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Borknagar: Winter Thrice

Das bereits zehnte Borknagar-Album – ein klarer Pflichtkauf!
Wertung: 8.5/10
Genre: Avantgarde/Progressive Black Metal
Spielzeit: 49:39
Release: 22.01.2016
Label: Century Media

Stolze 21 Jahre existieren Borknagar nun schon und mit „Winter Thrice“ legen die Norweger jetzt ihr bereits zehntes Studioalbum vor – eine respektable Bilanz, vor deren Hintergrund die fast vierjährige Wartezeit auf den „Urd“-Nachfolger beinahe wie eine Ewigkeit anmutet. Wenn eine Band ein Jubiläum welcher Art auch immer feiert – in diesem Fall eine zweistellige Anzahl an Studioalben –, erwartet die Anhängerschaft stets etwas Besonderes. Große Veränderungen und Überraschungen sind dies meistens weniger, dann wäre der Aufschrei schließlich groß, aber doch möglichst eine Scheibe, die sich sowohl an den Wurzeln orientiert als auch abwechslungsreich ausfällt.

Tatsächlich darf man den Mannen aus dem Land der Fjorde attestieren, dass sie diese nicht unbedingt kinderleichte Aufgabe ziemlich souverän gemeistert haben. Im Prinzip hat unser Thomas in seiner Rezension zur letzten Platte den Borknagar’schen Klangkosmos ganz schön zusammengefasst: Bilder vom verschneiten Norwegen entstehen quasi automatisch beim Hören der sich zwischen klirrenden, schwarzmetallischen Riffs und opulenten Keyboardteppichen befindlichen Musik im Kopf. Dieses Attribut lässt sich auch auf die aktuelle Langrille übertragen; „Winter Thrice“ ist zu einhundert Prozent Borknagar, die Basis wird sich freuen zu hören, dass keine großartigen Experimente gewagt wurden.

Was die Combo allerdings bietet, ist praktisch durchgängig starkes Songwriting, das gegenüber dem 2012er Werk reifer und griffiger herüberkommt. Damals stand die Bemerkung im Raum, so mancher könnte das Material nicht eingängig genug finden – offenbar hat das Sextett bzw. Mastermind Øystein G. Brun daran noch einmal gefeilt. Das ungewöhnlich lange Warten auf einen neuen Rundling hat sich offenkundig gelohnt, schon der Ende letzten Jahres vorab veröffentlichte Titeltrack beeindruckte durch wunderschöne (und eben sehr eingängige) Melodiebögen und äußerst geschmeidige Übergänge zwischen harten und gemäßigten Parts. Wenn man dann noch beachtet, dass bei dem Stück neben dem ohnehin schon grandiosen Gesangsduo Andreas „Vintersorg“ Hedlund und Simen „ICS Vortex“ Hestnæs als Gast auch noch Ex-Borknagar-Frontmann Kristoffer „Garm“ Rygg auf den Plan tritt, ist das natürlich ein Fest für alle Fans.  

Das eröffnende, ebenfalls sehr starke „The Rhymes Of The Mountain“ schlägt in dieselbe Kerbe, während „Cold Runs The River“ zunächst mittels treibender Blastbeats mit noch etwas gesteigertem Härtegrad beginnt, allerdings wiederum einen recht ohrwurmigen Refrain sein Eigen nennen darf. Des Weiteren gibt es hier ein Wah-Wah-getränktes Gitarrensolo zu hören. Auch „When Chaos Calls“ startet nach einem kurzen Arcturus-Gedächtnisklavierintro ziemlich flott, erweist sich im weiteren Verlauf jedoch gleichermaßen als sehr vielschichtig – göttlich die mehrstimmigen „Ahaha“-Gesänge in der Mitte vor dem groovigen Headbanger-Part.

Diese Machart zieht sich mehr oder weniger durch das komplette Album; progressiv in dem Sinne sind Borknagar sicherlich nicht, weil sie im Endeffekt nichts Neues bieten. Die Songs sind aber in sich abwechslungsreich genug, wurden opulent arrangiert und vereinen viele verschiedene Stimmungen, um den Hörer bei der Stange halten. Die Riffs und Melodien zünden wie auf Befehl, die Platte fließt wunderbar, macht Spaß und wurde schön druckvoll, modern, aber eben nicht steril produziert.

In Form des einigermaßen Synthie-dominierten „Panorama“ und des mit knapp vier Minuten vergleichsweise kurzen, tänzerischen, ebenfalls von einer kleinen Keyboardweise getragenen und mit einem klassischen Gitarrensolo veredelten „Noctilucent“ brechen die Skandinavier außerdem ein wenig aus ihrem gewohnten Kompositionsschema aus – ohne aber den Fluss der Scheibe zu stören. Wie erwähnt, wirklich Neues bietet die Truppe auf „Winter Thrice“ zwar nicht, dafür aber einfach bärenstarke Songs, bei denen kaum zu glauben ist, wie viel spielerische Leichtigkeit ihnen angesichts ihrer Vielschichtigkeit und Komplexität anhaftet. Klarer Pflichtkauf für jeden Fan!

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