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Bonfire: Cry 4 Help

Licht und Schatten halten sich die Waage
Wertung: 6.5/10
Genre: Rock
Spielzeit: 24:44
Release: 25.05.2012
Label: LZ Records

Wenn man den Auftritt beim letztjährigen Shout It Out Loud Festival als Maßstab heranzieht, dann können die Ingolstädter Bonfire auf eine beachtliche und treue Fanbase blicken – für die Metalheads unter unseren LeserInnen ganz sicher eine große Überraschung, Melodic-Rock-Fans fühlen sich aber in dieser Schnittstelle zwischen Rock und Pop ausgesprochen wohl. Hier soll jetzt auch keine Diskussion aufgenommen werden, welche Stilwechsel die Band so vorgenommen hat, welchem Fan was gefällt und wer sich dem Kurs der Truppe nicht anschließen konnte – Tatsache bleibt doch aber, dass die Ingolstädter seit 25 Jahren aktiv sind und doch so manche Ballade aus dem Gitarrenkoffer schüttelten, wo sich manch andere Band grämend zurückzieht, weil sie selber es nicht gebacken bekommen hat.

Natürlich kann man jetzt auch den gefloppten Nationalhymnentrack aus dem Hut zaubern, natürlich kann man der Truppe vorwerfen, jetzt vielleicht einen Betroffenheitseuro abstauben zu wollen – aber wollen wir die Kirche doch mal im Dorf lassen: Wenn es um die handwerkliche Umsetzung balladesken Stoffs geht, sind Bonfire noch immer ganz vorn dabei. Und genau darum geht es ja hier: Aus „Cry For Help“ vom 2006er Album „Double X“ wird nun „Cry 4 Help“, vielleicht ein Reminiszenz an die heutige stark abgekürzte Sprache, ein wenig hipper und moderner – ein wenig überarbeitet, ein wenig Pathos, und schon ist der Radiostoff fertig, der nicht nur hierzulande Airplay bekommen sollte, sondern auch in Übersee niemandem wehtut – auch vom Text wird ein wenig auf die Tränendrüse gedrückt, doch KuschelrockerInnen brauchen nicht befürchten, dass sich Bonfire nun auf dem Cannibal Corpse'schen Gore-Inhalt stürzen – das wäre hier ja auch völlig unangebracht.

Fraglich ist eher, warum neben der Radio-Version direkt im Anschluss die nur unwesentlich längere „Long Version“ folgt – zweimal der Schmachtfetzen hintereinander muss jetzt nicht unbedingt sein. Mit der anschließenden Akustik-Version machen sie klar, dass der Song auch mit Wandergitarre und Mundharmonika funktionieren würde – nicht essentiell, aber überraschend hörbar und schon fast der Radio-Version vorzuziehen.

So richtig interessant wird dann allerdings das beim Masters Of Rock im tschechischen Vizovice mitgeschnittenene „You Make Me Feel“ vom Debüt „Don’t Touch The Light“ – damals übrigens durch ihre Tour im Vorprogramm von ZZ Top ordentlich promotet -, denn hier zeigen Bonfire, dass bei ihnen der balladeske Stoff keine neumodische Erscheinung ist, sondern sie den Grundstock schon in den Achtzigern gelegt haben – toller Song, bei dem ruhig ein bisschen mehr Live-Atmosphäre eingefangen hätte werden können – im Abspann mit dem „Come on, fuck the rain“ und dem lauten Jubel im Hintergrund wird dieser Makel dann ausgeglichen.

Mit „Just Follow The Rainbow“ haben sie ebenfalls einen in Tschechien aufgenommenen Song auf die CD gepackt, ein Hard’n’Heavy-Stampfer, der auch mal die etwas rockigere Seite der Bayern zeigt. Völlig überflüssig dagegen ist der Schmonzens „I Need You“ in einer privaten Version – wenn der Text wenigstens Ü18 wäre, dann könnte man vielleicht noch ein Ohr riskieren, so aber ist es höchste Schmuse-Alarmstufe mit klavierlichem Weihnachtshauch – viel zu harmlos, viel zu süßlich.

Was bleibt unterm Strich? Bonfire hauen eine EP heraus, die leider neben einigen Lichtblicken aber auch verderblichen Schatten beinhaltet. „You Make Me Feel“ und das akustische „Cry 4 Help“ sind richtig gelungen Songs, „I Need You“ einfach nur überflüssig – irgendwie wartet man nur auf die Zither, die ein bisschen Heimatverbundenheit aufzeigen würde. Ein Euro pro verkaufter CD-EP geht an die Tierschutzorganisation Peta – schon jetzt kann man im Netz kritische Stimmen verfolgen, die sich darüber auslassen, dass man doch das Geld auch so spenden könne. Stimmt, das kann man, aber es wird immer jemanden geben, der als eine Art Vehikel die Botschaft nach außen trägt – hier sind es halt Bonfire, die dabei nichts anderes nutzen, als was sie eh schön können: Balladenrock. „Cry 4 Help“ ist jetzt nicht unbedingt ein Muss, aber Fans können zugreifen und dabei sogar ein wenig das schlechte Gewissen beruhigen.

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