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Blackmore's Night: All Our Yesterdays

Sollte auch Nicht-Hardcore-Fans der Truppe einigermaßen überzeugen
Wertung: 7/10
Genre: Folk/Mittelalter Rock
Spielzeit: 50:46
Release: 18.09.2015
Label: Frontiers Records

Auch als Mensch, der versucht, musikalisch immer open-minded zu sein, muss ich zugeben, ich bin jetzt nicht der größte Experte, was Ritchie Blackmores nach ihm benanntes Projekt angeht, zumal der Ex-Deep Purple- und Rainbow-Gitarrist bei Blackmore's Night gerne mal die Grenzen des Kitsches überschreitet (wie auch bereits Exkollege Ben Verwold seinerzeit nicht zu Unrecht anmerkte). Doch auch wenn der englische Gitarrero und seine Muse und Ehefrau Candice Night, deren Baby die Band ist, gerne mal für ihr Tun belächelt werden: Ritchie zieht sein Ding durch und macht tatsächlich das, worauf er Bock hat, egal, ob das anderen gefällt oder nicht und egal, ob er dafür Häme kassiert oder nicht – und dafür gebührt ihm Respekt.

Mit „All Our Yesterdays“ legen Blackmore's Night die zehnte Full-Length-Platte vor, können also ein kleines Jubiläum feiern. Mir fehlt ein bisschen der Vergleich zu den Vorgängern, aber fest steht: Das hier Dargebotene ist wenigstens für die Ohren des Rezensenten wesentlich erträglicher als die drölfzigste Mittelalterkapelle mit dreiundzwanzig Dudelsäcken, die einem mit ihrer Dauerbeschallung nach einiger Zeit nur noch auf Keks gehen. Vor allem natürlich, weil sich Ritchie Blackmore als erfahrener und hervorragender Musiker Gedanken um die Instrumentierung macht und weiß, wie man hier die richtige Balance findet.

Der Opener und gleichzeitige Titelsong weiß nach kurzer Eingewöhnungsphase mit seinem tänzerischen Charakter zu gefallen, insbesondere die unterschwellig mitschwingende Melancholie, und den Refrain singt man nach wenigen Momenten sogar gerne mit. Des Weiteren kann Candice’ ätherische und natürliche Stimme immer noch sehr überzeugen und passt einfach gut zur Musik.

„Allan Yn N Fann“ markiert anschließend das erste von mehreren Instrumentalstücken des Albums und kommt ungleich fröhlicher daher; erneut ist der Song recht tänzerisch geraten, besitzt Ohrwurmqualitäten und kleine Solopassagen von Schalmei und E-Gitarre (selbstverständlich nicht im Purple- oder Rainbow-Stil, aber wenigstens leicht angezerrt) lockern die Angelegenheit zudem auf. Noch gelungener ist mit „Darker Shade Of Black“ das dann folgende nächste Instrumental, das eine etwas düsterere Note enthält und mit dezenten Chorgesängen im Hintergrund und einem geschmackvollen Cembalopart angereichert wurde. Das nachdenkliche, langsame „Queen’s Lament“, lediglich etwas über zwei Minuten dauernd, sollte hingegen wohl eher als Interlude betrachtet werden.

Weitere hervorstechende Kompositionen sind einmal das für BM-Verhältnisse geradezu schmissige „Where Are We Going From Here“, bei dem tatsächlich ein leichter Electro-Beat (!) die Basis bildet, gleichzeitig die mittelalterliche Renaissance-Atmosphäre beibehalten wird – Schellenkranz, Streicher und Mandoline spielen trotzdem noch die Hauptrolle. Schon gut gemacht, wird hier doch gezeigt, dass sich auch bei Blackmore's Night Moderne und Vergangenes nicht ausschließen müssen. Des Meisters E-Gitarre mit ihrem typisch warmen, Mitten-lastigen Klang ist außerdem unverkennbar. Auch „Will O’ The Wisp“ darf man einen Höhepunkt nennen, dieses Stück kommt ebenfalls recht flott daher und wird von Drehleier und Violine getragen. Obwohl wieder von eher melancholischer, geradezu sehnsüchtiger Natur, enthält es mit stetig wiederholten, aber keineswegs lächerlichen „Ohohoho“-Gesängen bestes Mitsingfutter, wobei Ritchies filigranes Akustikgitarrenspiel das Sahnehäubchen darstellt.

Ob es die Cover alle gebraucht hätte, ist fraglich, zweifellos fügen sie sich aber gut in die Tracklist ein. Die Mike-Oldfield-Nummer „Moonlight Shadow“ wurde adäquat arrangiert und steht mit ihrem folkigen Charakter der Combo gut zu Gesicht, allerdings ist der Song natürlich inzwischen totgecovert, ebenso wie „I Got You Babe“, der Klassiker von Sonny & Cher, den ich persönlich aber auch schon immer furchtbar fand. Das zerbrechliche „Long Long Time“ von Linda Ronstedt ist wohl noch der brauchbarste Track in dieser Hinsicht.

Bei „Earth, Wind And Sky“ wird zwar doch noch ein bisschen im Kitschtopf herumgewühlt, in Form von „Coming Home“ dafür jedoch recht filigran und eingängig abgeschlossen, sodass „All Our Yesterdays“ am Ende auch Nicht-Hardcore-Fans der Truppe alles in allem einigermaßen überzeugen sollte. Trotzdem dürften die meisten sich noch mehr darüber freuen, dass Blackmore angekündigt hat, demnächst wieder Purple- und Rainbow-Stücke auf die Bühne bringen zu wollen. Eine leichte Andeutung darauf, dass er wieder Lust hat zu rocken, findet man auf dem Album dank vereinzelter leichter E-Gitarren-Sequenzen.

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