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Blind Guardian: At The Edge Of Time

Schon jetzt eines der musikalischen Highlights des Jahres
Wertung: 9.5/10
Genre: Power Metal, Progressive Metal
Spielzeit: 63:55
Release: 30.07.2010
Label: Nuclear Blast

Unglaublich, aber wahr: „At The Edge Of Time“ ist tatsächlich das allererste Blind Guardian-Album, das innerhalb des geplanten Zeitraums fertig geworden ist (mehr dazu im demnächst erscheinenden Interview mit Marcus Siepen bei uns) – und das, obwohl man doch gerade bei dieser Scheibe einen Aufwand wie noch nie betrieb: Ein 90-köpfiges tschechisches Orchester unterstützt die Krefelder bei etlichen Stücken, Stepptänzer wurden verpflichtet und sogar ein ganzer Kirchenchor, dazu gesellen sich wie bei Blind Guardian nicht unüblich natürlich noch Folkinstrumente wie Dudelsack und Flöten.

In einigen Videoschnipseln, die das Quartett auf seinem YouTube-Kanal hochlud, konnte man bereits ein paar Einblicke in die Studioarbeit bekommen und so mancher, der das gesehen hat, erwartete von „At The Edge Of Time“ sicherlich ein Bombast-Feuerwerk, das möglicherweise sogar „A Night At The Opera“ übertreffen könnte.

Der Opener „Sacred Worlds“, der in abgespeckter Version – sprich ohne Orchester, lediglich mit Keyboard-Unterstützung versehen – schon vorher zu hören war, da er im Computerspiel „Sacred 2“ auftaucht, ist mit dem orchestralen Bombast und dem beinahe schon majestätischen Chorus gleich so ein Stück, von dem man sagen könnte, dass es durchaus auch auf „A Night At The Opera“ gepasst hätte. Gleichzeitig zeigt sich aber auch sofort, dass die Band in puncto Orchester nichts dem Zufall überlassen hat. Band und Orchester ergänzen sich bestens und spielen nicht nur nebeneinander her, so wie es bei ähnlichen Projekten in der Vergangenheit des öfteren der Fall war, sondern miteinander – hier ist alles durchdacht.

Ein exzellenter und sehr beeindruckender Beginn, auf den mit „Tanelorn (Into The Void)“ ein wesentlich schnellerer und härterer Track folgt, der nicht nur wegen seines Titels Erinnerungen an „Somewhere Far Beyond“-Zeiten weckt. Danach steht mit „Road Of No Release“ wieder ein getragener Song im Midtempo zu Buche, der mit ruhigem Klavierintro beginnt, um sich zu einer sehr progressiven und verspielten Nummer, die wiederum mit einem herrlichen, melancholischen Refrain gekrönt wurde, zu entwickeln – großes Kino!

Die Ahnung, die angesichts dieser ersten drei so unterschiedlichen Stücke aufkeimt, Hansi und Co. würden hier den berühmten Schritt vor und gleichzeitig auch zurückgehen, somit also ein Album präsentieren, das als eine Art Querschnitt durch die gesamte Discographie angesehen werden kann, soll sich im weiteren Verlauf der Scheibe bestätigen – bei weiterhin unfassbar hohem Songwriting-Niveau, versteht sich. So steht „Curse My Name“ ganz in der Tradition folkiger, akustisch angehauchter Guardian-Songs à la „A Past And Future Secret“ oder „The Bard’s Song“, wobei das Ganze etwas bombastischer daherkommt – hier erklingen dementsprechend auch Flöten und Violine und im sich steigernden Part in der Mitte und am Ende kommen die Stepptänzer zum Einsatz.

„Ride Into Obsession“ und das schon als Single ausgekoppelte „A Voice In The Dark“ hauen dagegen wieder ganz eindeutig in die Speed-Kerbe und dürften jeden, der mit „A Night At The Opera“ oder vielleicht auch „A Twist In The Myth“ nicht so richtig klar kam, lauthals jubeln lassen. Besonders „A Voice In The Dark“ knallt gleich zu Anfang mit seinem markanten Riff amtlich und streift sogar den Thrash-Bereich.

Für meine Begriffe die absoluten Highlights stellen aber das wieder Midtempo-lastigere „Valkyries“ mit seinem selbst für die hohen Guardian-Verhältnisse herausragenden Chorus und das finale „Wheel Of Time“ dar. Mit letzterem betreten die Jungs mehr oder weniger Neuland – ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, schon einmal so orientalische Klänge von ihnen gehört zu haben. Das Ganze passt allerdings hervorragend und einmal mehr wird hier das Orchester in exquisiter Manier gefeaturet und es kommt Soundtrack-Feeling auf – ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass es bislang kaum eine Metalband geschafft hat, so überzeugend mit einem Orchester zusammenzuspielen – Gänsehaut ist in jedem Fall garantiert.

Die neben Helloween wohl bekannteste deutsche Metalband hat mit „At The Edge Of Time“ erneuert ein glänzendes Album veröffentlicht, dessen Material jeden Fan zufriedenstellen sollte, sei er nun eher Anhänger der alten oder der neueren Blind Guardian. Die Songs sind allesamt sehr unterschiedlich und in sich sehr abwechslungsreich, dennoch hat man zu keiner Sekunde das Gefühl, hier wurden die Tracks zwanghaft aneinandergereiht, im Gegenteil, alles klingt wie aus einem Guss; das sehr dynamische, unheimlich vielfältige „Control The Divine“ leitet mittels Piano sogar direkt in die von Orchester und Akustikgitarren getragene, schwelgerische Ballade „War Of The Thrones“ über. Doch auch die warme und natürliche Produktion hat sicher einen Anteil an der Homogenität der Platte; wo andere triggern und alles digital nachbearbeiten, legen Blind Guardian Wert auf einen erdigen und unverfälschten Sound.

Die aufwendige Arbeit mit dem Orchester hat sich gelohnt, die Musik ist entsprechend facettenreich und komplex, es gibt mit jedem Hördurchgang etwas Neues zu entdecken, und doch ist die Scheibe dank vieler eingängiger Refrains weniger sperrig als es die vorigen in den Augen beziehungsweise Ohren mancher vielleicht waren – „At The Edge Of Time“ ist mit Sicherheit schon jetzt unter den Top drei des Jahres 2010.

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