Akustische ausgepackt, wie es sich für eine Ballade gehört - hier liegt das Hauptaugenmerk auf dem Refrain, der zwar etwas unproduziert wirkt, aber trotzdem eine Gänsehaut heraufbeschwört.

"Was dir fehlt" setzt zwar wirklich gut an, kommt aber irgendwie nicht aus dem Quark und den Eindruck hat man auf der Scheibe irgendwie öfter - ein Track startet und spätestens im Refrain merkt man, dass irgendetwas fehlt, ein Akkord oder nur ein Ton, der einen berührt und den Song rundlaufen lässt. Dementsprechend plätschern Tracks wie "Engel in der Nacht" schon mal fast ungehört an einem vorbei, was insofern schade ist, da BRDigung definitiv nicht zu den schlechten Deutschrock-Punkbands gehören.

"Das Ende der Welt" verbreitet eine ungewöhnlich düstere Atmosphäre - man wartet mit einem geliebten Menschen darauf, dass die Welt zugrunde geht. Man stellt sich automatisch etwas Gigantisches wie im Film "2012" vor, wo der Boden unter dem Protagonisten einfach wegbricht; nur dass man hier dem ganzen Schrecken mit einem Partner an seiner Seite gegenübersteht. "Der letzte Tag, mit dir zusammen, dieser letzte Tag auf Erden - der letzte Tag, wir sind vereint für immer, auch dann wenn wir sterben" - das ist wahrscheinlich das, was sich jeder tief im Inneren wünscht: nicht alleine sterben zu müssen - klasse Track, der auch mal zum tiefergehenden Meditieren anregt.

"So verloren bin ich" hat eine wunderbar galoppierende Gitarre im Refrain, kann aber ansonsten eher nicht überzeugen und auch das finale "Im Schatten der Krone des Lichts" geht mit seiner leicht gezupften Gitarre, der leicht verzerrten Stimme und dem fast Reggea-mäßigen Rhythmus eher als gewöhnungsbedürftig durch. Beide Tracks haben etwas für sich, werden aber vermutlich keine Dauerbrenner werden.

"Zwischen Engeln & Teufeln" reiht sich in die Riege der deutschen Punkrockalben ein, die wirklich nicht übel sind, aber auch nicht zu den Überfliegern der Szene gehören. Ganz hinten in Schrank einstauben wird die Scheibe wohl nicht, dafür liefern BRDigung einen zu angenehmen Hintergrundsound, allerdings wird das Album auch nicht auf meiner Bestenliste 2012 auftauchen.

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