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Blut Aus Nord: The Mystical Beast Of Rebellion (Re-Release)

Zum alten Album kommt eine Bonus-CD hinzu, die ähnlich monoton tönt - wenn auch auf völlig andere Art und Weise
keine Wertung
Genre: Black Metal / Ambient
Spielzeit: 78:26
Release: 21.01.2011
Label: Debemur Morti Productions

Bei Blut Aus Nord handelt es sich bekanntermaßen nicht etwa um eine deutsche Combo, wie der Name suggerieren könnte, sondern um eine Truppe aus Frankreich, einem Land, das in den letzten Jahren eine ganze Armada von Black-Metal-Bands hervorgebracht hat, die mindestens so authentisch und qualitativ hochwertig musizieren wie ihre großen Vorbilder aus dem hohen, ähem, Norden.

Allerdings verhält es sich im Falle der bereits 1993 gegründeten Blut Aus Nord so, dass sich ihr musikalisches Erscheinungsbild im Gegensatz zu den meisten anderen Schwarzwurzel-Formationen mit jeder Veröffentlichung doch recht stark gewandelt hat: Spielte man auf den ersten beiden Alben „Ultima Thulée“ und „Memoria Vetusta I: Fathers Of The Icy Age“ noch ziemlich „reinen“ Black Metal mit klirrenden, schneidenden Klampfen, garniert mit gelegentlichen atmosphärischen Keyboardeinschüben und der ein oder anderen Gitarrenmelodie, so wandelte sich das Bild auf dem dritten Full-length-Release „The Mystical Beast Of Rebellion“ (2001), von dem nun eine Wiederveröffentlichung vorliegt, doch ganz erheblich. Man setzte auf Monotonie und ambiente Sounds, was naturgemäß nicht bei jedem ankam, bei den folgenden Platten „The Work Which Transforms God“ (2003) oder auch „Odinist“ (2007) jedoch weitestgehend fortgeführt wurde und letztlich sogar in eine verstörende, Industrial-mäßige Richtung mündete. Den Höhepunkt in dieser Hinsicht erreichte man wohl mit dem völlig kranken „MoRT“ (2006), das weder mit Black Metal im eigentlichen Sinne, noch mit traditionellen Songstrukturen etwas zu tun hatte, von einer beklemmenden Atmosphäre lebte und bei nicht gerade Wenigen nichts weiter als ein dickes Fragezeichen auf der Stirn hinterließ. Erst mit der vor zwei Jahren herausgekommenen siebten Langrille „Memoria Vetusta II: Dialogue With The Stars“ gab es wieder ein Rückbesinnen auf das Anfangsmaterial.

Es ist also klar, dass diese Franzosen polarisieren, und auch der Verfasser steht dem Schaffen der Band eher zwiespältig gegenüber: Was ich von einer doch sehr experimentellen Platte wie „MoRT“ halten soll, weiß ich immer noch nicht recht (kommt wohl auf die eigene Gemütsverfassung an), „Odinist“ finde ich wegen des sehr penetranten Drumcomputers eher öde, während die beiden „Memoria Vetusta“-Alben für meine Begriffe gelungene bis sehr gute Platten markieren. Fest steht zweifellos, dass Blut Aus Nord eine äußerst wandlungsfähige und interessante Formationen jenseits aller Konventionen sind, bei der es eine Menge zu entdecken gibt.

Doch wie verhält es sich nun „The Mystical Beast Of Rebellion“? Nun, wie erwähnt, man kehrte sich bereits hier vom etwas melodischeren Schwarzmetall der Vorgänger ab und setzte auf sehr limitierte, bewusst monotone Klänge – meiner Ansicht nach ein bisschen zu monoton. Zwar übt das Ganze eine gewisse Faszination aus und die Atmosphäre ist irgendwo schon einnehmend, finster und unheilvoll (wie auch bei „MoRT“, nur auf ganz andere Weise), dennoch handelt es sich um ganz schön hartes Brot: In den ersten vier Tracks (richtige Titelbezeichnungen gibt es nicht) herrscht praktisch immer das gleiche Tempo vor, gefühlt auch mehr oder weniger immer dasselbe Riffing, zwischendurch abgelöst durch ein paar Passagen, in denen eine Art dumpfes, leises Dröhnen und Brummen ertönt – erst nach etwa 25 Minuten, beim fünften Song, wird die Handbremse zum ersten Mal angezogen, nachdem einen zuvor eine permanente Blastbeat-Wand zudonnerte. Das sechste Stück beginnt dann wieder schnell, erst zum Ende wird wieder langsamer agiert. Was jedoch die drei Minuten Leerlauf am Ende der ersten CD sollen, wird wohl auf ewig ein Rätsel bleiben.

Der zweite Silberling beinhaltet dann drei weitere Tracks, die allesamt mit „Chapter 7“ betitelt und für den Reissue neu komponiert wurden. Von der Atmophäre her passen sie zu dem alten Material, was erstaunlich und fast schon eine Kunst für sich ist, da hier im Gegensatz zum fast durchgängigen Uptempo auf dem ersten Rundling wirklich fiesester, schwärzester und zähester Zeitlupen-Metal zelebriert wird, insbesondere im geschlagene 19 Minuten langen Schlussepos. Auch diese, auf komplett andere Weise vorgetragene Monotonie entbehrt einer gewissen Faszination nicht, doch ist auch diese Form des Minimalismus ein harter Brocken und auf Dauer etwas ermüdend. Immerhin taucht hier hin und wieder mal die ein oder andere Gitarrenmelodie im Hintergrund auf und abgesehen davon, was man von diesem gestörten Zeug hält, muss man vor der Wandlungsfähigkeit von Blut Aus Nord definitiv den Hut ziehen.

Fazit: Wer die frühere Ausgabe von „The Mystical Beast Of Rebellion“ noch nicht sein Eigen nennt, aber das Album schätzt, macht sicherlich nichts falsch, es sich jetzt mit Bonus-CD zuzulegen. Alle, die dieses schwer verdauliche Stück Musik noch nicht kennen, sich aber für ambiente und schwarzmetallische Sounds interessieren, sollten lieber vorher mal reinhören oder zunächst einmal mit den wesentlich zugänglicheren „Memoria Vetusta“-Alben in die düstere Welt der Franzosen eintauchen.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann