Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Blind Guardian: Memories Of A Time To Come

Mehr als nur ein simples Best-of
keine Wertung
Genre: Power Metal / Progressive Metal
Spielzeit: 176:28
Release: 20.01.2012
Label: EMI

Blind Guardian sind immer schon eine Band gewesen, die ihren Fans etwas bieten wollte; wo andere kleckern, wird bei den Krefeldern geklotzt – und wenn es sich wie in diesem Fall dabei „nur“ um ein Best-of handelt. „Memories Of A Time To Come“ ist ganz klar mehr als bloß eine lieblose Zusammenstellung von ein paar Hits, hier wurde richtig Aufwand betrieben, um nicht nur Neueinsteigern einen Kaufanreiz zu bieten.

Im Vorfeld wurde das Doppel- beziehungsweise Triple-CD-Set ja schon kräftig promotet, vor allem mittels „Guardian TV“ auf dem YouTube-Kanal der Band, wo Fans via Facebook Fragen an die Jungs stellen konnten, die diese dann in ihrer typisch sympathischen Art beantworteten. Allein rein optisch allerdings macht das allererste offizielle Guardian-Best-of etwas her, es handelt sich um ein fettes Digipak mit Band-typischem Cover, das Booklet beinhaltet jede Menge Fotos von damals und heute sowie ausführliche Linernotes zu jedem einzelnen Stück – das allein dürfte schon auch für Fans, die bereits alle Alben im Regal stehen haben, ausreichen, um sich diese Compilation trotzdem zu kaufen.

Jedoch wurde sich ja auch die Mühe gemacht und jeder Track (abgesehen von „Sacred Worlds“) geremixt, was zu einem – gerade verglichen mit den Originalen der besonders alten Songs – eindeutig differenzierterem und klarerem Klangbild geführt hat. Der ein oder andere wird davon sprechen, dass der Charme der Originale dabei ein wenig verloren gegangen ist, doch insgesamt wurde hier gute Arbeit geleistet und der Sound weitestgehend einfach verbessert, ohne die alten Recordings zu verfälschen.

Vier der 16 ausgewählten Stücke auf den ersten beiden CDs wurden sogar neu aufgenommen. Ich persönlich bin mal überhaupt kein Freund von so etwas, doch da Blind Guardian inzwischen doch deutlich bombastischer und orchestraler tönen als noch vor 15 Jahren, ist es sicherlich legitim und auch mal ganz interessant, Klassiker im neuen Gewand vorgesetzt zu bekommen. Entsprechend anders sind die Neuversionen denn auch ausgefallen; besonders „The Bard’s Song (The Hobbit)“ wurde mit zahlreichen Orchestereinschüben verziert und auch dessen Schwestersong „The Bard’s Song (In The Forest)“, sowie „Valhalla“, für dessen Neueinspielung man wie damals erneut die deutsche Metal-Ikone Kai Hansen als Gastsänger gewinnen konnte, klingen weitaus pompöser und natürlich wird gerade auf diese Weise, beim Vergleich zwischen alter und neuer Fassung, deutlich, dass die Band inzwischen spieltechnisch in einer ganz anderen Liga agiert.

Am interessantesten ist wohl die neue Version von „And Then There Was Silence“; auf „A Night At The Opera“ waren Blind Guardian ja auf einem Bombastlevel angekommen, der kaum noch höher geschraubt werden konnte, und laut Hansi Kürsch merkte man gerade, wenn man den Song live spielte, dass die gezwungenermaßen abgespecktere Variante dieses Epos’ vielleicht sogar eine stärkere Wirkung habe als die Studioversion. Natürlich sind auch bei der 2011er Aufnahme jede Menge Chöre zu hören, aber es sind ganz klar weitaus weniger Gesangsspuren als damals verwendet worden. Eine hörenswerte und etwas Gitarren-orientiertere Alternative bietet das Re-Recording dieses knapp viertelstündigen Meisterwerks daher in jedem Fall.

In der limitierten Auflage (die der Redaktion erfreulicherweise als Promo-Exemplar vorliegt) gibt es dann noch eine dritte CD mit leicht aufpolierten Demos aus Lucifer’s Heritage-Tagen. Würden echte Fans nicht ohnehin immer limitierte Editionen kaufen, müsste man an dieser Stelle erwähnen, dass der Fan wegen dieses besonderen Bonbons unbedingt auch hier auf diese Variante zurückgreifen müsste. Das, was Olbrich, Kürsch und Co. damals fabrizierten, war zwar logischerweise noch nicht so ausgereift wie später, hatte songschreiberisch aber durchaus schon Hand und Fuß. 

Man kann für „Memories Of A Time To Come“ wirklich nur eine klare Kaufempfehlung aussprechen, auch für alle, die schon im Besitz des gesamten Backkatalogs sind. Dieses Best-of ist ein echtes Schmuckstück, mehr Mühe kann man sich bei einer Greatest-Hits-Compilation wirklich nicht geben. Der einzige Kritikpunkt könnte sein, dass einfach noch viel zu viele andere geile Songs fehlen – „Banish From Sanctuary“, „Welcome To Dying“, „Born In A Mourning Hall“, „Into The Storm“ oder „Battlefield“, um nur mal einige zu nennen. Aber bei dem unglaublichen Hitfundus dieser Band fällt die Auswahl eben schwer (Blind Guardian selbst haben schon betont, dass es alles andere als leicht war) und es greift der alte Spruch, dass man es nicht jedem recht machen kann.

comments powered by Disqus

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging

Trotz eher kurzem Set des Headliners ein schöner Konzertabend