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Blues Pills: Lady In Gold

Gut, erreicht jedoch nicht die Frische und Energie des Debüts
Wertung: 8/10
Genre: Blues/Psychedelic Rock
Spielzeit: 40:06
Release: 05.08.2016
Label: Nuclear Blast

Geschichte wiederholt sich bekanntermaßen ständig – ob nun global betrachtet oder in kleineren Dimensionen. Auf die Hard-Rock- und Metalszene bezogen heißt das: Eine bestimmte Band landet bereits mit ihrem Debüt einen Riesenerfolg, und da man in dieser Szene ja keinen Erfolg haben darf um glaubwürdig zu sein, ist das selbstverständlich auch automatisch Kommerz und wer jene Band gut findet ein Hipster. Mit Talent hat das nichts zu tun. Und das zweite Album kann sowieso nur scheiße werden, da nach dem Überraschungshit des Erstlings die böse Plattenfirma fortan bestimmt, in welche Richtung es musikalisch nun gehen wird. Noch dazu bei einer Sell-out-Company wie Nuclear Blast.

Zugegeben, sicherlich ein bisschen arg sarkastisch, aber oft genug wird doch genau dies kolportiert. Mal Butter bei die Fische: Das selbstbetitelte Debüt der Blues Pills war absolut fantastisch und die Krönung nach den bereits exzellenten EPs zuvor, welche schon aufzeigten, dass da etwas ganz Großes im Kommen ist. Die Stars der Truppe sind zweifellos Sängerin Elin Larsson und Gitarrenwunderkind Dorian Sorriaux, im Prinzip jedoch ist die gesamte Combo mit sagenhaftem Talent gesegnet, das sich besonders bei Livekonzerten in sensationell tightem Zusammenspiel manifestierte.  

Der Druck dürfte nach besagtem großem Erfolg immens gewesen sein, zum Glück jedoch hat das schwedisch-französisch-amerikanische Quartett nicht den Fehler begangen, das Debüt quasi einfach noch einmal einzuspielen. Vielmehr legt man eine klare Weiterentwicklung an den Tag und hat die Arrangements wesentlich aufwendiger gestaltet – insgesamt dürften noch einige Spuren mehr verwendet worden sein als auf „Blues Pills“. Mehr Gesangsharmonien und vor allem weitaus mehr Keyboards; allein dadurch tendiert die Angelegenheit noch mehr in die psychedelische Ecke und etwas weiter weg vom Blues. Man hat sich definitiv viele Gedanken bei der Produktion gemacht, entsprechend wirkt das Material auch eher als ob es mehr mit dem Kopf als aus dem Bauch heraus komponiert wurde.

Natürlich wird dies die notorischen Querulanten auf den Plan rufen, zumal der vorab bei YouTube vorgestellte Titelsong bereits genügend Meckersäcke hinter dem Ofen hervorkriechen ließ. Mit völlig simplen Oktavklängen beginnend, ist die Nummer rein songschreiberisch betrachtet sehr einfach gehalten und besitzt ohne Zweifel starken Pop-Appeal, noch dazu, wo sich der Refrain als äußerst eingängig erweist. Wohl kaum der stärkste Track des Albums, dennoch aufgrund seiner Ohrwurmqualitäten ein guter Einstieg und durch die bereits hier relativ aufwendige Instrumentierung nicht zu sehr Gefahr laufend, in die Belanglosigkeit abzudriften.  

Trotzdem wird es anschließend um einiges interessanter: „Little Boy Preacher“ wohnt dem Titel entsprechend eine soulige Note inne und ist in Sachen Arrangement noch ein gutes Stück pompöser gestaltet (wie viele Elin Larssons hier wohl allein zu hören sind?) und „Burned Out“ basiert auf einem formidablen, rockigen Riff, wobei die psychedelische Schlagseite durch die omnipräsente Orgel und den hypnotischen Bass stets ebenso allgegenwärtig ist. Die Highlights folgen in der Mitte mit der herzzerreißenden, von einem E-Piano und Elins großartigem Gesang getragenen Ballade „I Felt A Change“ sowie dem sich grandios bis fast zum Bombast steigernden „Gone So Long“. Letzteres darf man mit Fug und Recht als beste Nummer des Albums bezeichnen, Gänsehaut ist hier in jedem Fall garantiert.

Leider ist die zweite Hälfte von „Lady In Gold“ dann nicht mehr ganz so zwingend; „You Gotta Try“ oder „Won’t Go Back“ wirken irgendwie sperriger als die Stücke des ersten Abschnitts und haben nicht mehr ganz deren Leichtigkeit. Vielschichtig sind sie jedoch allemal und voller interessanter Details – und wie sich das live anhören wird, muss sich ohnehin erst noch zeigen. Das abschließende Cover des Tony Joe White-Songs „Elements And Things“ markiert dann einen gelungenen Abschluss und fügt sich nahtlos in die Tracklist ein.

Alles in allem: Die guten Absichten der Blues Pills sind zu jeder Sekunde spürbar und summa summarum gelingt es der Band auch sehr gut, trotz recht komplexer Arrangements und kompromissloser Weiterentwicklung immer noch Leichtigkeit, Leidenschaft und Unbekümmertheit auszustrahlen – sicherlich auch dank einer erneut überragenden Elin Larsson und des nach wie vor zarten Alters der Protagonisten. Natürlich sind sie immer noch hungrig und wollen es der Welt zeigen. Die Frische und Energie des Debüts erreichen sie mit dem Zweitling aber nicht ganz, außerdem gibt es im Mix ein leichtes Missverhältnis zu Ungunsten der Gitarre – hier sind Gesang, Schlagzeug und teilweise auch die Keyboards doch arg im Vordergrund.

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