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Bloodbound: Unholy Cross

Handwerklich perfekt, doch Innovation muss man mit der Lupe suchen
Wertung: 6.5/10
Genre: Melodic Power Metal
Spielzeit: 50:33
Release: 18.03.2011
Label: AFM Records

Bloodbound sind keine Unbekannten mehr, denn mit „Unholy Cross“ legen sie ihr viertes Studioalbum vor. Heimsten sie noch mit dem Vorgänger „Tabula Rasa“ fast durchgehend gute Kritiken ein, geriet dieses Unterfangen erst einmal in Gefahr, denn der zuvor schon einmal ausgeschiedene Urban Breed reichte seine Tanzkarte weiter und machte Platz für den neuen Frontmann Patrik Johansson von Dawn Of Silence.

Auf „Unholy Cross“ wollten Bloodbound wieder mehr hochmelodischen Metal spielen und so die beim Vorgänger etwas ruppigere Gangart einstampfen. Nun, dass ist ihnen auch glatt gelungen, denn an allen Ecken und Enden blitzen die melodischen Versatzstücke auf.

Nun haftet ja dem Metier Melodic Metal das Etikett der mangelnden Weiterentwicklung an, und auch Bloodbound haben es nicht geschafft, neue Pfade der Spielkunst aufzuzeigen. Gefällig und melodisch ist es allemal, aber ständig überkommt einen der Eindruck, dass alles schon einst da gewesen ist. Und nicht nur einmal hat man unterdessen sogar schon Referenzwerke auf der Festplatte im Oberstübchen abgespeichert.

Da nehme man doch gleich mal den Opener „Moria“. Mit episch heroischem Gebrumme wird gleich die Hochseestimmung eingeleitet und nicht die bei diesem Titel fast erwartete bedrohliche Tolkien-Stimmung, bevor dann mit sauberem, aber unspektakulärem Riffing ein hymnischer Midtempotrack zum Pommesgabelschwingen einlädt. Als großes Manko muss konsterniert festgestellt werden, dass auch die Nachbarn von Dream Evil eigentlich genauso klingen, nur die Stimme vom Neufronter Patrik kratzt ein Quentchen mehr im Kehlzäpfchen und weist verdammte Parallelen zu Helloween Anfang der Neunziger auf.

Viel deutlicher wird die aufgezeigte Helloween-Inspiration bei „Together We Fight“. Leck mich fett, wenn der Refrain nicht eine leicht verfremdete Version aus der „Copy and Paste“-Handelskette ist, dann spielen Hammerfall und Konsorten ab sofort nur noch Thrash Metal. Dabei ist „Together We Fight“ ein richtig fieser Ohrwurm – man summt schnell mit, wippt mit den Füßen und auch der Oberkörper zuckt von rechts nach links. Ein starkes Gitarrensolo, sehr catchy Vocals und fertig ist ein Schwedenhappen, der Frauenherzen im Nu einsacken wird.

Noch dreister wird es aber beim anschließenden „The Dark Side Of Life“ – mehr Helloween ist ja schon in Helloween nicht mehr drin. Da müsste man doch glatt die Frage stellen, ob die deutschen Power Metaller einen Song spendierten, oder ob sich das kopieren der Kopie, der eigentlichen Kopie, auch lohnt. Bitte nicht falsch verstehen, auch dieser Track ist enorm catchy, handwerklich einwandfrei und auch hier kann die Gitarre mit einem stimmungsvollen Solo punkten, doch kopiert bleibt kopiert.

Mit reichlich Bombast wurde „Drop The Bomb“ angereichert und Patrik kann ebenso hier mit seiner perfekten Stimme gerade im höher gepitchten Refrain ordentlich Punkte sammeln. Da haben sich Bloodbound aber auch ein Goldkehlchen einfangen können. So stampft „Drop The Bomb“ mit mächtig Eier im Midtempo daher und gerade die etwas tiefer liegenden Gitarren rammen gehörig ins Gemächt.

Kaum legen Bloodbound mit „No Holy Man“ einmal etwas mehr Tempo vor, da wird auch schon wieder die Handbremse gezogen. Zum Glück greift die aber nicht wirklich, denn immer wieder blitzen astreine Riffs auf, die spätesten im Refrain richtig zackig voranpreschen.

Ein Fazit fällt hier richtig schwer. Warum? Handwerklich ist ja alles im grünen Bereich, jederzeit hochmelodisch und mitsingbar und auch die neue Stimme Patrik fügt sich perfekt ein. Doch mehr als einmal kommen Zweifel auf, ob sie denn nicht ein wenig zu viel vom fremden Kuchen naschen. Da wären zum einen die Nachbarn von Dream Evil, dort etwas mehr teutonische Helloween, ordentlich Hammerfall-Bombast dazu und fertig ist eine Rezeptmischung, die zwar immer wieder aufgeht, aber trotzdem kein einziges Mal einen Deut Entwicklung erkennen lässt. Fans oben genannter Bands werden selbstverständlich richtig viel Spaß an „Unholy Cross“ haben, doch auf Innovation müssen sie wieder einmal verzichten.

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