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Bliss: 3 Seconds Before + 21 Grams After

Netter Alternative Rock aus Frankreich
Wertung: 6.5/10
Genre: Alternative Rock
Spielzeit: 38:26
Release: 26.02.2010
Label: Hellfest Records/Rough Trade

Frankreich ist für vieles bekannt: für gutes Essen, für guten Wein, für sichere Autos, für den Eiffelturm. Für guten Alternative-Rock bisher noch nicht. Bliss treten an, diesen Missstand schleunigst zu beheben: In typischer Powertrio-Besetzung mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang legen die Musiker ihren Erstling mit dem gleichermaßen rätselhaften wie hitparadenfeindlichen Titel „3 Seconds Before + 21 Grams After“ vor. Das Hochglanzfoto auf dem Cover, der charakteristische Schriftzug und das (Eiffel-)Turm-Logo lassen auf ziemlich moderne Rocksounds schließen und siehe da: Genau die bieten Bliss dann auch dar.

Allerdings nicht direkt, denn zuerst muss man das obligatorische Katastrophenintro, zusammengeschnipselt aus Nachrichtensprechern und verzerrten Kommandobefehlen über sich ergehen lassen. Nach diesen ersten, überflüssigen 26 Sekunden gibt „Try To Live“ aber deutlich die Marschrichtung vor: Kompromissloser Heavy Rock, zusammengerührt aus fetten Gitarren mit Metalanleihen, echten Ohrwurmmelodien und stellenweise mehrstimmigem Gesang.

Die Stimme von Frontmann Tom erinnert zunächst leicht an Brian Molko von Placebo, wendet sich aber mit der Zeit wesentlich raueren Tönen zu; in „Fake Hero“ schließlich kommt einem eher Arnim von den Beatsteaks in den Sinn. Auffällig ist auch der leichte bis mittelschwere französische Akzent, der für die ein oder andere seltsame Betonung sorgt, gleichzeitig aber auch Wiedererkennungswert in sich trägt. Wirklich störend wird er nur selten; ganz ignorieren kann man ihn aber auch nicht. Auf Dauer ist Toms Organ aber sowieso Geschmackssache; auf mich wirkt es nach einiger Zeit doch leicht nervig.

Die Instrumentalfraktion setzt vor allem auf dynamisches Wechselspiel zwischen Strophen und Refrains; gut zu beobachten im Song „Perfect Time“, der dem typischen Post-Grunge-Songschema folgt: Cleane Gitarren und ruhiger Gesang in den Strophen, Verzerrung und emotionaler, mehrstimmiger Gesang in den Refrains. Apropos Verzerrung: In deren Härtegrad gehen Bliss meist keine Kompromisse ein, sodass einem nicht selten eine regelrechte Breitwand entgegenschlägt. Für genügend Schalldruck in teils epischen Dimensionen ist also ausreichend gesorgt, trotzdem schielt das Trio immer auch mit einem Auge Richtung Pop.

Leider bleibt auf Albumlänge etwas die Abwechslung auf der Strecke, denn Bliss verlassen sich ziemlich auf ihr Patentrezept „leise-laut-brachial“. Das ist anfangs noch nett anzuhören, aber für 12 Songs am Stück eindeutig zuviel. Irgendwann reißen einen dann nur noch die Melodien, die Bliss ohne Zweifel schreiben können, aus dem Kopfnicker-Koma: „Try To Live“, „Tantalus Child“ oder „Thorn In My Side“ haben alle das Potential, sich längerfristig im Gehörgang festzubeißen. Unterm Strich bieten die drei Franzosen somit energetischen Heavy Rock, der sicherlich auch hierzulande Liebhaber finden könnte.

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