Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Blind Guardian: Beyond The Red Mirror

Bombastisch, progressiv und nahe an der Perfektion
Wertung: 9,5/10
Genre: Symphonic Progressive Metal
Spielzeit: 65:20
Release: 30.01.2015
Label: Nuclear Blast Records

Blind Guardian sind nicht umsonst als sehr gute Geschichtenerzähler bekannt, die schon einige gute Konzeptalben komponiert haben. Natürlich ist die Musik an sich schon verdammt stark, der Bekanntheitsgrad der Band kommt schließlich nicht von ungefähr, taucht man aber in die magischen Fantasywelten ein, die die Metal-Urgesteine mit ihren Texten erschaffen, erschließt man bisweilen nochmal eine komplett neue Ebene. Ähnlich verhält es sich auch mit dem neuen Werk der Krefelder. „Beyond The Red Mirror“ baut storytechnisch auf dem 1995er Werk „Imaginations From The Otherside“ auf. Nicht nur zwischen den Alben selbst, auch zwischen den auf ihnen erzählten Geschichten liegt eine ziemlich lange Zeit. So haben sich die beiden auf „Imaginations From The Otherside“ beschriebenen Welten dramatisch zum schlechteren entwickelt und sind auf dem neuesten Werk der vier Musiker nur noch durch eine einzige Pforte verbunden, die es dementsprechend unbedingt zu finden gilt. Der Story im Hintergrund zum Trotz steht aber letztendlich die Musik im Vordergrund. Denn die hat es in sich.

Insgesamt drei Chöre und zwei 90-Mann-Orchester haben auf „Beyond The Red Mirror“ mitgewirkt. Die Frage, wofür all diese Musiker gebraucht wurden, ist schnell beantwortet. Genauer gesagt bereits mit dem Opener „The Ninth Wave“. Mit über neun Minuten Spielzeit, einem soundtrackähnlichen Beginn a la "Two Steps From Hell", einem ausufernden Solo und sogar ein paar Synthesizerklängen, bildet dieser eine interessante, abwechslungsreiche, vor allem aber epische Einleitung in das neue Album.

Die kommenden Nummern fallen dann allerdings auch wieder etwas kürzer aus. Außerdem kehrt der Stil hier wieder mehr ins altbekannte Blind Guardian-Schema zurück. Beim bereits als Single veröffentlichten und hier besprochenen „Twilight Of The Gods“ zum Beispiel, oder beim sowohl in der Gitarrenarbeit als auch im Gesang mit grandiosen Melodieläufen versehenen „The Throne“, wobei auch bei diesen Songs deutlich wird, dass das Quartett - beziehungsweise seit kurzem wieder Quintett - schon lange in die Prog-Richtung abgebogen ist und sich dort auch pudelwohl fühlt. Mit den genialen Refrains als Aufhänger finden sich auf dem Zehntling der Band kaum Wiederholungen, stattdessen eine ganze Menge komplexer Arrangements.

Insgesamt fällt der Neuling des Quartetts etwas härter als seine direkten Vorgänger aus. Verdammt kraftvoll drückt der Sound aus den Boxen und eine echte Verschnaufpause gibt es mit der ersten und einzigen Ballade „Miracle Machine“ erst, wenn man schon fast am Ende ist. Diese Pause braucht man aber auch, bereitet sie doch gut auf den zweiten und letzten Neunminüter vor, der zwar etwas ruhiger als der Opener daherkommt, diesem an Epik aber in nichts nachsteht, sich kontinuierlich steigert und der Platte schlussendlich mit einem grandiosen Finale die Krone aufsetzt.

Wie im Promozettel versprochen, verpassen es die Krefelder auf ihrem neuesten Werk nicht, neue Elemente in ihren Sound zu integrieren. Das ganze geschieht, vom in Online-Foren bereits heftig kritisierten Opener abgesehen, aber in einem durchaus moderaten Umfang, der das Songwriting interessant hält, ohne den charakteristischen Bandsound stark zu verfälschen. Und ganz im Ernst, sollte sich eine Band nicht stetig neu erfinden und weiterentwickeln anstatt einfach nur einen erfolgreichen Sound zu reproduzieren? Zumindest von Blind Guardian gibt es auf diese Frage mit „Beyond The Red Mirror“ ein deutliches „Ja“ als Antwort.

Alles in allem ist das neueste Werk aus dem Hause Blind Guardian also wieder einmal ein wirklich starkes Album geworden, das frisch, vergleichsweise hart und kraftvoll klingt und als ganzes eine spezielle, fast schon magische Atmosphäre kreiert. „Beyond The Red Mirror“ hat großartige Melodieläufe, epische Refrains und mehr als nur eine Prise Bombast, alles verpackt in einem frischen, abwechslungsreichen Gewand. Vielleicht ist es ein bisschen früh dafür, aber „Beyond The Red Mirror“ könnte und wird sich vermutlich auch als eines der stärksten Alben dieses Jahres herausstellen. Denn auch wenn nicht absolut alles hundertprodenzig zündet, all zu weit von der Perfektion ist der Zehntling nicht entfernt.

comments powered by Disqus

„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“

Auf dass der Schweiß von der Decke tropft

Vigilance, Erazor & Spiker im Konzert (Essen, Oktober 2017)

„Bisschen Bier, bisschen Headbangen, bisschen Metal“

Insgesamt gelungener Tourauftakt im verregneten Hamburg

Würdiges Jubiläum im Lünener Lükaz