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Blackfield: Welcome To My DNA

Noch pompöser - aber auch noch besser?
Wertung: 9/10
Genre: Art Rock, Pop-Rock
Spielzeit: 36:53
Release: 01.04.2011
Label: KScope Music

Dass Steven Wilson und Aviv Geffen den dritten Streich ihres gemeinsamen Art-Rock-/Pop-Rock-Projektes nicht simpel „Blackfield III“ nannten und damit die schlichte Namensgebung der beiden Vorgänger fortführten, hat einen guten Grund: „Welcome To My DNA“ klingt zwar immer noch eindeutig nach Blackfield, markiert aber dennoch einen deutlichen Einschnitt. Bereits auf „Blackfield“ und „Blackfield II“ waren bittersüße Melodien mit Pop-Appeal und zarte Streicherarrangements zu hören – so mancher konnte sich die Bezeichnung „Porcupine Tree light“ da nicht verkneifen –, doch auf vorliegender Scheibe setzt man in dieser Hinsicht noch einen drauf. Dabei bleibt selbstverständlich spekulativ, ob dies daran liegt, dass Aviv Geffen dieses Mal fast das gesamte Material im Alleingang komponiert hat, da Steven Wilson mit seinen daumengepeilt tausend verschiedenen Projekten kaum Zeit fand, Songs für die Band zu schreiben.

Der Opener „Glass House“ wartet mit zuckrig-klebrigen Melodien und sich geradezu emporschraubenden Streichern auf – doch die harmonischen Schlenker darin sind einfach so zum Sterben schön und den Ohren schmeichelnd, dass die genannten Attribute keineswegs als negativ aufzufassen sind. So und nicht anders muss guter Pop-Rock klingen, so stellt sich akustische Kunst dar, die an der Grenze zum Kitsch balanciert, diese jedoch nicht überschreitet. Anhand des ausgeklügelten und durchdachten Arrangements stellt der Hörer wieder einmal fest, dass hier zwei Musiker am Werke sind, die einfach wissen, wie es geht.

Die zerbrechliche, aber gleichsam luftig-leichte Atmosphäre des Erstlings verweht allerdings schnell, als „Go To Hell“ Einzug hält. Schon witzig, eben noch wird man von wunderschönen Harmonien verwöhnt und im nächsten Moment heißt es „fuck you all, fuck you – I don’t care... anymore“. Allerdings hat man hier wohl den Hit des Albums vorliegen, denn das Teil rockt besonders in der zweiten Hälfte richtig genial, die Symbiose symphonischer Elemente und rockiger Gitarrenriffs ist bestens gelungen.

Das darauf folgende „Rising Of The Tide“ dürfte wohl dann das beste Beispiel dafür hergeben, dass sich an „Welcome To My DNA“ die Geister scheiden werden. Ich für meinen Teil habe den stark Beatles-beeinflussten Song schon nach dem ersten Hördurchgang ins Herz geschlossen und liebe die zwar total voraussehbare, aber so herrlich schwelgerisch-verträumte Wohlfühl-Melodie am Ende, doch es wird einen nicht unerheblichen Personenkreis sowohl aus der Porcupine-Tree-Fan-Community, als auch der Metalgemeinde insgesamt geben, der sich mit Grausen abwenden und sich kopfschüttelnd fragen wird, was sich die beiden Typen bei dem Schmalz nur gedacht haben mögen.

Mit Schmalz, sprich poppigem Streicherbombast, wird der Hörer auch im weiteren Verlauf der Platte noch das ein oder andere Mal konfrontiert, wobei dieses Element mal mehr („Oxygen“) und mal weniger gelungen („Dissolving With The Night“) eingesetzt wurde. Letztgenannter Track ist trotzdem insofern erwähnenswert, als dass ihm mit seiner angeschrägten Harmonik ein leicht exotischer Charakter innewohnt – dieses Stück kann nur aus der Feder von Aviv Geffen stammen. By the way: Obwohl Wilson ohnehin wieder die meisten Gesangsparts übernommen hat, ist Avivs sehr pathetischer Gesangsstil natürlich nach wie vor ebenfalls ein Kriterium, an dem die Meinungen auseinander driften werden. Meiner Ansicht nach bildet sein rauchiges, raues Organ allerdings den perfekten Kontrast zu Wilsons sanfter, unaufdringlicher und natürlicher Stimme.

Dass Stevens Hauptband auch auf dem dritten Album des israelisch-englischen Duos durchschimmern würde, war wohl klar: Das sehr leichtfüßige, gut rockende „Waving“ erinnert doch stark an die poppigen Porcupine-Tree-Momente („Lightbulb Sun“-Phase), „On The Plane“ könnte durchaus auch eine Stachelschweinbaum-Ballade sein, während „Zigota“ (mit fünf Minuten bereits der längste Song des Albums) mit dem pompösen Refrain nahezu epische Züge annimmt und am Ende andeutet, dass man auch bei Blackfield gewillt ist, den Härtegrad hier und da ein wenig anzuziehen.

Als eines der größten Highlights der Scheibe muss des Weiteren „Blood“ genannt werden, dessen orientalisches Mainriff sich gleich ins Hirn brennt und dessen Gesangsarrangement am Ende nur mit „göttlich“ umschrieben werden kann. Als Finale fungiert „DNA“, eine verhältnismäßig unspektakuläre, aber trotzdem wiederum gelungene, weil einfach hübsche, herzzerreißende Ballade voller Melancholie – schlicht und trotzdem einprägsam.

Man wagt wirklich nicht zu sagen, ob „Welcome To My DNA“ seine beiden hervorragenden Vorgänger toppt, da es einfach anders ist, noch gewagter, noch pompöser, aber angesichts der erwähnten unterschiedlichen Stilmittel bei den Stücken vielleicht auch noch abwechlungsreicher. Objektiv betrachtet, kann allein songschreiberisch und arrangementtechnisch gesehen wohl auch der größte Kritiker nicht meckern – Geffen und Wilson sind eben ein kongeniales Team. Etwas kurz ist die Scheibe mit 37 Minuten erneut geraten, es sei jedoch hinzugefügt, dass eigentlich mit „Far Away“ noch ein weiterer Titel in der Tracklist zu finden ist, der in der Promoversion allerdings nicht enthalten war. Außerdem gibt es die Repeat-Taste – beim Verfasser dieser Zeilen läuft das Teil jedenfalls auf Dauerrotation.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann