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Black Country Communion: BCCIV

Starkes Comeback nach fünf Jahren
Wertung: 8,5/10
Genre: Classic Rock, Blues Rock
Spielzeit: 60:34
Release: 22.09.2017
Label: Mascot Records

Schön, dass sich die Allstar-Truppe Black Country Communion nach den völlig unnötigen öffentlichen Querelen zwischen Bassist/Sänger Glenn Hughes und Gitarrist Joe Bonamassa, die letztlich zur Auflösung im Jahr 2012 führten, doch relativ schnell wieder zusammengefunden hat. Auch wenn die Beiden selbst behaupten, es habe eigentlich nie wirklich Stress gegeben und die Medien hätten da etwas missverstanden bzw. gewisse Aussagen wären künstlich an die große Glocke gehängt worden – das Verhältnis war sicherlich schon belastet, auch wenn sich das glücklicherweise nicht entscheidend auf das Songwriting des damaligen dritten Albums „Afterglow“ ausgewirkt hatte.

Dennoch alles wohl tatsächlich halb so wild und die längere Pause (die Glenn u.a. für die Band California Breed nutzte, die allerdings schon nach einem Album wieder aufgelöst wurde, während Joe Bonamassa zwei weitere Soloplatten veröffentlichte), nachdem die ersten drei Platten im Jahrestakt erschienen waren, hat offensichtlich allen Beteiligten gut getan, denn „BCCIV“, so der unspektakuläre Titel der Reunions-Scheiblette, tönt sehr frisch, spielfreudig und kompositorisch originell und vielfältig.

Dabei hinterlässt der Opener und Vorab-Track „Collide“ noch einen eher mäßigen Eindruck; zweifellos ein solider Rocker, bei dem Hughes zum ersten Mal demonstriert, dass er immer noch unglaubliche Höhen zu meistern in der Lage ist, aber bei aller Liebe doch vielleicht ein wenig zu sehr an Led Zeppelin angelehnt. Dass Hughes bei BCC auch die eigene Vergangenheit mit aufleben lässt und dass Jimmy Page und Co. einen der Haupteinflüsse der Band bilden, ist natürlich nichts Neues und ja auch okay, dennoch liegt hier ein etwas konventioneller Einstieg vor.

„Over My Head“ mit seinem leichtfüßig-tänzerischen Refrain macht da schon mehr her, richtig stark und interessant wird die Platte dann jedoch erst zur Mitte hin, allein durch das sehr abwechslungs- und ideenreiche Songwriting: „The Last Song For My Resting Place“ kommt mit kräftiger Irish-Folk-Schlagseite daher (hübsche Geigenmelodie inklusive) und besitzt dabei einen melancholischen Touch, ohne dass auf die Rockwurzeln verzichtet würde. Außerdem ist es, so toll Glenn Hughes auch singt, immer sehr auflockernd, wenn auch Bonamassa zwischendurch am Mikro zu hören ist; seine viel weichere, auf ganz andere Art ebenfalls sehr schöne Stimme bildet zu Hughes’ Röhre den perfekten Kontrast.

In jedem Fall eine clever arrangierte Nummer, doch ist es ganz allgemein erfreulich zu sehen, dass das Quartett nicht einfach nur irgendwelche Siebziger-Jahre-Riffs recycelt, sondern beim Songwriting auch mal einen etwas eigenwilligeren Weg geht. So kommt „The Cove“ erstaunlich düster daher, besitzt mit seinem bedrohlichen Charakter einen doomigen Anstrich, während der Midtempo-Kracher „The Crow“ von einem schnarrenden Bassriff getrieben wird; „Wanderlust“ hingegen wird vom Klavier getragen, das marschierend anmutende Element macht dem Titel alle Ehre, der aufgehende Refrain hat gleichzeitig etwas Wehmütiges wie Elegantes – sehr beachtlich.

All dies sind – genau wie das mit jeder Menge Akustikgitarren aufgebrochene Finalepos „When The Morning Comes“ – Stücke zwischen sieben und acht Minuten Dauer; das Material ist wie erwähnt sehr facettenreich, die Songs ziemlich unterschiedlich und natürlich mit Platz für ausgiebig zelebrierte instrumentale Leckerbissen versehen: Da finden sich etliche Bonamassa-Gitarrenzaubereien wie Jon Lord-Gedächtnissoli von Ex-Dream Theater-Tastenflitzer Derek Sherinian und in „The Crow“ gar ein kleines Basssolo.

Doch sollen auch die kürzeren Stücke nicht unter den Tisch fallen: Das mit unwiderstehlichem Groove ausgestattete „Awake“ macht ebenfalls sehr viel Spaß und das Mainriff zu „Sway“ mag simpel sein, reißt aber doch gut mit, mal abgesehen von Hughes’ fantastischer Gesangsdarbietung, die diesen Ohrwurm zusätzlich deutlich aufwertet. Überhaupt singt der Mann dermaßen hingebungsvoll, leidenschaftlich und schlichtweg großartig, dass es völlig undenkbar erscheint, dass er im August bereits 66 Jahre alt geworden ist.

Höchstens das schleppende, sperrigere „Love Remains“ präsentiert sich zäher (und erinnert wiederum stark an die Zeps), muss aber ebenfalls nicht als bloßer Füller diffamiert werden. So oder so beweisen Black Country Communion, dass die Luft keineswegs schon raus ist und liefern eine weitere Blaupause dafür ab, wie man Musik macht, die sich an den Klassikern wie Led Zeppelin, Deep Purple, Uriah Heep oder Black Sabbath orientiert und man trotz dieser sich so standardmäßig zu lesenden Riege an Einflüssen mittels prächtiger Ideen noch neue Nuancen hinzufügen und den Hörer bestens unterhalten kann. (Solche kleinen Einfälle wie die springenden Klaviertöne am Ende von „Sway“ beispielsweise haben einfach das gewisse Etwas.) Und sie zeigen, wie man es schafft, trotz völlig unterschiedlicher Songs einen wunderbaren Albumfluss zu generieren. Des Weiteren ist Kevin Shirleys Produktion absolut top, die Drums klingen wuchtig (schon irre: Jason Bonhams Spiel hört sich mehr und mehr nach seinem Vater an), die Gitarren und der Bass heavy und die Keyboards bringen sehr viel Farbe in die Angelegenheit. Welcome back, BCC!

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