Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Blue Öyster Cult: The Symbol Remains

Ebenso „seltsames“ wie starkes Album
Wertung: 8,5/10
Genre: Hard Rock / Heavy Metal
Spielzeit: 61:17
Release: 09.10.2020
Label: Frontiers Music

19 Jahre sind eine verdammt lange Zeit, eine Spanne, in der ein Mensch heranwachsen und volljährig werden kann – nur um sich mal vor Augen zu führen, wie lange es schon her ist, dass die Hard-Rock-Großmeister Blue Öyster Cult ihr letztes Studioalbum „Curse Of The Hidden Mirror“ veröffentlichten, das von Presse und Fans noch dazu seinerzeit nicht gerade hochgejubelt wurde, obwohl es tatsächlich ziemlich gute Momente beinhaltet. Wie immer man zu jener Platte steht, so oder so ist es natürlich eine Schande, dass diese legendäre Band derart lange ohne Plattenvertrag dastand. Erst kürzlich kam man bei Frontiers Music unter, die ja ein Sammelbecken für klassische Hard-Rock-Acts darstellen, und brachte im Laufe dieses Jahres fleißig die Nachlese diverser Tourneen heraus; schließlich hing man nicht einfach nur zu Hause herum, sondern bespielte die Konzerthallen dieser Welt und schrieb außerdem neue Songs.

Im Laufe der Zeit kam da offensichtlich einiges zusammen, hat man auf „The Symbol Remains“ doch ganze 14 neue Tracks am Start. Verständlich, nach so vielen Jahren will man den lechzenden Fans natürlich etwas Besonderes bieten – so ist es nicht verwunderlich, dass das Album eine stilistisch enorm breitgefächerte Palette bietet. BÖC waren zwar schon immer eine Band, die viel ausprobiert hat und stets über den Tellerrand blickte, doch „The Symbol Remains“ fühlt sich gar fast wie eine Art Best-of an.

Die Aufteilung des Leadgesangs bei den einzelnen Songs in bester Beatles-Manier war stets ein Stilmittel, das maßgeblich zur Vielfalt des Fünfers beitrug – seit nunmehr beide Bouchard-Brüder raus sind, waren es nur noch die Urgesteine Donald „Buck Dharma“ Roeser und Eric Bloom, die sich die Vocals teilten, mit Richie Castellano ist mittlerweile (das heißt, eigentlich ist er schon seit 2004 Bandmitglied) ein weiterer fähiger Sänger dabei. Bei den drei vorab veröffentlichten, vollkommen unterschiedlichen Appetizer-Songs ist jeder einmal Frontmann – eine nachvollziehbare Vorgehensweise, da sie den Facettenreichtum des gesamten Albums anschaulich vorwegnimmt.

Während das mit einem fetten Riff ausgestattete, von Eric eingesungene „That Was Me“ an der Grenze zwischen Hard Rock und Heavy Metal balanciert (mit clever eingewobenem, überraschendem Reggae-artigen Part), kommt das von Buck performte „Box In My Head“ beschwingter und mit dezenter Pop-Attitüde im Refrain daher – „Tainted Blood“ hingegen klingt für die Truppe eher ungewöhnlich und erweist sich als epische Hymne mit leichter Alice Cooper-Schlagseite und einem Chorus, der bei aller Cheesiness bestes Kraftfutter für die Livefraktion markiert – bei der Nummer werden garantiert die Powerfists in die Luft gestemmt, sobald Konzerte wieder regelmäßig stattfinden können. Außerdem der Beweis, dass man Vampirthematik auch ohne Kitsch und peinliche Pseudoromantik verwursten kann.

Hier zeigt Richie eindrucksvoll, was für ein begabter Sänger er ist, beim treibenden Rocker „The Return Of St. Cecilia“ sowie dem AC/DC-mäßigen Ohrwurm „The Machine“ darf er zwei weitere Male ans Mikro und glänzt mit starken Darbietungen. Qualitativ gehören die Stücke zum gutklassigen Material, besonders die letztgenannte Nummer ist unterhaltsam – die Thematik, dass die Jugend von heute nur noch mit ihren Handys rumdaddelt, ist zwar ausgelutscht, aber allein Riff und Rhythmus auf dem Klingelton am Anfang aufzubauen, bringt einen zum Schmunzeln. Der Cult war ja schon immer für seinen skurrilen „Tongue-in-cheek“-Sinn für Humor bekannt, der sich hier wieder sehr schön Bahn bricht.

Dieser blitzt vor allem in den Bloom-Songs auch sonst immer mal auf, was schlichtergreifend an Erics Stimme liegt – er hatte immer schon dieses Schalkhafte in seinem Timbre, was einfach naturgegeben ist und sich auch mit Mitte 70 nicht geändert hat. Dadurch wirkt beispielsweise ein dunkles Stück wie das dramatische „The Alchemist“ nicht zu ernsthaft, ein Highlight ist es allemal; der schnelle Teil in der Mitte mag etwas forciert wirken, doch die Iron Maiden-artigen Soli machen einfach zu viel Spaß, als dass man dies tatsächlich bemängeln könnte.

Überhaupt sind sämtliche instrumentalen Leistungen zum Zungeschnalzen, insbesondere die atemberaubende Gitarrenarbeit sucht ihresgleichen und unterstreicht nicht nur, was für fantastische Musiker hier am Werk sind, sondern wie die aktuelle Besetzung in den letzten Jahren zusammengewachsen ist. So ist „Nightmare Epiphany“ rein akkordtechnisch sicher nicht die kreative Speerspitze, groovt aber unglaublich geil und ist mit so spielfreudigen Soli ausgestattet, dass dies überhaupt nicht ins Gewicht fällt, im Gegenteil: Die spritzige Nummer ist ein augenblicklicher Anspieltipp.  

Die von Buck gesungenen Songs kristallisieren sich ohnehin als die stärksten heraus, ihnen allen ist eine gewisse Leichtigkeit gemein. Sowohl der fidele Uptempo-Rock’n’Roller „Train True (Lennie’s Song)“ als auch das melancholische „Florida Man“ mit seinen Southern-Rock-Anleihen und einem grandiosen Refrain von betörender Schönheit sind erstklassig, ebenso wie die superentspannte, chillig swingende Traumreise „Secret Road“, bei der man sich nur wünscht, dass das Solo am Ende ewig weitergeht. „Fight“ markiert trotz des martialischen Titels ebenfalls eine eher relaxte Nummer, die die Scheibe locker abschließt.

Dass es in Form von „Stand And Fight“ ein Bloom-Stück gibt, das ähnlich betitelt wurde, erscheint merkwürdig; musikalisch stellt es das genaue Gegenteil dar, ist im Endeffekt gar die härteste Komposition auf „The Symbol Remains“ und zeigt BÖC von ihrer Heavy-Metal-Seite. Mit den sehr berechnenden Hey-Rufen wirkt es aber doch recht platt und bildet einen großen Schwachpunkt der Platte. Bei 14 Songs jedoch muss man mit dem einen oder anderen Füller rechnen und so geht auch das eher belanglose „There’s A Crime“ ziemlich unter, das zwischen metallischen Licks und poppigen Melodien wechselnde „Edge Of The World“ wächst dagegen kontinuierlich.

Insgesamt ein irgendwie seltsames Album: Durch die stilistische Vielfalt wirkt es zusammengestückelt, ein bisschen fehlt der Flow, gleichzeitig jedoch beeindruckt eben diese Vielfalt. Da das Material zum Großteil sehr stark ist, stört diese Tatsache auch nicht allzu sehr – mit einer Art Querschnitt durch das gesamte Schaffen der Band konnte man eh rechnen. Und so darf man „The Symbol Remains“ denn auch als wahrlich gelungenes Comeback bezeichnen: Großartige instrumentale und gesangliche Leistungen (viele Harmoniegesänge), jede Menge Hooklines und viel Abwechslung und zum Glück wenig Füllmaterial sollten letztlich jeden Blue Öyster Cult-Anhänger zufrieden stimmen.

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna