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Blind Guardian: A Twist In The Myth

Gönnt dem Album ein paar Durchläufe, um seine ganze Genialität frei zu setzen
Wertung: 10/10
Genre: Symphonic Progressive Metal
Spielzeit: 51:52
Release: 01.09.2006
Label: Nuclear Blast

Man mag kaum glauben, dass es nun wirklich so weit ist. Vier lange Jahre mussten sich die Blind Guardian - Fans gedulden, um endlich wieder ein neues Studioalbum ihrer Band in den Händen halten zu können. Am 1. September ist die Zeit reif für das mittlerweile achte Studioalbum “A Twist In The Myth”, das ohne Zweifel zu den besten Metal -Veröffentlichungen des Jahres 2006 zu zählen ist.

Doch machen wir zunächst einen kurzen Abstecher in das turbulente Jahr 2002. In diesem veröffentlichten Blind Guardian mit “A Night At The Opera” ein Album, welches, wie kaum ein zweites, eine Fangemeinschaft spaltete. “ANATO” lebte von seiner Sperrigkeit, seiner Progressivität und seiner Komplexität, wie man sie vorher noch nie auf einem Blind Guardian - Album zu hören bekam. Während die einen - zu denen ich mich bekennen möchte - es liebten, sich intensiv mit dieser Platte auseinander zu setzen, waren andere mit dem vorherrschenden Detailreichtum, welcher sich z.B. in wirren Keyboardfragmenten und nur schwer erfassbaren Chorpassagen äußerte, einfach überfordert und wünschten sich nichts sehnlicher als eine Rückkehr zur Eingängigkeit und zu klaren Songstrukturen.

Als die “A Night At The Opera” - Gegner Ende Februar die erste Singleauskopplung “Fly” zu hören bekamen, schlugen sie sofort Alarm und wieder gab es sehr negative Resonanzen seitens dieser, da sie von einer Weiterentwicklung oder einer Rückkehr zu alten Tagen nichts erkennen konnten. Vielmehr war “Fly” ein Song, der es in seiner Form problemlos auf das Vorgängeralbum geschafft hätte.

Nachdem das neue mit großer Spannung erwartete Album “A Twist In The Myth” nun einige Zeit in meinem CD - Player rotiert, kann ich alle Kritiker besänftigen und beruhigen, denn “Fly” ist auf keinen Fall repräsentativ für das neue wirklich großartige Album. “Fly” ist und bleibt ein schwieriger, uneingängiger Song, in den man sich hinein hören muss, bevor er seine ganze Grandiosität preisgibt. So extrem sperrig ist allerdings kein anderer Song auf “A Twist In The Myth”, denn Blind Guardian scheinen tatsächlich den Weg zurück zur Eingängigkeit und zu klaren Songstrukturen gefunden zu haben. Natürlich braucht auch das neue Blind Guardian - Album seine 4 - 5 Durchläufe, um richtig zünden zu wollen, aber dann bekommt man die neuen starken Songs kaum noch aus dem Ohr, denn sie zeugen von erhabenen Refrains und Melodien.

“A Twist In The Myth” ist das bislang abwechslungsreichste Album der Band geworden und hier jagt wirklich ein Knaller den anderen. Der starke Opener “This Will Never End” ist ein treibender Song, der von harten Riffs und einem epischen Refrain dominiert wird. Er erinnert von seiner Härte und seiner düsteren Atmosphäre teilweise an “Imaginations From The Other Side” - Zeiten, denn so rifforientiert hat sich die Band seit diesem Album nicht mehr gezeigt. In eine ähnliche Richtung geht auch “Another Stranger Me”, zu welchem ein sehr gutes Video gedreht wurde. Zunächst wirkt der Song zwar etwas ungewohnt, aber je öfter man ihn hört, desto erstaunlicher ist er. Ganz anders sind das bereits bekannte “Skalds & Shadows” und “Turn The Page”, die über eine derartige Leichtigkeit verfügen, dass es wirklich ansteckend ist. Es sind Songs, die vor allem den alten Fans der Band gefallen werden, denn hier kommt wirklich Fantasy - Flair auf und Blind Guardian zeigen, dass sie immer noch in der Lage sind ihre Fans in fremde verträumte Welten zu entführen.

“Straight Through The Mirror”, “Lionheart” und das finale “The New Order” sind typische Blind Guardian - Nummern, die ihr Ziel mit Sicherheit nicht verfehlen und die Herzen der Fans im Sturm erobern werden.

Wenn es überhaupt noch einen Song geben sollte, der wirkliche Erinnerungen an die “A Night At The Opera” weckt, dann ist dies “The Edge”, auch wenn dieser Song wiederum nicht so komplex ist, wie das in meinen Augen großartige, aber anstrengende “Fly”. “The Edge” beginnt mit einem starken Intro und entwickelt sich mit laufender Spielzeit immer weiter. Durch die treibenden Drums wird auch schnell klar, warum dieser der Lieblingssong von Neu - Drummer Frederik Ehmke, der einen fantastischen Job macht, ist. “The Edge” ist vielleicht von den Melodien gesehen nicht der stärkste Song auf “A Twist In The Myth”, aber andere Bands würden einiges dafür geben, um überhaupt solche Songs schreiben zu können, das darf man nicht vergessen.

Das absolute Highlight der Platte habe ich euch allerdings bislang verschwiegen. Dieses ist beim unglaublichen “Otherland”, einem der besten Blind Guardian - Songs überhaupt, zu finden. “Otherland” vereint alles, was “A Twist In The Myth” ausmacht und durch die mitreißende Bridge und den hymnischen Refrain, ist er der Song mit dem vielleicht größten Hit - Potential. Bei diesem Über - Song wird mit Sicherheit kein Fan ruhig sitzen bleiben können.

Fazit: Mit “A Twist In The Myth” schlagen Blind Guardian famos zurück und werden sicherlich viele der Fans zurückgewinnen können, die nach “A Night At The Opera” sehr enttäuscht waren. Gönnt dem Album ein paar Durchläufe, denn auch wenn es nicht mehr so progressiv ist wie der Vorgänger, benötigt es diese, um seine ganze Genialität frei zu setzen. Lasst euch verzaubern.

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