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Bloody Mary: We Rock You Suck

Großkotzigkeit par excellence
Wertung: 5.5/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 45:06
Release: 16.10.2009
Label: Eigenproduktion

Wer sein allererstes Album selbstbewusst "We Rock You Suck" betitelt und damit allen anderen Rockbands verbal eins vor den Latz knallt, sollte musikalisch einiges zu bieten haben. Das Cover der Platte zumindest ist schonmal ansprechend und wie wir alle wissen, verkaufen sich nackte Damen, die Gitarren präsentieren, immer relativ gut. Das französische Trio Bloody Mary hat den Mund allerdings ansonsten ein wenig zu voll genommen.

Zwar erwarten den Hörer zehn mehr oder weniger solide Südstaatenrocksongs, allerdings gibt es zahllose Bands, die wesentlich derber und vor allem sehr viel kreativer rocken als diese Jungs. Gitarrist und Sänger Pierre Fargetton, Bassist Manu Livertout und Drummer Damien Billy könnten optisch durchaus einer Girlie-Zeitschrift entsprungen sein und erinnern eher an Soft-Rocker á la Nickelback denn an Hardrocker.

Die typischen Southern Rock-Songs beherrschen die Herren zumindest: "Mary Go Round" liefert erdige Gitarren inklusive Siebziger Jahre-Soli, die deutlich zeigen, mit welcher Musik zumindest ein Drittel der Band großgeworden ist. Stücke wie "On My Own" oder "Love Is Like Addictive" erinnern stark an die Rock-Veteranen von ZZ Top und Lynyrd Skynyrd, nur ohne das vorherrschende Freiheitsgefühl, das sich beim Hören der genannten Bands in regelmäßigen Abständen breitmacht. Irgendwie scheinen Bloody Mary eine wichtige Lektion in Sachen Rock verpasst zu haben, nämlich das Übermitteln von Emotionen. Die Songs ziehen sich erst wie Kaugummi und dümpeln dann größtenteils relativ unspannend vor sich hin.

Eine erste gelungene Abwechslung bietet das von einem Basssolo eingeleitete „This Time Tomorrow“, bei dem Fargetton auch gesangsmäßig mehr aus sich herausgeht. Dass der Mann musikalisch eigentlich einiges auf dem Kasten hat, zeigt sein erstklassiges Gitarrensolo – nur schade, dass er nach diesem einen Song seine Munition komplett verschossen zu haben scheint; „Hollywood“ geht nämlich genauso uninspiriert zu Werke wie die meisten vorangegangen Stücke.

Erst bei „Restland“ scheint der Frontmann aus seiner Lethargie zu erwachen: Das ruhigste Stück des ganzen Albums stellt gleichzeitig das Glanzstück der Platte dar. Ein sehnsuchtsvolles Gitarrenintro bildet die Grundlage für ruhigen Gesang, der viel angenehmer ist und besser zur Stimmung der Platte passt als das vorherige gezwungene Gekrächze. Beim folgenden „Tequila“ ist die gerade aufkeimende Hoffnung allerdings schon wieder am Verdorren: Fargetton klingt wieder ähnlich unmotiviert wie zu Anfang und der Gedanke schleicht sich ein, dass er durchaus ein oder zwei Gläschen des von ihm besungenen Agavenschnapses hätte vertragen können.

Mit „Living It Large“ gelingt dem Trio hingegen ein genialer Song, der verheißungsvoll mit langsamen Gitarren starte und in einen großartigen, fast gruselig anmutenden Chorus mit treibenden Instrumentals übergeht. Wehmütig wird einem klar, dass das ganze Album so oder ähnlich gut hätte klingen können – wenn man nur wüsste, woran die Unmotiviertheit gelegen hatte.

Fazit: Bloody Mary haben mit ihrem Albumtitel definitiv zu viel versprochen. Trotz der musikalischen Unterstützung diverser Kollegen, unter anderem von Mnemic, Pussy Destroyers und Watcha, haben es die drei zugegebenermaßen noch recht jungen Musiker nicht geschafft, mehr als eine gerademal durchschnittliche Rockplatte zu fabrizieren. Mit den meistevorhersehbaren Gitarrenparts und dem auf weiten Strecken unmotivierten Gesang dürften Bloody Mary keinen Blumentopf gewinnen, geschweigedenn neue Fans.

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