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Blackfield: For The Music

Schwache Singles, Rest okay bis gut
Wertung: 7/10
Genre: Art Rock, Pop-Rock
Spielzeit: 30:18
Release: 04.12.2020
Label: Warner

Mit „For The Music“ machen Blackfield das halbe Dutzend voll und haben zur Abwechslung mal wieder einen richtigen Albumtitel statt lediglich eine Nummerierung parat. Ursprünglich sollte das sechste Werk des Duos Wilson/Geffen bereits am 2. Oktober erscheinen; ähnlich wie Wilsons neues (ebenfalls sechstes) Soloalbum wurde die Veröffentlichung jedoch verschoben, wenngleich in diesem Fall nicht wegen der Corona-Pandemie, sondern wegen „technischer Probleme“, wie es hieß.

Neuer Termin war der 4. Dezember (Wilsons Soloplatte „The Future Bites“ kam ja dann sogar erst im Januar), die längere Wartezeit bis dahin konnten sich die Fans mit den beiden vorab veröffentlichten Singles „Summer’s Gone“ und „Under My Skin“ vertreiben. Diese ließen allerdings nicht gerade auf eine sonderlich gelungene Scheibe hoffen. Ersteres klang doch sehr einfallslos und nach ziemlichem 08/15-Radiopop, letzteres mit den kitschigen Glocken gar nach einem Weihnachtslied, das sich irgendwie im Genre verirrt hat. Droht hier nach dem bärenstarken fünften Album nun die große Ernüchterung, zumal viele Supporter seinerzeit bereits mit der dritten und vierten Platte nicht zufrieden waren?

Zum Glück jedoch handelt es sich bei besagten Stücken tatsächlich um die schwächsten Nummern auf „For The Music“. Warum nun ausgerechnet die als Singles ausgekoppelt wurden, bleibt unklar. In jedem Fall erweist sich der Rest als mindestens brauchbar und die typische Blackfield’sche Mischung aus superb arrangierten Poprockern mit Breitwandrefrains und introvertierten, tiefschürfend-melancholischen Akustikperlen. Es ist nicht so, als hätte man nicht das Gefühl, so manchen Song der Platte in ähnlicher Form schon vorher mal gehört zu haben: So besitzt „After All“ Züge von „1000 People“ oder „Garden Of Sin“ von „Some Day“. Die abschließende Pianoballade „It’s So Hard“ erinnert hingegen nicht unerheblich an den R.E.M.-Klassiker „Nightswimming“.

Doch insgesamt ist das Ganze schlichtergreifend zu schön, um wirklich störend zu wirken. „After All“ hat einen geschmeidigen Flow und „Garden Of Sin“ ist mit seinen wundervollen Akustikgitarren und dem schockierend direkten, zynischen Text vertonte Depression und damit Blackfield pur. Avivs raue und doch zerbrechliche Stimme trägt ihren Teil zur Intensität bei. Besonders stark wird die Scheibe in der Mitte, wo dann hauptsächlich Steven Wilson den Leadgesang übernimmt. Das eindringliche, von Akustikgitarren und dezenten Streichern geprägte „Over & Over“ (herrliche Gesangslinien) und das darauffolgende „Falling“ (toller, absolut typischer Refrain) darf man ohne Umschweife als stärkstes Material der Platte bezeichnen.

Komponiert wurde (abgesehen von letztgenanntem Song) dennoch alles einmal mehr von Aviv Geffen im Alleingang, der ja bereits auf dem letzten Album „V“ bewiesen hatte, dass Blackfield nicht automatisch schwächer sind, wenn Wilson sich weniger am Songwriting beteiligt. Zugegeben, das eröffnende, verhältnismäßig schmissige Titelstück ist noch der härteste Track, ansonsten sind vehemente E-Gitarren eher rar gesät, und alles in allem ist „For The Music“ wohl trotzdem das schwächste Blackfield-Werk und dürfte nicht so oft im CD-Schacht rotieren wie die ersten beiden oder der fünfte Longplayer. Dennoch ist das alles erneut kunst- und geschmackvoll in Szene gesetzt und bis auf die beiden Singles auch gehaltvoll und ganz bestimmt nicht seicht.

Dass sich Pop-Appeal in Form von Dreieinhalb-Minuten-Songs und Tiefgang nicht ausschließen müssen, zeigen die beiden Ausnahmemusiker in Summe also einmal mehr, auch wenn es schon ein bisschen mehr als nur eine halbe Stunde Länge hätte sein dürfen. Allerdings gibt es in der Vinyl-Ausgabe noch den Bonustrack „The Dream Of Love“ (der sich in der Mitte des Albums wiederfindet – dieser Schwachsinn wird sich mir nie erschließen), der uns jedoch bedauerlicherweise nicht vorlag.

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