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Black Country Communion: Afterglow

Erneut sehr stark - hoffentlich doch noch nicht die letzte Platte
Wertung: 8.5/10
Genre: Classic Rock, Bluesrock
Spielzeit: 57:54
Release: 26.10.2012
Label: Mascot Records

An Joe Bonamassas vollem Terminkalender liegt es, dass der Haussegen bei Black Country Communion derzeit ein wenig schief hängt – oder besser gesagt daran, dass Glenn Hughes etwas voreilig in einem Interview davon sprach, dass „Afterglow“ das wahrscheinlich letzte Album des britisch-amerikanischen Allstar-Quartetts markieren würde (wie unfreiwillig ironisch da der schon vorher feststehende Albumtitel anmutet), weil Bonamassa eben einfach keine Zeit hätte, mit der Truppe auf Tour zu gehen, was der Gitarrist als In-den-Rücken-fallen interpretierte, obwohl es das frühere Deep Purple-Mitglied vermutlich gar nicht böse gemeint hatte (aber das ist natürlich wiederum nur eine Annahme des Rezensenten).

An Bonamassas vollem Terminkalender liegt es auch, dass auf dem dritten Album der Band eindeutig Hughes die treibende Kraft ist – nicht weniger als fünf der elf Tracks schrieb er im Alleingang und bei allen anderen war er, wenn auch nicht durchgehend an der Musik, so doch zumindest an allen Texten beteiligt. Aus diesem Grund hat Bonamassa diesmal auch nur einen einzigen Song („Cry Freedom“) mit Lead Vocals veredelt, ansonsten steht ausschließlich Hughes an vorderster Front. Dass der Kerl mit seinen bereits 61 Jahren immer noch hervorragend singt, stellt er auf „Afterglow“ erneut eindrucksvoll unter Beweis (man beachte nur die Schreie in „Big Train“ oder „The Circle“), aber ein bisschen schade ist es dennoch, dass Joe Bonamassas weichere Stimme nicht häufiger den Kontrast bildet, der einer von vielen Gründen war/ ist, welche den Reiz von BCC ausmachen.

Während vom ersten zum zweiten Album eine Weiterentwicklung insofern erkennbar war, als dass das Songwriting auf „2“ etwas kompakter und mehr auf den Punkt kommend denn auf dem verspielteren Debütalbum, wo die Bandmitglieder streckenweise sehr ausgiebig solierten, gestaltet war, ist der Schritt zu „Afterglow“ weitaus kleiner. Die Stücke sind auch hier eher kompakt gehalten, redundante Solosperenzchen sind nicht anzutreffen, sondern alles ist im Rahmen; die Gruppe hat, bei allen Referenzen zu klassischem Hard Rock, ihren eigenen Stil schon längst etabliert. Es muss ja auch nicht immer gleich ein Quantensprung sein, wenn man einfach gute Songs schreibt.

Mit dem Opener „Big Train“ erwischt man jedenfalls einen Start nach Maß, das einleitende Uptempo-Riff haut einen sofort aus den Socken und wenn man nicht weiß, was einen erwartet, schreckt man garantiert erst einmal ordentlich hoch, mit einigen clever eingewobenen sanfteren Klängen zwischendurch schafft der Vierer jedoch eine sehr gute Dynamik. Das folgende, unheimlich cool in mittleren bis getragenen Temporegionen vorwärts marschierende und mit kraftvoll röhrender Hammondorgel unterlegte „This Is Your Time“ ist dann völlig zweifellos eines der ganz großen Highlights der Platte und ein Song, der Glenn Hughes’ funky Stimme so richtig zugutekommt.

Mit dem supergeil groovenden „Midnight Sun“, dem epischen, sich fett steigernden „The Circle“, wo Glenn über sich hinauswächst, und dem tollen Titelstück, das einige traumhaft schöne, melancholische Gesangslinien und Pathos atmende Streichersequenzen sein Eigen nennt und trotzdem nicht komplett auf Härte verzichtet, hat man weitere exzellente Kompositionen am Start. Auch „Confessor“ ist sehr treibend und rockt mächtig nach vorne und „Common Man“ macht mit seinem Jam-Charakter zum Ende hin viel Spaß, erinnert zu Beginn jedoch frappant an Rushs „Tom Sawyer“ (na ja, okay: geschenkt). Insgesamt wird aber nicht ganz das Niveau des vorigen, allerdings auch wahrlich überragenden Vorgängers erreicht (der retrospektiv betrachtet eigentlich einen runden Neuner verdient gehabt hätte). Letztlich hatte man dort in Form von „Faithless“, „Save Me“, „The Battle For Hadrian’s Wall“, „An Ordinary Son“, „Little Secret“, „Crossfire“ und „Cold“ eine ganze Reihe von absoluten Oberknallern im Gepäck, während auf vorliegendem Werk mehr Nummern dabei sind, die eben lediglich als solide zu bezeichnen sind.

Das Mainriff des Schlusspunktes „Crawl“ beispielsweise ist zwar ziemlich lässig, aber so richtig will der Song doch nicht zünden, „The Giver“ plätschert ein wenig vor sich hin und „Dandelion“ ist schon beinahe belanglos. Als Gesamtpaket betrachtet handelt es sich bei „Afterglow“ trotzdem um eine weitere sehr starke, von Produzent Kevin Shirley gut in Szene gesetzte Scheibe dieser vier Ausnahmemusiker, der man auf jeden Fall immer noch 8,5 Punkte geben darf. Hoffen wir mal, dass es sämtlichen Gerüchten zum Trotz nicht die letzte ist!

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