Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Blackfield: IV

Gut, dennoch die bislang schwächste BF-Platte
Wertung: 8/10
Genre: Poprock, Art Rock
Spielzeit: 31:40
Release: 30.08.2013
Label: KScope

Dass Steven Wilson auf der einen Seite keine Zeit mehr für Blackfield hat und sich auf der anderen momentan auch einfach nicht für fähig hält, dreiminütige Poprock-Songs zu schreiben, hat er inzwischen des Öfteren erläutert: Wenn man berücksichtigt, dass das dritte Blackfield-Album „Welcome To My DNA“ bis auf „Waving“ im Alleingang von seinem israelischen Partner Aviv Geffen geschrieben wurde und wenn man sich die größtenteils monumentale Länge der Stücke auf Stevens Anfang dieses Jahres erschienenen dritten Soloalbums „The Raven That Refused To Sing“ ansieht, verwundern einen diese Aussagen nicht im Geringsten.

Und trotzdem lag den beiden Musikern das Projekt wohl doch zu sehr am Herzen, als dass man es einfach aufgelöst hätte. Aviv Geffen hat mit Wilsons Segen nun praktisch die alleinige Kontrolle über die Band, doch bei einigen Stücken ist zum Glück immer noch Stevens wunderbare Stimme zu hören, etwas Gitarre spielt er auch weiterhin und als Produzent tritt der Engländer ebenfalls in Erscheinung. Nur auf Tour wird er mit Blackfield wohl leider nicht mehr zu sehen sein, mal sehen, was für eine Lösung man sich da ausgedacht hat.

Auf Platte hat sich Aviv, der das vierte Album (welches nach dem kleinen Ausreißer bei der dritten Scheibe nun wieder ganz simpel eine römische Zahl verpasst bekommen hat) diesmal nun wirklich ausnahmslos alleine komponiert hat, jedenfalls schon mal ein bisschen zusätzliche prominente vokale Unterstützung geholt: Brett Anderson, Frontmann der Britpopper Suede singt auf „Firefly“, Jonathan Donahue von den Alternative Rockern Mercury Rev gibt sich bei „The Only Fool Is Me“ die Ehre, und Anathema-Sänger Vincent Cavanagh wurde für „XRay“ als Gast geholt.

Natürlich sind diese Stücke auch ein wenig auf den jeweiligen Künstler zugeschnitten; gerade das herrlich relaxte „XRay“ hat eine nicht unerhebliche Anathema-Schlagseite (Vinnys wundervoll warme Stimme ist wie immer eine einzige Wohltat), und auch beim allerdings weniger gelungenen „Firefly“ lassen sich mit etwas Fantasie Suede-Elemente ausmachen.

Insgesamt ist die Scheibe jedoch Blackfield in Reinkultur: Streicher-Pomp noch und nöcher, schwelgerische, melancholische Melodien, schwebende Gitarren und tiefgängige, aber ebenso wahnsinnig deprimierende Texte, bei denen nicht selten durchschimmert, in welcher Umgebung Aviv Geffen aufgewachsen ist und dass er stets mit der täglichen Gewalt in seinem Land konfrontiert wird. Und abermals versteht es die Band trotz des vielen Bombasts nicht ins Banale abzugleiten, weil einfach die Arrangements musikalisch zu hochwertig und durchdacht sind, als dass man sie bloß als schnöden Kitsch abtun dürfte.

Man nehme einen Track wie „Jupiter“: Klar hat das etwas Kitschiges und ist definitiv poppig, aber die Melodien und der mehrstimmige Gesang sind schlichtweg so schön, dass einem doch einfach ein Lächeln ins Gesicht gezaubert wird und man regelrecht darin versinken will. Stark sind auch der Opener „Pills“, der das Album mit sehr traurigen Klängen einleitet, das sich anschließende, etwas optimistischere „Springtime“, das in der Strophe rockige, im Refrain entspannte „Kissed By The Devil“ sowie die fluffigen Nummern „Sense Of Insanity“ und „Lost Souls“: Alles recht unterschiedliche, aber irgendwo typische Blackfield-Kompositionen, die Aviv Geffens qualitative Fähigkeiten als Songwriter beweisen.

Leider muss man „IV“ alles in allem trotzdem wohl als das bislang, nun ja, schwächste Album ansehen – neben „Firefly“ will vor allem auch das etwas lahmarschige „Faking“ nicht so wirklich zünden. Trotzdem überwiegt erwartungsgemäß das Positive – ob das Ganze mit einigen Wilson-Nummern auf dem Niveau der vorigen Outputs gelandet wäre, ist müßig zu diskutieren, denn der Porcupine Tree-Boss meinte ja selbst, dass er derzeit gar nicht in der Lage sei, derartiges Material zu schreiben. Im Übrigen ist die Platte mit nicht einmal 32 Minuten arg kurz geraten, ein bisschen mehr muss es in der heutigen Zeit, auch wenn Quantität immer zweitrangig sein sollte, dann schon sein.

comments powered by Disqus

Bundeswehr-Musikkorps und U.D.O. für den guten Zweck

Delirious und Terrorblade im Rausch der Kanalfahrt

Darkness Drummer Lacky beim Selbstversuch mit dabei