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Blues Pills: Blues Pills

Für sich betrachtet ein großartiges Debüt
Wertung: 9/10
Genre: Blues/ Psychedelic Rock
Spielzeit: 42:44
Release: 25.07.2014
Label: Nuclear Blast

Was wurde nicht bereits alles über diese Band geschrieben, was wurde sie in den Himmel gelobt, was für ein Hype veranstaltet – und das alles völlig zu Recht. Nicht nur, dass die bisherigen drei EPs einen sehr guten Eindruck gemacht haben; wenn man den teils bluesigen, teils auch leicht psychedelischen Rock hört, den der Vierer fabriziert, kratzt man sich immer wieder verwundert am Kopf und kann einfach nicht glauben, dass sämtliche Bandmitglieder erst knapp über der Grenze der Volljährigkeit stehen, so authentisch tönt das Material, so souverän und tight ist das Zusammenspiel, so großartig sind die Fähigkeiten an den Instrumenten.

So gesehen wurde in der letzten Zeit wohl kaum ein Debütalbum mit so viel Spannung erwartet wie die Full-Length-Premiere der Blues Pills. Und tatsächlich schafft es die Truppe erwartungsgemäß, auch über die volle Albumdistanz zu überzeugen, wobei angemerkt sei, dass sich in der Tracklist zwar zehn Songs auf knapp 43 Minuten verteilen, „Astralplane“, „Devil Man“, „Little Sun“ sowie „The River“ aber bereits auf der „Bliss“- bzw. „Devil Man“-EP zu finden waren und „Black Smoke“ wenigstens schon als Liveversion auf der „Live At Rockpalast“-Kurzrille zu hören ist.

Mit „Gypsy“ liegt des Weiteren ein Cover (von Chubby Checker) vor, sodass man unterm Strich letztlich nur auf vier wirklich neue Stücke kommt. Eine Schummelpackung also? Könnte man meinen, aber immerhin präsentiert die Band die bekannten Tracks in neuen Versionen – insgesamt etwas weniger roh als zuvor, aber keine Angst: Die Produktion des Albums besitzt der Musik angemessen immer noch genügend Rotz und Sixties/ Seventies-Flair, um nicht etwa als poliert bezeichnet werden zu müssen, ohne aber auch, dass es altbacken klingen würde – hier wurde glücklicherweise genau die richtige Balance gefunden.

Natürlich darf man diese Vorgehensweise trotzdem kritisieren, doch wie man es auch betrachtet: Die Songs selbst sind makellos und das Album besitzt einen wunderbaren Fluss; hier wird eine Dreiviertelstunde auf allerhöchstem Niveau und mit einer Hingabe gebluesrockt, als würden die vier jungen Musiker das schon ein Leben lang tun, wobei der nötige Arschtrittfaktor zu keiner Sekunde fehlt. Kompositionen wie der Opener „High Class Woman“, „Jupiter“ oder das schon bekannte „Devil Man“ (hier leider ohne A-cappella-Intro von Sängerin Elin) sind absolut schweißtreibend, energiegeladen und mitreißend, genauso das schon erwähnte, flotte Chubby-Checker-Cover, das sich entsprechend problemlos in die Tracklist eingliedert.

„Black Smoke“ hingegen lebt von einer toll in Szene gesetzten Laut-/ Leise- respektive Schnell-/ Langsam-Dynamik, während „Ain’t No Change“ einen wahnsinnig intensiven Refrain sein Eigen nennt, während die Strophe zurückhaltender gestaltet ist, aber trotzdem voller Unruhe, immer auf den Ausbruch, der dann im Chorus erfolgt, zusteuernd. Zwischendurch nimmt man dann allerdings auch mal komplett den Fuß vom Gaspedal: Mit dem elegischen „The River“, der melancholischen Ballade „No Hope Left For Me“ und dem abschließenden „Little Sun“ sind drei fast gänzlich ruhige, zumindest getragene Songs vertreten, die für die nötige Abwechslung sorgen. Unbedingt erwähnenswert ist die dank der dezenten Orgel im Hintergrund fast schon erhaben zu nennende, in jedem Fall lässig groovende Nummer „Astralplane“.

Wie gesagt, man kann kritisieren, dass die Band hier ein paar Stücke noch einmal aufwärmt (in einem bald erscheinenden Interview auf The-Pit.de äußert sich Gitarrist Dorian noch zu dem Thema), aber rein für sich betrachtet ist „Blues Pills“ ein klasse Album, das rockt, das Spaß macht und angesichts des jungen Alters der Protagonisten vor allem auch beeindruckt. Wie Elin Larsson aus ihrer zierlichen Figur diese Wahnsinnstöne herausbekommt, wird wohl ewig ein Rätsel bleiben und Gitarrist Dorian ist ein ebensolches Phänomen – mit 18 (!) Jahren dieses Feeling, diese Spieltechnik und dieses Gespür für gute Arrangements zu haben, ist einfach nur unglaublich. Man kann der Formation wirklich nur das Beste für die Zukunft wünschen, denn hier haben vier unglaubliche Talente zusammengefunden. Ach ja: Das Coverartwork ist übrigens wunderschön und passt bestens zur Mucke – allerdings wurde das Bild auch bereits in den Sechzigern gemalt. Dazu ebenfalls mehr im Interview.

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