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Black Magic Fools: Soul Collector

Gebt acht auf eure Seele, Wanderer!
Wertung: 7,5/10
Genre: Swedish Medieval Metal
Spielzeit: 46:18
Release: 19.02.2016
Label: Metal Revelation

Tretet ein, ihr Vagabunden, seid willkommen in der Taverne „Zum tanzenden Narren“! Wärmt eure Glieder am Feuer und eure Körper mit Bier, jedem umherirrenden Geist wird Obdach gewährt! Erhebt euch zum Tanz, lasst euch einnehmen von der Musik - doch Obacht... es könnte euch eure Seele kosten!

So könnte es der Überlieferung nach auf den Flugblättern gestanden haben, als sich die fünf Gesellen der Black Magic Fools vor siebenhundert Jahren zum ersten Mal in einer kalten Dezembernacht im schwedischen Göteborg zusammengefunden haben, um ihrem dunklen Handwerk nachzugehen. Ein Pakt mit dem dunklen Lord, der ihnen ihre zerstörten Instrumente zurück brachte, sie jedoch in Ewigkeit dazu verdammte, die Seelen derjenigen einzusammeln, die ihrer Musik verfallen... Mit ihrem 2016 erschienenen ersten Longplayer „Soul Collector“ setzt die Band um Sänger und Bagpipe-Player Pontus diesen Weg nun fort und hat es auch über die schwedischen Grenzen hinaus auf all die unschuldigen Geister abgesehen, die in der fernen Welt auf sie warten.

Das Schankhaus einmal betreten, erwartet den geneigten Hörer eine Mischung aus mal treibenden, mal getragenen Streicherpatterns, die oft in Symbiose mit den atmosphärischen Bagpipes daher kommen und den größten Teil der melodischen Arbeit leisten. Pontus' kratzige Stimme, die sich irgendwo zwischen Klargesang und Growling bewegt, erzeugt hierzu einen merklichen Kontrast. Wie im generell etwas schächelnden Stück „Salvation“ zu hören, ist dieser Kontrast nicht immer positiv – hier scheint der Meisterzauberer der Truppe stimmlich fast ein bisschen überfordert. Dass ihm Klargesang teilweise sogar besser liegt, beweist er im Intro von „Black Jig“: der balladeske Minnegesang ist nicht nur eine gelungene Einführung in den Song, sondern lässt erahnen, dass Pontus über mehr stimmliche Vielfalt verfügt als man nach den ersten Songs erwartet hätte.

Die Gitarre gerät während der insgesamt 46 Minuten Spieldauer hin und wieder etwas in den Hintergrund und überlässt Violinen und Pipes das Feld, schafft aber eine solide Basis für die Songs und liefert ihnen die nötige Härte. Im Song „A Jesters Confession“ gilt es jedoch aufzuhorchen: bis zur Mitte des Songs noch etwas unmotiviert, zeigt Saitenkünstler Daniel anschließend an einen ausgedehnten Violinenpart, was in seinen Fingern steckt und haut uns unerwartet ein Solo um die Ohren, das es in sich hat.

Soundtechnisch gibt es am Album nicht viel zu meckern. Was aber auch nicht groß verwundert, wirbt die Band doch damit, dass sich Ade Emsley für das Mastering verantwortlich zeigt, wie zuletzt auch bei Iron Maiden's letztem Wurf „The Book of Souls“. Lediglich bei den Drums, die grundsätzlich etwas zu dumpf geraten, gibt es Verbesserungsbedarf. Leider fällt ausgerechnet am Anfang des Titeltracks „Soul Collector“ auch der sonst nicht weiter zu beanstandene Gitarrensound negativ auf, wirkt verwaschen und schreddernd. Insgesamt war der Song nicht unbedingt die beste Wahl als Titeltrack: das den Refrain prägende Violinglissando ist zwar markant, darauf aufbauen lässt sich aber schwer. So geht dem Track leider etwas an Power verloren, die ihm definitiv gut getan hätte.

Die beiden Songs „Grave Dancer“ und „Dansa I Natt“ bieten hierfür allerdings eine mehr als angemessene Entschädigung. Vom Ansatz her ähnlich, liefert die Band in beiden Fällen extrem treibendes, fast tanzbares Material, das den Hörer mit sich reißt und den Sammlern definitiv ein paar mehr unschuldige Seelen für die Sammlung ihres Bosses einbringen wird. Zum Abschluss des Albums zeigt uns schließlich Chef-Violinistin Ida, dass sie nicht nur ihr Instrument beherrscht, sondern auch stimmliche Qualitäten vorzuweisen hat. Dank ihr entwickelt sich die Ballade „Vädjan“ schnell zum cineastischen Klagelied, welches uns durch den plötzlichen Stopp in bis zum Zerreißen gespannter Stille zurück lässt und einen äußerst gelungenen Abschluss des Albums liefert.

Das Mittelalter lässt sich nicht neu erfinden, auch nicht durch die Black Magic Fools. Wichtiger ist, sich darin zurecht zu finden und die verfügbaren Elemente so zu verbinden, dass die Tavernengäste von Motivation und Spielfreude mitgerissen werden und ihre Bierkrüge zum Anstoßen erheben. Und das haben die Herren und Dame auf ihrem Erstling größtenteils mit Bravour gemeistert, wenngleich im Bereich Stimme und Sound noch etwas Verbesserungsbedarf besteht. In diesem Sinne: Weiter so, eine Seele mehr habt ihr schonmal. Skoll!

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