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Blue Öyster Cult: 45th Anniversary – Live In London

Grandiose Gesamtperformance des 1972er Debüts plus fünf Zugaben
keine Wertung
Genre: Classic Hard Rock
Spielzeit: 73:55
Release: 07.08.2020
Label: Frontiers Music s.r.l. (Soulfood)

Jahrelang standen Blue Öyster Cult ohne Plattenvertrag da, was natürlich eigentlich eine Schande ist, wenn man den legendären Status dieser Ausnahmeband bedenkt – irgendwie wurde die New Yorker Hard Rock-Legende verglichen mit ihren britischen Kollegen von Led Zeppelin, Deep Purple und Black Sabbath ungerechterweise aber immer schon ein bisschen stiefmütterlich behandelt, obwohl sich doch viele Künstler auf sie als Inspirationsquelle berufen. 2001 erschien das letzte Studioalbum „Curse Of The Hidden Mirror“, doch in ihrer vertragslosen Zeit danach saßen die Herren nicht untätig zu Hause herum, sondern tourten sich den Allerwertesten ab.

Nachdem sie inzwischen bei Frontiers Music gelandet sind, gibt es von diesen ausgiebigen Rundreisen nun die Nachlese, was eine wahre Veröffentlichungsflut in diesem Jahr zur Folge hat. Wegen COVID-19 dürfte 2020 als eher wenig erfreuliches Jahr in die Geschichte eingehen, BÖC-Fans können trotzdem ein Fest feiern: „45th Anniversary – Live In London“ ist nach „Hard Rock Live Cleveland 2014“, „Iheart Radio Theater NYC 2012“ sowie „40th Anniversary – Agents Of Fortune – Live 2016“ bereits das vierte 2020 veröffentlichte Livealbum des Cults. Hierbei handelt es sich um eine 2017er Komplettaufführung des selbstbetitelten Debütwerks, das 1972 das Licht der Welt erblickte.

Einen Uraltklassiker in Gänze aufzuführen, ist eh stets für Fans sehr reizvoll; in diesem Fall kommen selten live gespielte Stücke wie „Screams“, „Redeemed“ oder das düster-psychedelische „She’s As Beautiful As A Foot“ (dessen skurriler Songtitel zudem den kauzigen Humor der Band offenbart, der ebenfalls einen wichtigen Teil ihres Images ausmacht) auch mal zum Zug, während die Hard-Rock-Kracher „Cities On Flame With Rock And Roll“ und „Stairway To The Stars“, die epische Halbballade „Then Came The Last Days Of May“, das mit einem unwiderstehlichen, arschcoolen Jazzpart in der Mitte ausgestattete „Before The Kiss, A Redcap“ sowie das lässig groovende Hookline-Monster „Workshop Of The Telescopes“ bei der Truppe fast immer auf der Setlist standen und somit nur noch einmal unterstreichen, welch hochklassiges Material bereits auf dem Erstling zu Buche stand.

Auf der Bühne wird das Material selbstverständlich druckvoller als seinerzeit auf Konserve wiedergegeben, vor allem aber mit einer Leidenschaft und Spielfreude, dass jeder, der glaubt, da würden ja nur noch alte Säcke ihren Stiefel herunterspielen, seine Position gründlich überdenken muss (mal abgesehen davon, dass von der Urbesetzung sowieso nur noch Eric Bloom und Donald „Buck Dharma“ Roeser dabei sind). Insbesondere bei „Then Came The Last Days Of May“, das live schon immer gerne mit ausladenden Gitarrensoli versehen wurde, gehen Buck und Richie Castellano völlig aus sich heraus, wobei letzterer sogar minutenlang trotz gerissener Saite wie ein Besessener weiter soliert.  

Ebenso spielt Danny Miranda am Bass teils äußerst virtuose Läufe und bildet mit Jules Radino am Schlagzeug ein unfassbar tightes Rhythmusfundament und gesanglich liefern Buck und Bloom auch mit 70+ noch mindestens solide Kost ab. Alles in allem eine grandiose Performance, die die alten Klassiker in beeindruckender Manier zu neuem Leben erweckt. Da das Konzert, hätte man lediglich das Debütalbum aufgeführt, ein wenig kurz geraten wäre, kredenzen BÖC des Weiteren gleich fünf Zugaben, wobei „Godzilla“ (mit kleinem „Heartbreaker“-Zitat) und „(Don’t Fear) The Reaper“ da natürlich nicht fehlen dürfen, ebenso wie das fantastische Instrumental „Buck’s Boogie“.

Keine Frage: Selbst Fans, die schon alle drei anderen in diesem Jahr herausgebrachten Cult-Livealben abgegriffen haben, sollten hier zuschlagen. Der Gig wurde auch mitgefilmt, visuell lag uns die Promo jedoch leider nicht vor, die ausgekoppelten YouTube-Videos vorab lassen allerdings darauf schließen, dass dankenswerterweise bei Schnitt und Kameraführung nicht wie so oft bei Rock-DVDs Overkill betrieben wurde. Diese Band ist live nach wie vor eine absolute Macht und beweist eindrucksvoll, dass sie immer noch hungrig ist und Bock hat. Hoffentlich überträgt sich diese Energie auch auf das für einen Release im Oktober angepeilte, mit Spannung erwartete neue Studioalbum „The Symbol Remains“.

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