Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Blutengel: Demon Kiss

Sicherlich keine Offenbarung
Wertung: 6.5/10
Genre: EBM, Dark Pop
Spielzeit: 76:48
Release: 22.02.2004
Label: Out Of Line

Das recht stimmige und träumerische Vorgängeralbum “Angel dust“ war für viele eine Spur zu ruhig und versöhnlich, weswegen auch der nachhallende Ruf nach einem wieder schnelleren und härteren Album laut wurde. Chris Pohl gelobte diesbezüglich Besserung und versuchte auf vorliegenden “Demon kiss“ beiden Seiten gerecht zu werden: Nämlich einen Spagat zu schaffen, der träumerische Parts alá “Angel dust“ und elektronische Härte eines “Seelenschmerz“ Albums in sich vereinen. Allerdings muss man sagen, das man hier einen Konsens zu Gunsten der Fans eingegangen ist, der auf weite Sicht nicht wirklich überzeugen und gutgehen konnte. Gab es in den bisherigen Alben z.B. immer einen thematischen Schwerpunkt (bzw. einen roten Faden), der nachträglich und offensichtlich vom Hörer verfolgt werden konnte, so fehlt eben jener komplett bei “Demon kiss“: Faktisch steht also (fast) jeder Song für sich alleine, was bei den insgesamt doch breit gefächerten, musikalischen Untermalungen der einzelnen Tracks größtenteils recht unausgeglichen und aufgesetzt klingt.

Aber gehen wir nun mal auf einige Beispiele ein: “Angels of the dark“ ist eine astreine Dark Pop Nummer, die auf Grund ihres eingängigen Melodiebogens und Refrains erst mal zu Begeisterungsstürmen führen wird. Da man ihr textlich geschickt versucht hat, das Lebensgefühl der Gothic-Szene zu beschreiben und jene adäquat umzusetzen. “Forever“ ist eine ebenso schnelle und eingängig Dark Pop Nummer, in welcher es inhaltlich um eines von Chris Lieblingsthemen geht: Vampire und ewiges Leben... In eine ganz andere Richtung begibt sich aber nun der folgende “Silent tears (for you)“. Die von Constance geschriebene und interpretierte Ballade, ist wohl mit das Beste und einfühlsamste was man bisher von Blutengel zu hören bekam. Eine richtige, schöne Gänsehaut Nummer, untermalt mit zarten und zerbrechlich wirkenden, klassischen Elementen. „So weit so gut“, kann man bisher sagen. Aber nun beginnt bereits jenes Dilemma und ein Großteil der nun folgenden Songs beginnt ins Belanglose und Oberflächliche zu driften: “In the distance“ ist eine musikalisch recht lieblose und textliche eine ziemlich fade Sache geworden, die man sich genauso hätte sparen wie den sehr enttäuschenden “Love killer“ (hier wird das Tempo und die Härte zwar wieder angezogen, schafft es aber nicht auch nur ansatzweise an alte EBM Hämmer alá “Soul of ice“ anzuknüpfen). Das von Eva geschrieben und gesungene “Sensless life“ erinnert irgendwie mehr an netten elektronischen Schlager, aber nicht an Blutengel. Zu hell und nichtssagend wirkt auch hier wieder das Gesamtergebnis von Musik und Text. Und letztendlich kann man über Constances hier nun wieder recht dünne Stimme bei “Frozen heart“ genauso streiten, wie über das doch recht ungewöhnliche (aber nicht unbedingt schlechte) Cover des Shakespeare Sisters Klassikers “Stay“.

Dass es aber auch wieder kleinere musikalische Lichtblicke gibt, beweisen u.a. die zwar recht poppigen (aber handwerklich einwandfreien und gut gemachten) Stücke “Solitary angel“ und “Navigator“. Mit “Go to hell?“ wird zwar zu sehr und eindeutig vom “Seelenschmerz“ - Klassiker “Road to hell“ abgekupfert, ohne gleichzeitig aber auch dessen Intensität und Einmaligkeit zu erreichen. Dennoch aber ein ganz nettes und schranzig gewordenes EBM Stück. “Im my dreams“ ist eine rein von Chris intonierte Akustikballade, die ebenso wie auch schon “Silent tears (for you)“ überzeugen konnte. Nur hätte man sich im direkten Anschluss daran doch das recht monotone und gelangweilte “Verzweiflung“ ebenfalls wieder sparen können. Als noch mal ganz gelungenen und atmosphärisch düster gehaltenen Song, sollte man hier auch noch mal “Resurrection“ erwähnen, welcher thematisch nicht nur wieder bei den „Vampiren (und anderen Wesen der Nacht)“ anzusiedeln ist, sondern auch durch seine einmalig schöne Melodieführung begeistern kann...

So viel erst mal zu der eigentlichen Track-Liste des Albums. Allerdings hatte man seinerzeit auch die „glorreiche Idee“, das Album “Demon kiss“ in drei unterschiedlichen Varianten auf den Markt zu werfen, die folgendermaßen aussahen:

+ Die reguläre Standard Albumversion enthält insgesamt 15 Tracks, ohne jeglichen Schnickschnack und Gimmiks.

+ Neben jener genannten Version, gab es auch noch eine begrenzte “Limited Edition I“ zu erstehen, welche noch eine Bonus-CD mit dem Titel “Fire“ enthielt. Auf jener 5-Track CD befinden sich weitere und alles in allem sehr gelungene und brauchbare Blutengel Kompositionen (besonders sind hier die nachdenklichen und zu Herzen gehende Stücke “Second chance“ und “Ohne Dich“ hervorgehoben). Warum man aber nun nicht jene 5 Tracks auf das reguläre Album mit drauf nahm und stattdessen dafür einige der belangloseren Lieder wieder runternahm, wird wohl ein kleines Geheimnis der Plattenfirma bleiben...

+ Aller guten Dinge sind ja bekanntlich immer drei: Demzufolge gab es auch noch eine große “Demon kiss“ – Box zu erstehen, in welcher sich nicht nur endlich auch mal ein Booklet mit allen Songtexten befand, sondern (tatatata!) auch eine dritte CD mit dem Titel “Ice“. Ja, auch hier bekommen wir wieder eine 5-Track-CD, welche neben dem neuen Track “Mistress of the Club“, auch noch jeweils einen Remix zu “Forever“ und “Die with you“ enthält. Als Bonus bietet diese CD auch noch einen Live-Videoclip zum Klassiker “Vampire romance Part I“.

Fazit: Dass man nach diesen völlig übertriebenen Veröffentlichungsarien Chris Pohl als totalen (und leidlich talentierten) Geldgeier hinzustellen versuchte, ist zwar einerseits verständlich, aber ebenso auch ziemlich überzogen und unwahr. Sicherlich ist “Demon kiss“ keine Offenbarung geworden, aber bei weiten auch nicht so schlecht, wie viele es gerne hätten!

comments powered by Disqus

Fantastisches Open-Air, bei dem alle um die Wette strahlen

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging