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Borknagar: True North

Auch in neuer Besetzung muss sich kein Fan Sorgen machen
Wertung: 8,5/10
Genre: Progressive Black Metal
Spielzeit: 59:10
Release: 27.09.2019
Label: Century Media

Seit ihrem letzten Album „Winter Thrice“ von 2016 haben Borknagar einige herbe Verluste hinnehmen müssen, denn gleich drei langjährige Bandmitglieder nahmen ihren Hut: Drummer Baard Kolstad (u.a. auch seit einiger Zeit bei Leprous aktiv), Gitarrist Jens F. Ryland und vor allem Andreas „Vintersorg“ Hedlund, der die Truppe nach geschlagenen 19 Jahren verließ. Den Kopf in den Sand zu stecken, kam für die Norweger deswegen aber offensichtlich noch lange nicht in Frage. Man holte sich stattdessen Gitarrist Jostein Thomassen (ebenfalls unter dem Pseudonym „Pendragon“ bekannt) sowie Schlagzeuger Bjørn Dugstad Rønnow ins Line-up und beließ es bei der Fünf-Mann-Besetzung. Immerhin hat man mit Keyboarder Lars „Lazare“ Nedland und natürlich Bassist Simen „ICS Vortex“ Hestnæs (Arcturus, ex-Dimmu Borgir) ohnehin zwei absolute Goldkehlchen zur Verfügung.

Letzterer hat auf dem neuen Output offensichtlich neben seinem unverkennbaren Cleangesang auch die Screams übernommen, was er in erstaunlich bravouröser Manier meistert. Allerdings sollten Fans sich eh nicht von den Abgängen und Umbesetzungen verunsichern lassen – Borknagar machen weitestgehend da weiter, wo sie vor drei Jahren mit „Winter Thrice“ aufgehört haben, sowohl lyrisch als auch musikalisch. Dass die Thematik fortgeführt wird, zeigt sich bereits im Titel: Winter wird logischerweise automatisch mit dem hohen Norden assoziiert, wobei der Terminus „True North“ auch auf anderen Ebenen funktioniert, wie Gitarrist und Hauptsongwriter Øystein G. Brun erklärt; wenn man sich auf See verirrt, ist es beispielsweise unabdingbar, zur Wiederorientierung erst einmal herauszufinden, wo sich rechtweisend Nord (englisch „true north“) befindet.

Was die musikalische Komponente anbelangt, so waren Borknagar im Prinzip seit jeher dafür bekannt, auf äußerst geschickte Art und Weise aggressive, Black Metal-inspirierte Parts mit graziler Melodik zu kreuzen – und auch auf ihrem elften Studioalbum gelingt ihnen das Kunststück, trotz verschachtelter Arrangements Eingängigkeit nicht außer Acht zu lassen und mit butterweicher Leichtigkeit zwischen Härte und Gefühl zu wechseln. Zudem kann wohl keine andere Combo von sich behaupten, in dieser speziellen Fasson die klirrende Kälte des Nordens einzufangen, und dabei trotzdem gleichzeitig ohne Schwierigkeiten locker-flockig warme Augenblicke ins Gesamtbild zu weben.  

Wenn Brun davon spricht, „True North“ sei „vielfältiger als alles, was wir zuvor gemacht haben“, scheint sich dies zunächst nicht unbedingt zu bestätigen, vielmehr transportieren Songs wie „Thunderous“, „Up North“ oder „Mount Rapture“ einen klassischen Borknagar-Vibe. Der eindrucksvolle Opener zieht dabei in achteinhalb Minuten sämtliche Register von schwarzmetallischer Raserei über wunderschöne Melodien und akustische Momente, während die beiden letzteren durch die prominente Hammondorgel ein paar Siebziger-Jahre-Farbkleckse abbekommen haben. Vor allem „Mount Rapture“ besitzt durch etliche Breaks und Rhythmuswechsel einen recht progressiven Touch, ebenso wie das über neunminütige „Tidal“.

Also doch alles wie gehabt? Nun, nicht ganz: Mit dem komplett ruhig gehaltenen „Wild Father’s Heart“, das durch die dezent eingesetzten traditionellen Instrumente ziemlich folkig erscheint und mit besinnlicher Stimmung besticht, fallen die Norweger etwas aus dem Rahmen, noch mehr allerdings mit dem abschließenden „Voices“. Mit diesem dunklen, fast Gothic-Rock-mäßigen Stampfer wagen sie sich auf sehr ungewohntes Terrain – man glaubt zunächst, diese von Keyboarder Lazare allein gesungene Nummer sei ein Cover, tatsächlich jedoch bricht die Formation schlichtweg aus ihrem bekannten Korsett aus und hat sogar eine Art Hit kreiert, denn ein Ohrwurm ist das Stück allemal.

Ohrwurmqualitäten beweist das Quintett aber ebenso mit dem vorab veröffentlichten „The Fire That Burns“ (schöner Kommentar bei YouTube: „Not to be confused with that non-burning kind of fire“), bei dem eine schnelle, gescreamte Strophe einem getragenen, clean gesungenen Refrain gegenübersteht, oder dem ausschließlich im Midtempo gehaltenen „Lights“, dessen Chorus immer mehr nach oben mäandert. Den stärksten Refrain hat die Band allerdings wohl bei „Into The White“ im Köcher – was für ein brillantes, Kanon-artiges Gesangsarrangement.

Man darf Vintersorg natürlich hinterhertrauern, aber Lazare und Vortex sind wie eingangs angedeutet mindestens genauso talentiert und verzücken mit wirklich tollen Vokaleinlagen – plus wer hätte gedacht, dass letzterer auch in Bezug auf extremen Gesang solches Können besitzt? Das Drumming des neuen Schlagwerkers kann sich ebenfalls hören lassen und Produktion, Bogren-Mix und -Mastering überzeugen auf ganzer Linie. Doch ist „True North“ nun tatsächlich das innovativste Borknagar-Album? In ihrem Rahmen möglicherweise ja. Fakt ist: Die konventionelleren Stücke überzeugen ebenso wie die experimentellen, hier haben die Jungs eine gute Balance gefunden und in jedem Fall erneut eine richtig starke Scheibe abgeliefert. Auch in neuer Besetzung muss sich kein Fan Sorgen machen und kann bedenkenlos zugreifen.

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