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Birds Of Passage: Winter Lady

Eine neue Facette der Leere
Wertung: 8.5/10
Genre: Ambient, Minimal, Drone
Spielzeit: 46:03
Release: 16.12.2011
Label: Denovali Records

Obwohl das Projekt von Alicia Merz noch zu den Neuzugängen auf dem Label Denovali Records gehört, steht mit „Winter Lady“ nach dem Debüt „Without The World“, dem gemeinsam mit Leonardo Rosardo aufgenommenen „Dear And Unfamiliar“ und der EP „Highwaymen In Midnight Masks“ bereits die dritte Veröffentlichung von Birds Of Passage binnen einen Jahres an – an Kreativität mangelt es der Neuseeländerin also scheinbar nicht, doch inwieweit vermag die minimalistische Musik der Solokünstlerin beim dritten Mal noch, die gleiche Magie wie bisher zu verströmen?

Trotzdem sich „Winter Lady“ musikalisch de facto in keinster Weise von „Without The World“ unterscheidet, wohnt dem neuen Werk des Projektes doch eine spürbar andere Stimmung inne – ohne dass sich der Grund dafür exakt an etwas festmachen ließe, strahlt das Album neben dem weiterhin stets präsenten Gefühl der Einsamkeit eine lähmende Kälte aus. Teilweise könnte dies an der Tendenz der Songs liegen, sich nun über im Durchschnitt längere Spielzeiten als auf dem Debüt zu erstrecken und die ohnehin schon in Zeitlupe dahinfließenden Musik so in eine nahezu bewegungslose Schwebe zu heben, die das Album stark stimmungsabhängig macht. Letztendlich ist „Winter Lady“ nämlich ein Werk, das nicht nur seine Zeit braucht, sondern auch deutlich über bloße Melancholie hinausgeht und den Hörer in endlos scheinende Leere fallen lässt.

Um diesen schwer zu fassenden Gemütszustand beim Hörer hervorzurufen, bedient sich Alicia denkbar simpler Mittel, setzt diese aber auf wirkungsvolle Weise zusammen: Subtil rauschende, zwischenzeitlich bedrohlich anschwellende Drones liegen unter den einsamen Klängen von Akustik-Gitarre und Klavier; über allem hallt die halb gesungene, halb geflüsterte Poesie der Neuseeländerin durch das Nichts. Obwohl die Melodien sich kaum merklich durch die weiße Einöde schleichen, lassen sich doch immer wieder kleinere Veränderungen in den Songs erkennen: Im eröffnenden, rund siebenminütigen „Fatal Melody“ ist es beispielsweise das simple, fragile Klavier, das in erster Linie für Bewegung über den beunruhigenden Klangflächen sorgt, während in „Away With The Night“ nach einem unheimlichem A-Capella-Einstieg geisterhafte Streicher Akzente setzen.

Zwar fällt entfaltet „Winter Lady“ seine Wirkung in erster Linie als Ganzes, nichtsdestotrotz lassen sich aber einige besonders eindringliche Momente herausheben, die zwar nicht im Sinne eines Ohrwurms im Gedächtnis bleiben, aber doch einen bleibenden Eindruck hinterlassen – so ist es beispielsweise die leicht schwingende Melodie aus Glockenspiel-artigen Klängen, die in „Highwaymen In Midnight Masks“ sämtliches Glück verebben lässt, wohingegen „Hollow“ vorrangig deshalb auffällt, weil der Gesang hier weit über dem kaum hörbaren Instrumental schwebt und Alicias einfühlsame Stimme in all ihrer Wirkungsmacht zur Geltung kommen lässt. Den Abschluss findet das Album mit dem circa neuneinhalbminütigen „Waltz While We Sleep“, das trotz oder gerade wegen seiner Länge am meisten zu fesseln vermag und finstere Drones mit Schlaflied-artigen, friedlichen Melodien verwebt, um schließlich in verwaschenem Rauschen auszuklingen.

Wer nach „Without The World“ und „Dear And Unfamiliar“ nun auf größere Veränderungen bei Birds Of Passage hoffte, wird mit „Winter Lady“ fraglos enttäuscht, doch letztendlich wird die Mehrheit der Fans des Projektes vermutlich sowieso vorrangig auf die eigentümliche Atmosphäre, die Alicia Merz zu erschaffen in der Lage ist, Wert legen. Da der Neuseeländerin dieses Talent nicht abhanden gekommen ist, ist auch das zweite Soloalbum ihres musikalischen Flagschiffes wieder eine außergewöhnliche und berührende Erfahrung, die „Without The World“ in nichts nachsteht und in der richtigen Stimmung durch Mark und Bein geht.

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