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Boarders: The World Hates Me

Gutes Debüt, welches nie langweilig wird
Wertung: 8/10
Genre: Thrash Metal Rock
Spielzeit: 47:12
Release: 04.04.2009
Label: Retroactive Records

Vier Italiener haben sich auf den Weg gemacht, die Welt mit ihrer Musik und mit christlichem Glauben zu bekehren. Nichts Ungewöhnliches, aber schaut man in die Bandinfo, so sind sie wohl schon seit 1989 unterwegs. Und nun ist das Debüt erschienen, was wiederum nicht ganz richtig ist. Die Scheibe wurde schon 2007 veröffentlicht, aber inzwischen hat man einen neuen Deal mit Retroactive Records ergattern können und nun kommt die Scheibe mit deutlich besserem Vertrieb noch mal unters Volk.

Thrash Metal hat sich die Band auf die Fahnen geschrieben, aber das ist eigentlich nur die halbe Wahrheit, irgendwie klingt das Ganze eher wie eine durchaus angenehme Mischung aus Skid Row zu härteren Zeiten und Medgadeth. Nicht nur wegen des Coversongs „In My Darkest Hour“ sind hier Parallelen zu Dave Mustaine zu finden, teilweise klingt der Sänger auch recht ähnlich und wenn dann die Instrumentierung auch gerade thrashiger ist, passt der Kuchen.

„True Rebellion“ eröffnet den Songreigen sehr rockig. Guter Hardrock mit einigem Pfeffer im Popo. Der Schädel nickt gefällig mit und die hier eher hohe Stimme von Egi klingt nicht schlecht. Gigis Lead-Gitarre sorgt für zusätzlichen Drive, auch wenn man sich erstmal fragt, wie das denn thrashig werden soll. 

„Baptized With Fire“ klingt ja zumindest vom Namen her nach einem eher brachialen Song. Aber das passt nicht wirklich. Im eher gemäßigten Tempo wird hier metallisch gerockt. Das Gitarren-Intermezzo zu Beginn wirkt aber recht dünn und sorgt für wenig Begeisterung. Leider ist der zweite Song insgesamt schon recht durchschnittlich.

„Schmetzgarten“ widmet sich dann den deutschen Konzentrationslagern und das auf musikalisch bisher beste Weise, was dieses Album angeht. Gigi hat hier sein Instrument sehr gut eingebaut und zockt sehr gut. Ruhigere Parts wechseln sich mit zügigeren ab. Gute Nummer.

„Never Alone“ ist eine Ballade, welche erstmals mit Dave Mustaine-artigem Gesang aufwartet, das allerdings nur zu Beginn des Liedes. Wer hätte das nach den ersten Songs Egi zugetraut. Diese zuckersüße Ballade wird dann auch noch von Duettpartnerin Marianyela Scafati bereichert. Schöne Melodie, auch wenn der Refrain nach diversen Durchgängen ein wenig langatmig wirkt, trotzdem ein toller Song. 

Und dann kommt unverkennbar das Megadeth Cover „In My Darkest Hour“, sehr stark. Hätte ich in dieser Qualität sicher nicht erwartet, aber ein Blick in die Biografie verrät, dass die Italiener einen sehr guten Ruf als Coverband dieser Thrash Metal-Legende haben. Starke Nummer, aber auch gut gezockt.

Richtig gut geht es dann auch mit „Jump For Joy“ weiter. Wieder deutlich mehr in der Rock-Schiene gewonnen, quält Sänger Egi seine Stimme in höchste Tonlagen, was aber irgendwie stimmig klingt, denn die Spielfreude quillt praktisch aus jeder Note des Songs. Der mehr als gelungene Trommelmittelteil verdient auch eine besondere Erwähnung. Es klingt stark, was Roby hier gemacht hat, dazu der präzise, aber eher unspektakuläre Bass von Oskar und fertig ist ein weiterer Höhepunkt.

„For What It`s Worth“ ist dann ein deutlich dunklerer Thrash-Song, der zu überzeugen weiß. Der Schädel fliegt wie automatisch vor und zurück und die Stimmung wird weiter angeregt.
„Deliver Us Back To Hell“ könnte dann auch wieder ein Megadeth-Cover sein. Eine starke Nummer, die aber auch eine halbe Minute kürzer hätte ausfallen können. Gerade auch der wohltuende Bass zum Ende hin sorgt für zusätzliche Elemente im Sound von Boarders.

„W.P.D.“ handelt dann glücklicherweise nicht von Washingtoner Police Department, sondern ist nur die Abkürzung für „Work Pay Die“. Nicht schlecht, die Thrashnummer, aber trotzdem mit gehörigem Abstand zu den Anspieltipps des Albums.
Leider geht dann der nächste Song komplett baden. „Till Life Do Us One“ soll wohl eine besonders atmungsaktive Ballade darstellen, geht aber irgendwie komplett an meinem Sinnesorganen vorbei. Normal rockiger Schnulzversuch ohne Seele oder gar Pathos, welches sich dann auch am langsamen Herausfaden zeigt. Der bisher definitiv schwächste Song des Albums.

Der Titeltrack „The World Hates Me“ zieht dann ganz zum Schluss langsam seine Kreise. Gekonnt wird die Spannung aufgebaut. Leider vermisst man trotz der sehr schönen Saiteninstrumentenparts dann aber zum Ende hin das große Finale, bei dem es eine sehr explosive Entladung der aufgebauten Spannung gibt. Wirkt im zehnten Durchlauf wie ein genialer Opener für eine sehr schnelle aggressive Nummer. Ein weiteres Highlight, welches nur etwas deplaziert rüber kommt, da eben der letztendliche Knall fehlt.


Fazit: Gelungenes Debüt nach 18 Jahren Bandgeschichte, welche nun noch mal re-released wird. Man merkt der Scheibe an, dass es innerhalb dieser langen Zeit einige Richtungswechsel in der Musik gab. So ist das hier ein bunter Strauß an Melodien, welcher dem offenen Fan durchaus munden dürfte. Andere werden sagen, dass sie einen Teil mögen und den Rest nicht abkönnen. Ich bin gespannt, in welche Richtung das nächste Album weisen wird. Mir gefällt das hier Dargebotene gut. Hoffentlich brauchen die Italiener nicht wieder 18 Jahre, um ein neues Album aufzunehmen.

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