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Blind Guardian: A Traveler's Guide To Space And Time

Für Die-Hard-Maniacs ein Muss
keine Wertung
Genre: Power/Speed Metal
Spielzeit: 835:00
Release: 01.02.2013
Label: Virgin (EMI)

Über Sinn und Unsinn von Compilations, Best-Ofs und Wiederveröffentlichungen kann man immer wieder streiten und auch im Falle der vorliegenden, 15 CDs umfassenden Blind Guardian-Megabox „A Traveler’s Guide To Space And Time“ werden die Meinungen, ob man diese Kollektion braucht oder nicht, sicherlich auseinandergehen. Unstrittig dürfte allerdings sein, dass diese, auf lediglich 8000 Stück limitierte Box optisch wirklich etwas hermacht, und man glaubt es Guardian-Fronter Hansi Kürsch aufs Wort, wenn er sagt, dass viel Herzblut darin steckt. Das Ganze ist im Stile einer Vinyl-Box designt, hebt man jedoch den Deckel ab, befinden sich darin, in Schaumstoff eingebettet, in vier Vertiefungen die 15 Silberlinge, im Digipak-Stil aufgemacht, jeweils lediglich mit Personalinformationen versehen, leider jedoch ohne abgedruckte Texte. Zusätzlich findet sich ein in der Größe der Box gehaltenes Booklet, in dem jede Menge, teils rarer Fotos enthalten sind, die das ein oder andere Schmunzeln entlocken, zumindest, wenn man sich die alten Bilder anguckt, auf denen die Musiker mit teils entsetzlichen Frisuren zu sehen sind. Als weitere Gimmicks gibt es einen hübschen, nummerierten Kunstdruck (ebenfalls in Boxgröße, versteht sich) sowie ein Blind-Guardian-Gitarrenplektrum.

Das Wichtigste ist und bleibt – bei aller Augenschmeichelei – natürlich stets die Musik. Wie angekündigt, wurden alle Alben der Virgin-Ära bis einschließlich „A Night At The Opera“ remastert und in den meisten Fällen sogar neu abgemischt. Die beiden Auftaktwerke „Battalions Of Fear“ und „Follow The Blind“ wurden erst vor wenigen Jahren mit neuem Mix wiederaufgelegt, weswegen man sich dies hier sparte und lediglich noch einmal remasterte. Letzteres gilt auch für das Livealbum „Tokyo Tales“ (mit extra neu angefertigtem Coverartwork), die Cover-und-Alternative-Versionen-CD „The Forgotten Tales“, die Demo-Scheibe „An Extraordinary Tale“ (die ersten fünf Tracks sind mit den Bonusstücken der 2007er Neuauflage von „Battalions Of Fear“ identisch) sowie die beiden „Imaginations Through The Looking Glass“-Rundlinge, die zum ersten Mal überhaupt auf CD erhältlich sind. Ob man fast neun Jahre nach dem legendären Festivalauftritt in Coburg nun tatsächlich noch eine CD-Version davon braucht, sei dahingestellt, Komplettisten jedoch werden sich auf jeden Fall freuen.

Sämtliche anderen Studiolangrillen – auf die inhaltlich jetzt nicht näher eingegangen wird, die dürften schließlich jedem Anhänger der Krefelder bekannt sein – wurden hingegen mit einem brandneuen Mix versehen. Hansi argumentierte, dass es nun möglich sei, praktisch alle Alben am Stück hören zu können, ohne lautstärkemäßig nachjustieren zu müssen. Das stimmt zwar, dennoch wird es mit Sicherheit Fans geben, die es als Sünde empfinden, dass sich an Heiligtümern wie „Imaginations From The Other Side“, „Somewhere Far Beyond“ oder „Nightfall In Middle-Earth“ vergriffen wurde – im Gegensatz zu einem digitalen Remastering hört man bei einem neuen Mix schließlich sehr deutliche Unterschiede. Es ist ohne Zweifel eine Sache des Geschmacks beziehungsweise der Gewöhnung. Ohne so weit gehen zu wollen zu behaupten, die alten Alben hörten sich vom Sound her altbacken an, klingt das Ganze nun schon frischer, fetter und klarer – das wird besonders bei „Somewhere Far Beyond“ und „Tales From The Twilight World“ deutlich.

Soundmäßig ist der Unterschied beim für viele besten Album „Imaginations From The Other Side“ dagegen nicht ganz so auffällig, dafür gibt es bei „The Script For My Requiem“ ein Klavieroutro, das in der Originalfassung nicht vorhanden war, sich allerdings sehr gut einfügt. Bei „Nightfall In Middle-Earth“ sind dann wohl die wenigsten Abweichungen festzustellen. Insgesamt hört sich die Scheibe in der 2012er Abmischung vielleicht einen kleinen Tick dynamischer an, während beim nicht umstrittenen „A Night At The Opera“, das für viele einfach zu viel Bombast beinhaltete (für den Verfasser ist es die beste BG-Platte), hin und wieder ein paar Nuancen herauszuhören sind, die man vorher nicht wahrnahm – wie beispielsweise die zweite Harmoniegitarre am Anfang von „Battlefield“. 

Es klingt immer blöd, wenn man sagt „Es muss jeder selber wissen, ob er das braucht oder nicht“, aber in diesem Fall kann man kaum etwas anderes konstatieren. Die neuen Versionen bieten in jedem Fall interessante und wertige Alternativen – apropos Alternativen: Eine solche stellt auch die Special-Edition von „Nightfall In Middle-Earth“ ohne Zwischenstücke dar. Angeblich soll es tatsächlich Fans geben, die sich von diesen Interludes gestört fühlten (wie immer das sein kann, gehören diese doch eigentlich zum Konzept dazu) – diese dürfen sich nun über eine reine Song-Version dieses Klassikers freuen. Nun ja, ein ganz netter Einfall, den aber wahrscheinlich nur die wenigsten wirklich gebraucht hätten.

So oder so kommen Die-Hard-Fans letztlich nicht um den Erwerb von „A Traveler’s Guide To Space And Time“ herum – auch wenn es keine bislang unveröffentlichten Stücke darauf gibt. Da das Teil wie eingangs erwähnt auf 8000 Stück limitiert ist, werden allerdings ohnehin hauptsächlich die absoluten Maniacs angesprochen; dass das Sammlerherz bei diesem wunderschön aufgemachten Produkt, das sich prächtig als Blickfang im heimischen CD-Regal/-Schrank macht, vor Freude glucksen wird, steht außer Frage. Von Abzocke verbietet es sich zu sprechen, denn das Abmischen mehrerer Alben sowie die aufwendige Gesamtgestaltung müssen wahrlich zeitintensiv gewesen sein. Auch ist das Preis-Leistungs-Verhältnis mit derzeit rund 100 Talern mehr als fair; ganz im Gegensatz beispielsweise zum unautorisierten Motörhead-Boxset „The Complete Early Years“, das bei bescheidenen 300 Euronen liegt und bei dem Lemmy himself vom Kauf abrät.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“