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Blues Pills: Live At Rockpalast

Großartige Performance – aber warum nur vier Tracks?
keine Wertung
Genre: Heavy Rock
Spielzeit: 15:16
Release: 14.02.2014
Label: Nuclear Blast

„Wat? Schon wieder so ’ne komische ,Retrorock-Kapelle‘ – gibt’s davon nicht mittlerweile genug?“ Ja, das Gemecker der Leute, denen dieser „Trend“ auf den Keks geht, dürfte auch vor Blues Pills nicht haltmachen – dabei haben wir es hier mit einer der besten Bands des Genres zu tun, einer supertalentierten, von Led Zeppelin und Konsorten inspirierten Formation, die sich aus Musikern aus Schweden, den USA und Frankreich zusammensetzt und die bereits 2011 mit einem Demo sowie 2012 und 2013 mit jeweils einer starken EP, „Bliss“ beziehungsweise „Devil Man“ betitelt, auf sich aufmerksam machen konnte.

Bei so viel Lob, das dem multinationalen Haufen zuteilwurde, ist die Erwartungshaltung bezüglich der ersten Full-length-Platte natürlich immens – ein wenig gedulden muss man sich jedoch immer noch, vorerst wird die Anhängerschaft mit einer weiteren EP bei Laune gehalten; diesmal handelt es sich um eine Liveaufnahme, die im Rahmen des Crossroads Festivals im Oktober 2013 in Bonn vom Rockpalast mitgeschnitten wurde. Das Ganze hat unverkennbaren Livecharakter und wurde auf seine eigene Art hervorragend produziert; allein der Gitarrensound ist dermaßen geil und zeigt allen Kritikern der sogenannten Retrorock-Welle (was für ein bescheuerter Begriff das eigentlich ist) eindrucksvoll, wie eine ehrliche Klampfe zu klingen hat. Mal abgesehen davon, dass Dorian Sorriaux, der Mann an der Axt, durch sein versiertes, gefühlvolles und extrem vielseitiges Spiel große Begabung demonstriert – da steckt jede Menge Jimi Hendrix drin, und es gibt nun wahrlich schlechtere Referenzen. Insbesondere beim Jam-lastigen, finalen „Mind Exit“ darf er sich so richtig austoben und nach Herzenslust solieren.

Unbedingt erwähnen muss man selbstverständlich auch die mit einer absolut sagenhaften Stimme ausgestattete, charismatische Frontlady Elin Larsson. Eine Wahnsinnsröhre, der ganz viel Soul innewohnt, darf die Schwedin ihr Eigen nennen, die man ihr, wenn man sieht, wie zierlich sie ist, niemals zutrauen würde, und die sie zudem bestens zu kontrollieren versteht – es ist nämlich nicht einmal ansatzweise ein schiefer Ton oder auch nur ein ungewollter Wackler zu hören. Auch zeichnet sie sich durch enorme Wandelbarkeit aus, denn gefühlvoll singen kann die junge Dame genauso gut, so beispielsweise dokumentiert beim sanften Part von „Little Sun“. Die bereits vielbeschworenen Vergleiche mit der legendären Janis Joplin sind keineswegs aus der Luft gegriffen, dennoch besitzt Elin einen eigenen Stil.

Die gesamte Band allerdings performt sowohl leidenschaftlich als auch arschtight; allein die reibungslosen Übergänge zwischen dem Intro „In The Beginning“ und „Black Smoke“ sowie „Little Sun“ und schon erwähntem „Mind Exit“ sprechen für sich, und auch wenn naturgemäß Gitarre und Gesang im Vordergrund stehen, sollte das äußerst souveräne Rhythmusfundament, das Bassist Zack Anderson und Drummer Cory Berry bilden, nicht unter ferner liefen laufen.

Wer die Blues Pills noch nicht live gesehen hat, bekommt hier also den Beleg geliefert, dass die Truppe nicht nur gute Songs schreibt, sondern dass diese live auch wunderbar umgesetzt werden. Für meine Begriffe wird hier sogar deutlich, dass das Quartett mehr eine Live- als eine Studioband ist, da das Material einfach noch mehr Arsch tritt und sämtliche Bandmitglieder hörbaren Spaß daran haben, so richtig Vollgas zu geben. Dennoch wird es langsam Zeit, endlich mit dem Debütalbum herauszurücken.

„Live At Rockpalast“ ist demnach im Prinzip ein Tonträger, den man sich problemlos ins Regal stellen kann, wobei es – auch wenn es sich nur um eine EP handelt – gerne etwas mehr als eine Viertelstunde Musik hätte sein dürfen. An sich liegt vom Bonner Auftritt fast 60 Minuten Material vor, es wäre fairer gewesen, gleich alles auf CD herauszubringen als nur diese vier Tracks (wobei ich gestehen muss, eh noch nie ein Fan von EPs gewesen zu sein). Ändert nix daran, dass das sympathische Quartett unfassbares Potential hat und sich auch vor den Szenegrößen Graveyard, Orchid oder Rival Sons nicht zu verstecken braucht. Und als kleines Trostpflaster sei hinzugefügt, dass es bei YouTube derzeit das komplette Konzert in Bild und Ton zu bewundern gibt.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann