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Bodenski: Auto

Vielschichtiges Soloprojekt mit tiefsinnigen Texten
Wertung: 8/10
Genre: Akustik, Folk Rock
Spielzeit: 39:40
Release: 16.03.2012
Label: Universal

Wer kennt sie nicht, die Potsdamer Mittelalter-Band Subway To Sally, die mit Alben wie "MCMXCV" oder "Foppt den Dämon!" Mitte der Neunziger wahre Perlen in der Folk-Rock-Szene schufen, die sich bis heute in den Ohren der Fans festgesetzt haben. Mit zunehmender Zeit und wachsendem Erfolg ist die Band leider von Album zu Album immer mehr zu einem drittklassigen, einfältigen Neue-Deutsche-Härte-Abklatsch in der Gothic-Szene verkommen, der mit den Wurzeln der siebenköpfige Truppe nur noch wenig gemeinsam hat. Doch genug dazu, bei diesem Review soll es ja folglich um den Solokünstler und Multiinstrumentalisten Michael "Bodenski" Boden gehen, und nicht um den qualitativ abnehmenden Werdegang seiner Band.

Den ersten Schritt in Richtung Soloprojekt machte der Gitarrist, Textschreiber und Bandmitbegründer 2005 mit der Gründung eines eigenen Verlags und der Veröffentlichung seines Gedichtbandes mit dem Titel "Inniglich". Während Frontmann Eric Fish bereits seit 1999 mit einem eigenen Musikprojekt unterwegs ist, hat aber auch Bodenski den Wunsch geschmiedet, sich musikalisch selbständig zu machen und über die Jahre haben sich einige Ideen zu einem musikalischen Konzept angehäuft, aus denen letztendlich die zehn Songs auf "Auto" entstanden sind. Doch was erwartet einen auf dem Album? Etwa ein kreatives und originelles Soloprojekt mit vielen Facetten oder doch nur ein unnötiger Nebenjob, der nur für wirkliche Die-Hard-Fans in Frage käme und sich ansonsten jeder schenken kann? Daran gemessen wird sich zeigen, ob Bodenskis Ideen den Weg an die Öffentlichkeit zurecht geschafft haben oder doch lieber eben bloß Ideen hätten bleiben sollen.

Das Fundament auf "Auto" bilden neben folkigen Stücke schwebende Rock- bis Pop-Songs und melancholische Balladen, die mit tiefsinnigen und nachdenklichen Texten und einer breiten Auswahl an Instrumenten versehen sind. Im Vordergrund stehen dabei ganz klar Akustikgitarre und Klavier und natürlich Bodenskis Stimmorgan, unterstützt wird das Ganze vom Kontrabass. Dazu gesellen sich hier und da mal diverse Percussioninstrumente, Synthesizer, Geige oder auch Akkordeon und im letzten Song sogar ein Dudelsack. Aus all diesen Zutaten ergibt sich schließlich ein buntes und stimmiges Klanggemisch, das den Sound von Bodenskis erstem Soloprojekt ausmacht und bei dem die Melodien schon nach dem ersten Anhören im Ohr sitzen.

Neben dem vielschichtigen Soundsprektrum wird aber natürlich auch besonderer Wert auf die Lyrics gelegt, denn hier lässt der Künstler und Autor all seine poetischen Ergüsse und über die Jahre angesammelten Ideen einfließen, woraus sich die tiefgängigen, teils verschlüsselten und schleierhaften Songtexte ergeben, die verschiedene Themen wie den Tod ("Wo wilde Rosen blühen"), die Liebe ("Meine Liebe") oder Bodenskis Spezialgebiet, das Dahinscheiden junger Mädchen ("Lisa Katrina"), behandeln. Bodenski selbst ist sicherlich kein geborenes Gesangstalent, doch seine ruhige Stimme passt wunderbar zur Musik und untermalt die entspannte Stimmung. Außerdem steht ihm gesanglich seine Frau Jeano zur Seite, die bei einigen Duetten auf dem Album mitwirkt. Daneben haben sich allerdings noch eine ganze Menge mehr Musiker an der Entstehung der Platte beteiligt, unter anderem Gitarrist Ben Jacob, Kontrabassist Rainer Engelmann und Subway To Sally-Drummer Simon Michael, der nicht nur das Schlagzeug eingespielt, sondern auch als Produzent das komplette Album gemixt und gemastert hat.

Trotz verschiedener Themen, verschieden aufgebauten Songs, und verschiedenen Instrumenten zieht sich aber ein roter Faden durch die Platte, der von Anfang an aufgegriffen und konstant bis zum Ende gehalten wird. In "Auto" zeigt sich Bodenskis vielschichtige musikalische Ader und sein Gespür für eine gemütliche Atmosphäre, stets mit einem traurigen oder nachdenklichen Unterton. Über Kreativität, Originalität oder auch Anspruch lässt sich dabei sicherlich streiten und das Soloprojekt ist auch keine musikalische Neuschöpfung, doch für jeden, der ganz gerne einfach mal abschaltet, sich zurücklehnt und den seichten Klängen entspannter Musik lauschen möchte, ist das genau das Richtige. Mit viel Arbeit und Zeit ist eine insgesamt stimmige und interessante, aber vor allem relaxte Platte enstanden, die sich als gelungenes Solodebüt beweisen kann.

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