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Black Country Communion: Live Over Europe

Pflichtkauf für jeden Classic-Rock-Fan
keine Wertung
Genre: Classic Rock, Bluesrock
Spielzeit: ca. 140 Minuten
Release: 21.10.2011
Label: Mascot Records (Rough Trade)

Bei Black Country Communion geht irgendwie alles ziemlich schnell. Ende 2009 wurde die Band gegründet, im September 2010 erschien das selbstbetitelte Debütalbum und bereits im Juni dieses Jahres wurde die zweite Langrille nachgeschoben. Doch auch danach wurde  nicht lange gefackelt und in Form von „Live Over Europe“ nun die erste Bluray/DVD auf die Menschheit losgelassen. Und wurde die Band seitens der Kritiker schon für die beiden Alben mit Lob überschüttet, so wird dies bei vorliegendem audiovisuellen Produkt nicht viel anders sein.

Aufgezeichnet während der Tour in diesem Sommer in den drei größten Städten Deutschlands – Berlin, Hamburg und München – bietet der Silberling von der ersten bis zur letzten Minute ein exquisites Live-Erlebnis, eine Lehrstunde in Sachen Bild und Ton. Hochprofessionell geschnitten, gestochen scharfes Bild, differenzierter und doch natürlicher Klang – hier hat Produzent Kevin Shirley wirklich ganze Arbeit geleistet (auch wenn kleine Spielereien wie Zeitlupen und ähnliches sicherlich Geschmackssache sind), allerdings scheint er sich mit BCC ohnehin noch deutlich mehr zu identifizieren als mit anderen Acts, bei denen er schon Knöpfchen drehte, da er bei einer ganzen Menge Stücke Songwriting-Credits bekommen hat und entscheidend dazu beitrug, dass sich die Gruppe überhaupt gründete.

Ganze Arbeit geleistet haben in erster Linie jedoch vor allem die Musiker, die voller Spielfreude, Energie und natürlich mit jeder Menge großartiger Lieder im Rücken über die Bühnen im Hamburger Stadtpark, der Berliner Zitadelle und des Münchener Zeniths wirbeln. Glenn Hughes glänzt mit routiniertem, kraftvollen Bassspiel und verbringt am Mikrofon Unglaubliches – der Mann ist 60 Jahre alt und gibt auch schwer zu singende Songs wie „Faithless“ oder „Save Me“ tadellos zum Besten. Sogar bei der Deep Purple-Zugabe „Burn“ kriegt er noch die hohen Kopfstimmen-Töne hin, wobei man dort spekulieren darf, ob da nicht im Nachhinein etwas nachgeholfen wurde. Auch Glenns exaltierte Posen machen ihn eher jünger und lassen ihn nicht zu einer Karikatur verkommen; der Brite zeigt in jeder Hinsicht, dass er nichts an Charisma eingebüßt und im Gegensatz zu manch anderem Altstar immer noch jede Menge Feuer im Allerwertesten hat.

Von Bonamassa hingegen weiß man, dass es derzeit kaum einen zweiten Gitarristen in der Schnittstelle zwischen Blues und Rock gibt, der so gelungen perfektes technisches Spiel und Gefühl unter einen Hut bekommt (bei „The Battle For Hadrian’s Wall“ und „Song Of Yesterday“ übernimmt er wie auf den Alben außerdem auch die Lead Vocals), und die Tightness, mit der sich Jason Bonham durch die Konzerte spielt, würde Daddy, der wahrscheinlich gerade mit Jimi Hendrix und Jim Morrison auf einer Wolke jammt, sicherlich stolz machen. Einzig bei Derek Sherinian fragt man sich, warum er immer so finster dreinblickt. Während die anderen drei sichtlich ihren Spaß haben, verzieht der Keyboarder nicht eine Miene – das erste Lächeln huscht ihm erst nach dem letzten Track, als man sich vor den Leuten verbeugt, über das Gesicht.

Das ändert freilich nichts an der Tatsache, dass die knappen zwei Stunden, in denen sich das Quartett durch eine erstklassige Setlist performt, mit zum Besten an bluesigem Classic Rock gehört, was man in den letzten Jahren geboten bekommen hat. Man fühlt sich tatsächlich an die Siebziger erinnert, als Bands jedes Jahr unbekümmert ein neues Album aufnahmen und dennoch stets Qualität ablieferten – an diese frische, spontane Herangehensweise erinnert auch Glenn Hughes in der etwa 20-minütigen Dokumentation auf der Bonus-Disk. „Wir sind eine Band, die ganz einfach Rock’n’Roll spielt und ihren Spaß hat“, bringt er es auf den Punkt; wohl deswegen ist man mit dem Begriff „Supergroup“ auch nicht wirklich glücklich. Immerhin leitet sich der Bandname selbst von einem Gebiet mit dem Namen „Black Country“ bei Birmingham ab, einer Ecke, der Hughes und Bonham entstammen – einer völlig bodenständigen Arbeitergegend mit wenig Platz für Rockstar-Glitter.

Überflüssig zu erwähnen also, dass dieses kleine Schmuckstück für jeden, der erdigem, klassischen, bluesgetränkten Hard Rock etwas abgewinnen kann, einen Pflichtkauf darstellt. Durch die drei aufgezeichneten und gezeigten Gigs wirkt das Ganze vielleicht nicht immer ganz flüssig, aber auch wenn ich persönlich eine durchgehende Konzertperformance bevorzuge, stört dieser Fakt kaum, zumal man mit kleinen Einblendungen wie Statements der Bandmitglieder von Anfang an verdeutlicht, dass hier eben mehrere Auftritte zusammengeschnitten wurden. Ein weiterer kleiner Kritikpunkt wäre vielleicht noch, dass ein bisschen selten Leute aus dem Publikum gezeigt werden, so etwas ist ja eigentlich auch immer ganz lustig und unterhaltsam. Das aber ist Meckern auf ganz hohem Niveau, „Live Over Europe“ gehört definitiv in jede gut sortierte Musik-DVD-Sammlung – unbedingter Anspieltipp: die grandiose Gänsehaut-Darbietung der überragenden Halbballade „Cold“. 

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