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Bonfire: Double X Vision

Ein ehrliches Banddokument
Wertung: 8/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 110:0
Release: 16.03.2007
Label: NL Distribution GbR

Mit etwas Verspätung liegt mir nun die aktuelle Bonfire DVD „Double X Vision“ vor. Ich muss zugeben, dass ich hier mit ein wenig gemischten Gefühlen rangehe, da ich die Band bei meiner letzten Livebegegnung im Vorprogramm von Whitesnake schon lange nicht mehr so prickelnd fand wie in den späten Achtzigern.

Egal, vergessen wir das und kümmern uns ausschließlich um dieses Produkt hier. Aufgenommen wurde die DVD im November 2006 in Nottingham`s Rock City während des dritten Firefest Festivals. Eigentlich nicht unbedingt die besten Voraussetzungen, denn warum nimmt eine deutsche Band nicht in Deutschland auf, und warum dann bei einer Show, bei der eine begrenzte Spielzeit vorgegeben ist?

Wie erwartet kommt es dann auch: Bonfire starten stark mit „Day 911“ und „But We Still Rock“, müssen sich aber augenscheinlich das Publikum erst erarbeiten. Schön zu sehen, dass sich die Band nichts daraus macht und einfach Vollgas gibt. Die Spielfreude, die die alten Herren hier an den Tag legen, ist schon beachtlich und steckt besonders durch den gelungenen 5.1 Sound an. Die Band wirkt, als ob sie wieder Mitte 20 wäre und trotz aller Routine einfach einen Riesenbock auf den Gig hätte.

Da die Band ja in ihrer über 21-jährigen Karriere, wenn man die Urformation Cacumen noch hinzu zählt, kommt man auf beachtliche 25 Jahre, mehr als genug gutes Material zur Hand hat, findet man auch keine Lückenfüller, nein im Gegenteil, man vermisst eher den ein oder anderen Song, da es ja nur ca. 60 Minuten Spielzeit zu füllen gab. Man kann gut beobachten, wie das Publikum von Song zu Song immer mehr mitgeht, was auch ein Indiz für die gute Liveperformance der Band ist.

Spätestens bei „Sweet Obsession“ hat Frontmann Claus Lessmann die Anwesenden soweit, dass sie ihm aus der Hand fressen. Aber auch die beiden Gitarristen Chris Limburg und Hans Ziller wissen, wie man das Publikum anheizt. Leider muss man hier auf jegliche Soli verzichten, was speziell auch bei Drummer Jürgen Wiehler ein wenig schade ist, da er hier richtig gut bei der Sache ist und auf breiter Front zu überzeugen weiß. Kein Wunder, dass die Band auch noch zu einer Zugabe auf die Bühne gebrüllt wird.

Kommen wir nun zum Bonus der DVD. Es werden aus den Jahren 1986 und 1987 fünf interessante Videos zum Besten gegeben. Warum diese nur aus der Zeit stammen, ist für mich unbegreiflich. Trotzdem ist es wie eine Zeitreise, die Klamotten und Frisuren von damals zu sehen. Heutzutage werden solche Videos nicht mehr gedreht. Dies ist ein Zeugnis der deutschen Hardrockgeschichte und sollte nicht unbemerkt bleiben.

Weiter geht´s mit dem Rockpalast Bonus. Die Band hatte die Ehre, bei einer Veranstaltung gegen rechte Gewalt drei Songs zu zocken, welche vom Rockpalast aufgezeichnet wurden. Diese Songs gibt es hier zu sehen. Das finde ich überaus sympathisch von der Band, dass sie dies hier ungeschnitten mit drauf gepackt haben. Claus Lessmann vergeigt den Einsatz bei „Under Blue Skies“, was aber absolut egal ist. Toll, dass die Band die Eier hat, dies trotzdem zu zeigen.

Leider ist der Sound mehr als dürftig. Man hört fast nur eine Gitarre von den beiden, was auch das allseits bekannte Lynyrd Skynyrd Cover „Sweet Home Alabama“ betrifft. Wenn man unbedarft daran geht, dann muss man sagen, dass es ziemlich grottig klingt. Man hört eine Hardrock/Metal Gitarre und das passt nicht. Da ich den Song schon live von Bonfire genossen habe, weiß ich, dass hier zwingend die zweite Gitarre notwendig gewesen wäre, damit dieser Song nicht misslingt. Egal, der Soundmann damals hat es vergeigt, ist halt live!

Schön finde ich auch die mir aus dem Herzen sprechende politische Ansage zu „Proud Of My Country“. Logisch, dass auch damals einige Moralapostel nicht in der Lage waren, englische Texte richtig zu lesen und direkt den Zeigefinger gehoben haben. Egal, mit dieser Ansage sollte nun wirklich niemand mehr den Song falsch verstehen können.

Der „Behind The Scenes“ Bonus ist allerdings recht dürftig ausgefallen. Man hätte eventuell Zeuge eines Interviews werden können, wenn der Ton gepasst hätte. Allem Anschein nach hat Claus den Interviewer ein wenig veralbert. Außerdem gab es zum Schluss wohl ein kleines Kommunikationsproblem in der Verständigung.

Fazit: Ja, ich muß ganz ehrlich sagen, die Band ist mir wieder um einiges sympathischer geworden. Oft ist es ja so, dass DVD`s nur was für die Fans der Bands sind, dass trifft hier aber nicht zu. Hier sollte auch jeder zuschlagen, der die Band einfach nur kennen lernen will. Mir persönlich gefällt besonders, dass die Band hier wohl wirklich eine Liveaufzeichnung vorlegt und nicht großartig versucht hat, im Studio alle Fehler zu übertünchen. Daumen Hoch für Bonfire.

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