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Brain-On-A-Stick: Strange Proposals

Etwas eigenwillige Mischung, in die man sich erst hineinhören muss
Wertung: 7/10
Genre: Alternative Rock, Grunge
Spielzeit: 55:53
Release: 16.12.2010
Label: Choirboy Records

Brain-On-A-Stick klingt namentlich erstmal kurios und auch das psychedelisch angehauchte Cover der Debütplatte „Strange Proposals“ lässt auf jeden Fall aufmerken. Erst recht, wenn man die deutsche Entsprechung des Bandnamens kennt – ein „brain-on-a-stick“ ist nicht anderes als ein intelligenter, aber soziopathischer Mensch; sprich jemand, der sich in der normalen Gesellschaft nicht besonders gut zurechtfindet. Recht tiefgründig also, was die Münchener da vom Stapel lassen, und hörbares Herzblut steckt in ihrer rockigen Alternative-Mischung auch noch.

Nach der „Beta“-EP aus dem Jahr 2005 war es allmählich höchste Zeit, mit einem Nachfolger aus dem Quark zu kommen. Eines muss man sagen, ohne den Jungs zu nahe treten zu wollen – sie sehen aus wie Geschichtsstudenten. Aber da wir hier weder Black noch Death Metal fahren, wo es ja bekanntlich unter anderem auch um die Optik geht, sondern Alternative Rock mit Grunge-Kante, wo – wie wir spätestens seit Kurt Cobains Opa-Pullover beim Auftritt für MTV Unplugged wissen – der modische Aspekt ziemlich egal ist, können wir uns das schenken und werfen stattdessen lieber ein Auge beziehungsweise ein Ohr auf die Tracklist. Geboten wird solider bis ziemlich guter Alternative Rock, dem man schon beim oberflächlichen Hören anmerkt, dass er aus deutschen Landen stammt, und der zeitweise gehörig in die Nackenmuskulatur geht.

Nach den ersten drei Durchgängen ist so gut wie nichts hängen geblieben von den zwölf Songs und das ist wahrlich bedauerlich, denn unter einigen guten Rockern verbergen sich wahre Schätze – man muss schon die Ohren aufsperren, um zum Beispiel die genial jammernden Gitarren in „Expose“ nicht zu verpassen. Bereits „Grow Up“, das die Band selbst auf dem beiliegenden Infozettel als Tipp anpreist, hat einen guten Drive und deutet ansatzweise an, was die Vier draufhaben. Sänger Tom hat einen hörbar grungigen Anteil in der Stimme, der aber ein wenig zu kurz kommt und einer eher standardmäßigen Rockröhre weichen muss.

Neben Ohrwürmern wie „Beautiful Day“ können Brain-On-A-Stick einfach am besten überzeugen, wenn sie ein bisschen depressiv daherkommen. Ein perfektes Beispiel dafür ist „Addiction“, bei dem eine Spur von Seether oder auch Pearl Jam zu erkennen ist, und bei dem Toms Stimme der grandios verrauchte Seattle-Slang von Grunge-Größen wie Alice In Chains innewohnt. Daneben stehen leider 08/15-Rocker wie das eher belanglose „Changin“ – schade, denn dadurch wird der gute Eindruck ein wenig getrübt. Und eben der soll sich beim erneuten Durchhören der Scheibe erhärten: Wie man ohrwurmige Refrains wie die von „Prey“ oder „Discard“ die ersten paar Male hat überhören können, ist und bleibt ein Rätsel. Vor allem letzteres besticht durch intensive Gitarren und eine starke stimmliche Leistung, wobei man sagen muss, dass die Stimme während des ganzen Albums einen Tick zu sehr in den Hintergrund gemischt ist.

Gegen Ende nehmen die Herren nochmal ordentlich Fahrt auf und hauen mit „CU“ einen weiteren Smasher raus, den man schon nach zwei Durchläufen mitsingen kann und den man so schnell nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Überhaupt kann man am Ende entgegen der anfänglichen Skepsis ein positives Fazit ziehen: Zwar zocken BOAS eine recht eigenwillige Mischung, bei der man beinah jeden zweiten Song in eine neue Schublade stecken könnte, aber unterm Strich mangelt es lediglich an einer professionelleren Produktion, um „Strange Proposals“ ins rechte Licht zu rücken. So wie die Scheibe jetzt klingt, kann man mit Fug und Recht sieben Zähler vergeben.

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