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Blut Aus Nord: 777 - The Desanctification

Nicht weniger krank als Teil eins der "777"-Trilogie
Wertung: 7/10
Genre: Black Metal/Ambient
Spielzeit: 43:49
Release: 11.11.2011
Label: Debemur Morti Productions

Mit „The Desanctification“ liegt der zweite Teil der geplanten „777“-Trilogie der Franzosen Blut Aus Nord vor, und es ist ja beinahe schon überflüssig zu erwähnen, dass es einem die Jungs auch auf dieser Scheibe alles andere als leicht machen. Die „Memoria Vetusta“-Tage, als die Band mit epischem, majestätischem Melodic Black Metal aufwartete, scheinen endgültig gezählt; genau wie beim ersten „777“-Part „Sect(s)“ bevorzugt man es, dem Hörer unbequeme, dissonante Riffs und kakophonische, psychotische Ambient-Passagen vorzusetzen, die in ihrer geistesgestörten Atmosphäre nach wie vor gerne mal an Deathspell Omega erinnern.

Im Gegensatz zu dem Geprügel am Anfang von „Sect(s)“ beginnt „The Desanctification“ (könnte man übrigens mit „Entheiligung“ übersetzen) sehr getragen, die Stimmung hat auch dank der teilweise verwendeten Drum-Samples etwas Industrial-mäßiges; Hoffnungslosigkeit, Leere und gnadenlose Kälte kommen einem als Attribute in den Sinn, die das Dargebotene beschreiben könnten. Monotonie wird erneut als bewusstes Stilmittel eingesetzt; es werden wenig Riffs verwendet, und es passiert nicht allzu viel – und doch verstehen es Blut Aus Nord, mit ihrem bösartigen, kranken Sound zu faszinieren. Schließt man die Augen und achtet nur auf die Musik, taucht man alsbald in eine düstere Welt ein, der dank der Industrial-Elemente irgendwie etwas Post-Apokalyptisches innewohnt, einen aufgrund der erbarmungslos dissonanten Gitarrenriffs aber auch hin und wieder einfach nur an pure Zerstörung und Chaos denken lässt.

Die immer wieder auftauchenden Keyboards sind äußerst effektiv eingesetzt und lockern das Ganze zwar auf, verstärken die beklemmende Stimmung aber letztlich nur. Klingt recht ambivalent, doch das ist auch die Band selbst ja schon immer gewesen – man betrachte nur ihren Backkatalog, bei dem wirklich keine einzige CD wie die andere klingt, was auch die äußerst unterschiedliche Bewertungen der Alben auf unserer Seite verdeutlichen.

Die Stücke auf der vorliegenden Scheibe haben wie bereits auf dem Vorgänger keine richtigen Songtitel, sondern wurden lediglich mit „Epitome VII“ bis „Epitome XIII“ bezeichnet – es wird also quasi direkt beim letzten Track von „Sect(s)“ angesetzt, wenn man so will. Insgesamt wird deutlich weniger geblastet als beim ersten Part der Trilogie, was die Platte allerdings eher fast noch schwerer zugänglich macht, weil oberflächlich betrachtet noch weniger Abwechslung vorhanden ist. So eine Zwischensequenz wie das nur zweiminütige „Epitome IX“, das lediglich von einer durch Effekte verfremdeten Gitarre lebt, fällt da schon regelrecht aus dem Rahmen.

Ansonsten gibt es auch hier wieder äußerst wenig Gesang und wenn, ist dieser eher wie ein zusätzliches Instrument eingesetzt; textlich unverständlich, geröchelt, gekrächzt und mal clean, aber stets subtil im Hintergrund, die Instrumente unterstützend und die Atmosphäre verstärkend. Auch ist klar, dass so mancher wieder nur den Kopf schütteln wird, wenn er dieser Psychopathen-Mucke ausgeliefert ist; um in der Welt von Blut Aus Nord klarzukommen, muss man entweder selbst ein bisschen kaputt oder wenigstens in der passenden Verfassung sein. Außerdem sollte man Geduld mitbringen, wenn man nach den Strukturen innerhalb der sieben Soundkonstrukte sucht – sie sind (wenigstens teilweise) vorhanden, aber nicht leicht erkennbar. Natürlich geht es aber auch hier in erster Linie wieder um die Wirkung, die mit dieser Musik erzielt werden soll, und zumindest kann mir niemand erzählen, dass diese nach Einfuhr dieses Longplayers ausbleibt: Nur wird einer die Angelegenheit eben als langweilig oder gar als Schrott abtun, während der andere von faszinierenden, verstörenden Klangwelten oder ähnlichem schwärmt. Die Wahrheit liegt wohl wie so oft in der Mitte.

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