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Blues Pills: Holy Moly!

Besser als man es befürchten musste
Wertung: 7,5/10
Genre: Blues/Psychedelic Rock
Spielzeit: 41:30
Release: 21.08.2020
Label: Nuclear Blast

Als Ende 2018 bekannt wurde, dass Ausnahmegitarrist Dorian Sorriaux die Blues Pills verlässt, sahen viele bereits das Ende der Combo in Sichtweite. Zu kometenhaft schien ohnehin der Aufstieg der jungen Band und schließlich beweisen viele Beispiele in der Musikgeschichte, dass der Stern solch junger Künstler oft ebenso schnell verglüht wie er zunächst erstrahlte. Sei es durch Ausbeutung seitens des gnadenlosen Business, aufgrund interner Streitigkeiten oder Burn-out, weil sie sich selbst übernommen haben.

Und nachdem Wunderkind Sorriaux sich verabschiedete – was sollte da noch Brauchbares kommen, mal abgesehen davon, dass viele schon „Lady In Gold“ als deutlich schwächer als das furiose Debütalbum ansahen? Das Drittwerk wird ohnehin meistens mit dem „Make it or break it“-Label versehen, wobei die Blues Pills mit ihrem großen bisherigen Erfolg sowieso schon längst den Durchbruch geschafft haben. Dennoch natürlich eine spannende Frage, wie es sich auf den Sound ausgewirkt hat, dass Bassist Zack Anderson zur Gitarre übergewechselt ist und sich mit Kristoffer Schander ein neuer Mann den Tieftöner umgeschnallt hat.

Die erste Single, die das Quartett in neuer Besetzung veröffentlichte, schien die Skeptiker zu bestätigen: Selbstverständlich ist die in „Proud Woman“ transportierte Message begrüßenswert und (leider) notwendig, aber aus musikalischer Sicht ist das Stück nicht mehr als billigster Garagenrock und völlig uninspiriert, als würde es aus dem Archiv verworfener Songideen von Jack White stammen. Glücklicherweise ist dieser Totalausfall die eindeutig schlechteste Nummer auf „Holy Moly!“. Die Position als Opener ist dabei einerseits ungünstig, weil ein falscher Ersteindruck entsteht, andererseits gut, weil man dann gleich mit dem zweiten Track anfangen kann, ohne skippen zu müssen.

„Low Road“ ist dann auch das genaue Gegenteil: Ein richtig geiler Rocker, ungezügelt und wild, tanzbar und mit High Energy-Drumming Marke André Kvarnström versehen. Hier zeigt sich auch, dass die Blues Pills im Vergleich mit der teils kritisierten, etwas poppigeren Ausrichtung von „Lady In Gold“ wieder eine Schippe Härte mehr draufgepackt haben. Insofern verwundert es nicht so sehr, dass Dorian seine Koffer packte, wenn man sich anhört, was er jetzt selbst für Musik fabriziert – er steht momentan wohl mehr auf Acoustic Folk.

Auch das ordentlich groovende „Dreaming My Life Away“ mit seinem tollen Refrain macht Laune und ist von einem hohen Energielevel gekennzeichnet; wer also befürchtete, die Truppe würde nun „Sell-out“ betreiben und endgültig in eine kommerzielle Richtung gehen, ist absolut auf dem Holzweg. Selbst die beiden Balladen „California“ (bluesig) und „Wish I’d Known“ (Gospel-artig) besitzen Ecken und Kanten, was nicht zuletzt Elin Larssons Wahnsinnsstimme zu verdanken ist. Die Frontfrau liefert einmal mehr eine unglaubliche Performance ab und offenbart all ihre gesanglichen Facetten.

Natürlich steht sie nach Dorians Abgang nun noch mehr im Fokus, denn derart virtuos wie der Franzose präsentiert sich Anderson an der Gitarre nicht, was sicherlich auch nicht zu erwarten war; andererseits sind die Arrangements recht opulent gehalten, was die musikalische Kompetenz der Formation beweist, hin und wieder aber auch Songwriting-Schwächen kaschiert. So beinhaltet „Bye Bye Birdie“ zu viele Wiederholungen und „Rhythm In The Blood“ glänzt ebenfalls nicht unbedingt mit allzu großem Einfallsreichtum.

Trotzdem ist „Holy Moly!“ alles in allem eine bessere Scheibe geworden als befürchtet. Diese Band ist noch längst nicht tot, das beweisen sie bis auf einige schwächere Momente auf diesem Album mit Hingabe und Feuereifer. Dabei haben sie sogar das Kunststück fertig gebracht, die stärksten Nummern ans Ende der Platte zu stellen: Der feierliche „Song From A Mourning Dove“ zeigt u.a. Anderson als passablen Leadgitarristen und der nur von Gesang und Gitarre geprägte Closer „Longest Lasting Friend“, in dem Larsson über die Zeit, in der sie unter Depressionen litt, singt, geht kilometerweit unter die Haut. Das BP-Debüt bleibt zwar unerreicht, aber eine Idee dessen, warum die Band so schnell so groß wurde, gewinnt man auch mit dieser wegen Corona um zwei Monate verschobenen Platte wieder. Sympathiepunkt außerdem für den coolen Albumtitel.

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