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Blacklodge: MachinatioN

Offenheit in der Metal-Szene? Irgendwo hört der Spaß auch auf.
Wertung: 2/10
Genre: Industrial (Black) Metal
Spielzeit: 45:51
Release: 22.06.2012
Label: Underground Activists

Inzwischen ist es fast unangenehm. Triumphaler Beifall beim Betreten des Supermarkts, nicht aufhören wollende Ehrbezeugungen an der Käsetheke und ständige Koitusaufforderungen von wildfremden Frauen. Es ist nicht leicht, Metaller zu sein. Denn – mal ehrlich – was hat uns wohl in diese Szene geführt, wenn nicht unser blendendes Aussehen und unser betörender Charme? Doch wollen wir bescheiden sein. Eines wird uns nur selten nachgesagt; und das ist Offenheit. Paradise Lost experimentieren mit neuen Einflüssen? Scheiße! Dimmu Borgir holen ein Orchester ins Studio? Kommerz! Metallica laden Lou Reed ein? Moment, schlechtes Beispiel, das war wirklich Mist.

In diesem Kontext treten Blacklodge mit ihrem neuen Album „MachinatioN“ auf. Selbstbewusst werben die Franzosen mit Bezeichnungen wie „psychedelischer Mystizismus“ und „mechanischer Wahnsinn“. „Industrial Black Metal“ soll das Erzeugnis heißen – eine tolle Gelegenheit für den Redakteur, ein Zeichen in Sachen Offenheit zu setzen und der Metalszene als positives Beispiel vorauszugehen. Mit „Above“ haben Samael, die sich desselben Genres angenommen haben, immerhin einen absoluten Brecher in den Ring geworfen. Somit ist das Ziel gesteckt, die Mission des Tages lautet: Pionierarbeit leisten!

Und, liebe Leser, ich habe es wirklich versucht. Doch was Blacklodge hier abliefern, ist vieles, aber eines bestimmt nicht (mehr): Black Metal. „MachinatioN“ klingt, als hätte R2-D2s mutierter und ziemlich übel gelaunter großer Bruder Saint Vincent, AcidJess und Narcotic gefressen und danach eine Line gezogen. Gitarre, Bass und Gesang werden unbarmherzig von einer Dampfwalze aus übelstem Elektrogeknüppel niedergemäht. Was übrig bleibt, ist weder Industrial noch Black Metal – oder vielleicht auch beides, aber synchron abgespielt. Der „mechanische Wahnsinn“ von oben ist eingetreten. Alles ist mit Effekten versehen und teils bis zur Unkenntlichkeit von Samples überdeckt. Das geht soweit, dass man gar nicht mehr so genau sagen kann, ob Blacklodge als reine Black-Metal-Band nicht vielleicht einen hervorragenden Job machen würden. Sänger Saint Vincent zumindest klingt im Prinzip gar nicht übel.

Doch versuchen wir mal, es auseinander zu pflücken: Gleich der Opener „TridenT“ etwa lässt die Ohren nur so schlackern. An den Stellen, an denen man etwas anderes als 280bpm-Drumcomputer-Doublebass  hört, quält sich tatsächlich das ein oder andere Riff hervor, das sich in normaler Metal-Instrumentierung gar nicht mal so schlecht machen dürfte. Doch dieser Kontext ist ein hoher Preis für nur das ein oder andere seltene gute Riff. Wäre da nicht die selbst auferlegte edle Mission im Hintergrund, wäre die CD wohl spätestens beim Einsatz der Flöten in „Empire's Hymn“ hochkant aus dem Player geflogen.

Das Genre lässt vermuten, dass ein offener oder zumindest ein kompromissbereiter Black-Metal-Hörer an „MachinatioN“ unter Umständen seine Freude habe dürfte. Doch das Selbstexperiment straft diese Logik mit aller Gewalt Lügen. Hier werden wohl eher Industrial-Freunde, deren höchstes Gebot nicht gerade ein transparenter Sound ist, bedient. Mit Black Metal oder auch Industrial Black Metal im Sinne von Bands wie Samael hat „MachinatioN“ rein musikalisch nicht all zu viel zu tun. Die Pionierarbeit ist damit ad acta gelegt. Ergebnis: Nicht immer steckt das drin, was draufsteht.

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