Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Blutengel: Seelenschmerz

Das bis dato beste Album der Combo
Wertung: 9.5/10
Genre: EBM
Spielzeit: 66:43
Release: 19.03.2001
Label: Out Of Line

Ein Schelm, wer böses denkt… Ein Schelm aber auch derjenige, der doch jener irrtümlichen Meinung unterliegt, dass Chris Pohl mit seinem Projekt Blutengel lediglich im tiefen, theatralischen Pathos-Sumpf watet, ohne diesem aber nicht auch neue und innovative Züge abgewinnen zu können. Mit dem vorliegendem Album “Seelenschmerz“ sollten auch spätestens diese bösen Zungen verstummt sein... Zwei Jahre ließ man sich Zeit um dem finsteren (aber noch etwas ungelenk wirkenden) Blutengel Debüt Album “Child of glass“ (1999) einen Nachfolger hinterher zu setzen. “Seelenschmerz“ hält auch heute noch die meisten Blutengel Hits und Klassiker inne und kann sich getrost als eines der bestproduzierten Dark Elektro / EBM Alben aller Zeiten bezeichnen.

Gründe für diese gerechtfertigte Lobhuldigung gibt es da doch einige: Gleich das Cover und Booklet des Albums bietet uns mit ihrer herbstlichen Stimmung und Bildgewalt bereits einen guten Einstieg und Hintergrund in jenes Werk aus Trauer, verlorener Liebe, Selbstzweifel und den vielen weiteren, tief in uns verankerten Seelenschmerzen. Musikalisch untermauert und gegliedert in die vier verschiedenen thematisierten Phasen des Schmerzes, unterstützen uns eindringlich (sowie auch nachträglich!) jene instrumentalen Grundpfeiler, die da lauten: “Liebe“, “Lust“, “Einsamkeit“ und “Tod“. Alles andere als schmerzlindernd und positiv stimmend wirken auch die orchestral angehauchten und Gänsehaut fördernden Stücke “Welcome to the suicide (Intro)“ und “After death (Outro)“. Mit dem gleichnamigen Song “Seelenschmerz“ haben wir sogleich den ersten Klassiker des Albums vor uns: Intoniert und geschrieben von der damaligen Sängern Gini, weiß “Seelenschmerz“ mit seinem eindringlichen Rhythmus und zerbrechlich wirkenden Stimme auch heute noch zu begeistern. Denn der Grundtenor des Tracks ist in dieser Grundform einfach zeitlos und nahezu unerreicht (seelische Verletzungen eines geliebten Menschen und der Unfähigkeit, sich zu seiner eigenen, inneren Einsamkeit und Leere zu bekennen).

Als passendes Gegenstück wird mit dem recht aufbrausenden und ernüchternd wirkenden “Der Spiegel“ jedem von uns wortwörtlich und schonungslos einer vor die eigenen Augen gehalten. Und was wir darin letztendlich erkennen können, sind unterdrückte Gefühle und das Tragen von falschen und verlogenen Masken, um am Ende selbst nicht mehr zu wissen, wer man ist und eigentlich einmal war. Bis eben letztendlicher und ernüchternder Blick in den inneren Spiegel seiner Selbst folgt, so dass die innere Fassade aus Selbstlügen erste Risse bekommt und dann mit einem Male letztendlich in sich zusammenbricht, bevor alles zu spät ist und man an seinen eigenen Lebenslügen erstickt.

“Die with you“ ist ein zweiter, reinrassiger Club Hit geworden. Textlich geht es hierbei darum, dass uns ein innig geliebter und nahe stehender Mensch verloren gegangen ist. Aber nicht durch den Tod, sondern durch das Ende einer einst glücklichen Beziehung. Dabei ist der Schmerz beim Zurückgebliebenen so gewaltig und in sich manifestiert, dass er nur noch im Tode beider eine erlösende Wiedervereinigung erblicken kann. Musikalisch recht eindringlich und relativ wenig aggressiv-stampfend gehalten, weiß “Die with you“ gekonnt alle Freunde atmosphärischer EBM Songs zu überzeugen.

Doch was tun, wenn sich eine lang gehegte Beziehung zu einem Menschen letztendlich nur noch als Lügengebilde herausstellt bzw. dieser nicht mehr in der Lage ist, zwischen Wahrheit und Lüge, Treue und Oberflächlichkeit, sowie Realität und Fiktion zu unterscheiden? Seine Seele nur noch kalt wie Eis erscheint, bis jene letztendlich zu erfrieren droht? Antworten wird man auch hier leider nicht finden, außer vielleicht bei sich selbst. "Soul of ice" ist wiederum ein sehr authentischer und eindringlicher Track, der im Refrain als Duett zwischen Kati und Chris seinen Höhepunkt findet.

Vampirale Lustgefühle, fließendes Blut und die Freude an der Stille und Verborgenheit der Nacht, bekommen wir gekonnt in den Meilensteinen “Bloody pleasures“ und “Children of the night“ geboten: Während erst genanter auf der blutig-erotisch angehauchten Ebene spielt und mit seinem extrem treibenden und lauten Bass in Mark und Bein geht, wird in “Children of the night“ gelungen jenem einen Wesen der Nacht und seinen Kindern gehuldigt... den Vampiren. Beides zusammengenommen sind es Lieder, die auf keinem Blutengel Konzert fehlen dürfen, da sie sich heute schon zu zeitlosen Klassikern gemausert haben.

In Richtung Industrial Sound geht es sogar auch einmal - und zwar direkt hinab in die Hölle: “Road to hell“ ist eine sehr melodiös-treibende und schranzige Elektronummer geworden, die wahrlich keinen schwarz gewandeten Szenegänger mehr ruhig auf seinem Stuhl sitzen lässt: Treibend, laut und unwiderstehlich genial in seinem Gespür für düstere und beklemmende Atmosphäre!

Fazit: Nicht umsonst gilt “Seelenschmerz“ als das bis dato beste Album der Combo um Chris Pohl: Denn so eine authentische Mixtur und Symbiose aus Texten und musikalischer Untermalung, hat es bisher in dieser Intensität kein zweites Mal gegeben. “Seelenschmerz“ ist ganz ohne Übertreibung eines der besten und innovativsten All-Time-Classic EBM und Dark Elektro Alben aller Zeiten!

comments powered by Disqus

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging