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Blackmore's Night: Secret Voyage

Der neue Streich von Blackmore und seinem Burgfräulein
Wertung: 7.5/10
Genre: Folk Rock
Spielzeit: 50:42
Release: 27.06.2008
Label: Steamhammer/SPV

Ritchie Blackmore war schon immer ein kontroverser Charakter. Seine alten Bandkollegen von Deep Purple wollten ihm im Laufe der Jahre mehrfach den Hals umdrehen, seine zweite Kultband Rainbow hat bis zu ihrem Ende bestimmt mehr Musiker verbraucht als Iced Earth, Cradle Of Filth und Kiss zusammen und dieses Projekt mit seiner Lebensgefährtin Candice Night treibt seine Fans regelmäßig an den Rand der Verzweiflung. Zumindest wenn diese sein (ohne Zweifel grandioses) Schaffen als Musiker „nur“ auf seine Großtaten im Hard Rock beschränken.

Man muss aber zugeben, dass Blackmore sich in der mittelalterlichen Renaissancemusik äußerst wohl fühlt und diese mit Herzblut spielt. Und auch, wenn bei Blackmore's Night gerne mal die Grenze zum Kitsch deutlich übertreten wird, wirft das Duo doch auch immer wieder großartige Songs wie „Shadows Of The Moon“, „Way To Mandalay“, „Fires At Midnight“, „Under A Violet Moon“ oder „Written In The Stars“ ab.

Das neue Album „Secret Voyage“ hat mit „God Save The Keg“ ein Intro zu bieten, was perfekt auf die Musik der „Band of Ministrels“ einstimmt. Stetig bombastischer werdend, geht der Song direkt in einen Song über, der sich nahtlos in die Reihe der oben genannter Klassiker einreiht. „Locked Within The Crystall Ball“ ist ein flotter Midtempo-Rocker (ja wirklich!), der auf den nächsten Konzerten für ausgelassenes Tanzen im Publikum sorgen dürfte. In diesem Song harmonieren sogar die dezenten elektronischen Einschübe perfekt mit den mittelalterlichen Instrumenten und als krönenden Abschluss gibt es neben einem absoluten Ohrwurm von einem Refrain noch die Tatsache, dass Blackmore immer wieder seine E-Gitarre auspackt. Das nennt man wohl einen Einstand nach Maß!

Danach folgt, urtypisch, eine der obligatorischen Blackmore's Night Balladen. „Gilded Cage“ hat aber nichts, was die vielen Vorgänger nicht auch schon hatten und bietet daher absolut nichts Neues. Aber auch solche Songs haben dafür gesorgt, dass sich die Band seit nunmehr über 10 Jahren einer wachsenden Fanschar erfreuen darf. Weitere Standardkost sind das Instrumental „Prince Waldeck's Gaillard“ (perfekte Rollenspiel Untermalung), das verträumte „Sister Gypsy“, der Schunkler „Far Far Away“ und der kuschelige Rausschmeißer „Empty Words“.

Besonders wird eine Platte von Blackmore's Night aber immer durch die Songs, die aus der Masse herausstechen. Da wäre zum Beispiel das von Zigeunermusik inspirierte „Toast To Tommorrow“, bei dem man zwangsläufig eine Szenerie aus einer Wagenkolonne um ein Lagerfeuer herum und tanzende Menschen vor dem geistigen Auge hat. Auch dieses Lied sollte live für entsprechende Stimmung sorgen.

„Peasant's Promise“ ist das vielleicht atmosphärischste Lied auf „Secret Voyage“. Eine Burg, die sich langsam aus dem Nebel schält... das wäre ein perfektes Video. Sehr positiv ist auch, dass die akustischen Gitarren hier nicht so zuckersüß wirken, wie sie es sonst tun (was aber ein Markenzeichen von Blackmore's Night ist). So und nicht anders stelle ich mir die passende Musik für Mittelaltermärkte vor.

Dasselbe ließe sich auch über „The Circle“ schreiben, was aber auch einen dezenten Rockeinschlag aufweist. Das liegt vor allem am offensichtlichen „Oooohoooohoooo Ahaaahaaahaa“ Mitsingteil, der von immer mehr Stimmen begleitet wird und zu guter Letzt ein wenig an den Uriah Heep Klassiker „Lady In Black“ erinnert.

Eines haben Ritchie Blackmore und Candice Night schon seit dem Debüt „Shadow Of The Moon“ sehr gerne getan – fremde Songs covern und im eigenen Stil spielen. Ich muss aber sagen, dass einige dieser Version derbe daneben gegangen sind. Man erinnere sich zum Beispiel an das letzte Album, auf dem die von Blackmore selbst geschriebene Deep Purple Göttergabe „Child In Time“ aufs Übelste verhunzt wurde. Dem gegenüber stehen aber gute neue Versionen von Jethro Tulls „Rainbow Blues“ oder „Diamonds And Rust“ von Joan Baez (einst auch von Judas Priest gecovert).

Auf „Secret Voyage“ wildert Blackmore nur teilweise auf fremdem Terrain, denn Rainbows „Rainbow Eyes“ hat er natürlich selbst geschrieben. Der Song wurde auf jeden Fall sehr gefühlvoll intoniert und toll gesungen, auch wenn er natürlich nicht die Klasse des Originals oder die der tollen Version auf dem sehr empfehlenswerten Dio Tribute Sampler „Holy Dio – A Tribute To The Voice Of Metal“ erreicht. Des weiteren versuchen sich die beiden am King höchstpersönlich und covern Elvis Presleys „Can't Help Falling In Love“. Ich bin bei weitem kein Elvis Fan, aber diese Nummer mit einem Tanzbeat zu unterlegen und so dermaßen klinisch rein darzubieten, ist nicht gerade das Gelbe vom Ei.

Fazit: Eines der besseren Blackmore's Night Alben, keine Frage. Ich werde mich zwar nie so ganz an den engelhaften Gesang von Candice Night gewöhnen, aber gutes Songwriting setzt sich eben immer durch. Und da sich auf „Secret Voyage“ viele gute Songs befinden, sehe ich der Dauerrotation, auf die mein Vater die Scheibe in den nächsten Wochen mit Sicherheit setzen wird, mit Gelassenheit entgegen. Andere Leute hören mit Sicherheit schlimmere Musik, wenn sie ihre Eltern besuchen.

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