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Bone Gnawer: Feast Of Flesh

Kannibalistischer Kochkurs mit fünf Sternen
Wertung: 9/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 34:16
Release: 24.07.2009
Label: Pulverized Records

Was kommt bloß dabei heraus, wenn sich Größen wie Kam Lee (Massacre, ex-Denial Fiend, ex-Mantas/Death), Rogga Johansson (Paganizer, Demiurg, Ribspearer), Morgan Lie (Naglfar) und Ronnie Bjornstrom (Ribspearer, Hate Ammo) für eine Band zusammenraufen? Wer käme da auf den Gedanken, dass diese Jungs den Weg des Gore-inspirierten Death Metals gehen würden, der durch und durch sowohl amimäßig und schwedisch Oldschool-getränkt ist und dem Genre des Zombie und Horrorgenres gewidmet ist? Denjenigen, die schon jetzt angewidert ihre Nase rümpfen, weil sie schon derlei Movies nicht mögen, brauchen sich ihre Zeit nicht weiter stehlen lassen, indem sie weiterlesen würden. 

Auf diesem Debüt-Album bekommt der geneigte Hörer also feinsten schwedischen Death Metal der Neunziger, der mit dem Todesmetall aus Florida gekreuzt wurde. Was zunächst als Projekt aus der Taufe gehoben wurde, entwickelte alsbald – wie auch bei Zombies der Fall, aber lassen wie die cineastischen Anspielungen - ein Eigenleben und so sehen sich Bone Gnawer heutzutage als reale Band, die sich den kannibalistischen Mutanten und fleischfressenden Freaks widmet.  

Schweine gelten gemeinhin als sehr empfindsame Wesen. Spätestens dann, wenn diese possierliche Tierchen eingangs des ersten Songs panisch beginnen zu grunzen und dazu harsches Gitarrenriffing samt einem deftigen Eingangsgrowl erklingt, sollten ebensolche empfindsame Menschengeschöpfe vielleicht doch besser eine andere Musikquelle ansteuern. Nein, liebe Lesende, wir befinden uns nicht in einem Schlachthof, dessen 
Bedienstete mit vollem Eifer bei der Sache sind, sondern lauschen dem Titeltrack „Feast Of Flesh“, dem Eingangskracher des Albums. Und in diesem Schlachterfetzen geht man schon zu Beginn des Albums vollends ab: Ob es nun der überaus treibende Rhythmus ist, die genial Oldschool- gehaltenen Gitarrensoli oder schlichtweg die Gesamtstimmung, hier passt alles wie ein abgeschlachteter Arsch in … äh, ich meinte natürlich auf Eimer. Einfach nur derbe genial, dieses Teil. 

Genauso derbe genial kommt auch das folgende, mit einem höllischen Groove ausgestattete „Sliced And Diced“ wie ein bluttriefender Braten auf die Schlachtplatte. Denn obwohl unüberhörbar Oldschoool-Attribute in Bone Gnawers Songwriting eine große Rolle spielen, haftet dem Ganzen eine moderne Härte an. Ich denke, so etwas nennt man Kult, ganz so wie Splatter-Filme mit Zombies oder Menschen fressenden Eingeborenenstämmen in südamerikanischen Regenwäldern offenbart diese Scheibe einen Reiz morbiden Charmes, der im Übrigen auch mit Songtiteln wie „Cannibal Cook-Out“ sehr eindrucksvoll und zudem unmissverständlich untermauert wird. Sehr schön, wie es die Jungs in diesem Song auch nicht vergessen, Melodien mit einzubauen. 

Großartig tiefsinnige Rhetorik erwartet man weder bei einem Splatter-Movie noch in den wie mit einer Kettensäge filetierten Stückchen auf dieser Scheibe. Aber mein Gott, will man das denn auch? Hier gehören diese klischeebehafteten Lyrics einfach dazu, die von Schlachthäusern handeln, von Zombies, von Kannibalen und nicht zuletzt auch davon, dass derjenige besser dran ist, der früher stirbt.  

Seltsam…Die Vogelschreie eingangs des tempotechnisch sehr abwechslungsreich gestalteten „Make You Die Slow“ erinnern irgendwie an diejenigen, welche man in dem Film „Die Vögel“ zu hören bekommt, jedenfalls verbreiten diese hier dieselbe unheimliche Stimmung wie in dem Kult-Film. Zum Tempo sei hier noch gesagt, dass sich ein Doublebass-Part an den vorangegangenen Mosh-artigen Part reiht. „Hammer To The Skull“ im Anschluss geht als richtiger Stampfer problemlos durch den Zoll, bei dem man einfach unmöglich still sitzen bleiben kann. Mindestens Headbanging steht hier bei dem Hörer auf dem Plan. 
Ohne Wenn und Aber gehört zu einem Splatterfilm ein Instrument wie eine Kettensäge und diese kommt auch auf dieser Scheibe eingangs “The Saw Is Family“ zum Einsatz. Soundtechnisch hämmert der Song den Hörer wieder voll gegen die Wand, denn nicht nur die Instrumente klingen mehr als eindrucksvoll. Und dem Film-Interessierten drängt sich die Frage auf, ob die Band in diesem Song nicht etwa doch auf die Familie in dem Film „Texas Chainsaw Massacre“ eingeht. 

Wunderbar aggressiv und drückend dringt „Defleshed And Skinned“ aus den Boxen und rangiert somit zu den besten Songs auf diesem Output, der, es sei nochmals erwähnt, eine Debütscheibe ist. Umso beeindruckender, wenn man sich der Qualität dieses Songmaterials bewusst wird. 
Bei dem Stück „Anthropophagus Beast“ drängt sich dem Splattermovie-Fan eine erneute Frage auf, nämlich die, ob dieser Song allein schon in seinem Titel etwa dem Streifen huldigt, der in diesem Film-Genre schon längst unter dem Status des Kultstreifens rangiert. Ebenso flott wie es auch schon bei dem Vorgänger-Song vonstatten ging, wird das Debüt auch mit „The Lucky Ones Die First“ beschlossen. Stilechter als das Album mit dem sich lösenden Schuss aus einer Wumme könnte dann das Album sein Ende auch nicht finden. 

So roh und ungeschliffen die behandelten Themen in den Songs auch sein mögen, lassen diese trotzdem mitnichten auf die Produktion der Scheibe schließen. Hier würde man, den Texten entsprechend, viel eher eine rohe, knarzende Produktion erwarten, doch weit gefehlt: Das Teil hämmert einem den letzten Rest Schmalz aus den Gehörgängen, dass einem das Gehörknöchelchen klingelt. 

Fazit: Welch ein fettes Filetstück! Was der Streifen „Anthroprophagus“ oder „Texas Chainsaw Massacre“ für die Splattermovie-Szene ist, das ist Bone Gnawer für die Musikwelt. Nur mit dem Unterschied, dass es diese Jungs mit „Feast Of Flesh“ zu weit mehr bringen können als lediglich den Status Geheimtipp zu erreichen. Diese Scheibe ist einfach nur Kult! An alle, die diese Scheibe dann noch nicht mal mit dem nötigen Humor betrachten können – wie es die Band im Übrigen selbst auch handhabt – sollte lieber zu Lady Gaga wechseln. Doch spätestens da stellt sich dann die Frage, wer wirklich gaga ist. Bone Gnawer sind das jedenfalls nicht, denn die sind einfach nur genial!

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